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Radsport: Team Milram ist zum Siegen verdammt

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Team Milram ist zum Siegen verdammt

07.01.2010, 14:13 Uhr | dpa

Auf sie lastet die Verantwortung beim Team Milram: Linus Gerdemann (re.) und Gerald Ciolek (Foto: dpa)Auf sie lastet die Verantwortung beim Team Milram: Linus Gerdemann (re.) und Gerald Ciolek (Foto: dpa) Das Team Milram startet mit neuer Strategie, aber anhaltenden Zukunftssorgen in die Radsport-Saison. Alle Versuche der Teamleitung, bei der Vorstellung der Mannschaft in Dortmund Optimismus zu verbreiten, konnten nicht über die eigentlichen Probleme hinwegtäuschen.

Weil der Hauptsponsor (Nordmilch AG) sein auf jährlich rund acht Millionen Euro veranschlagtes Engagement über 2010 hinaus wohl nicht verlängern wird, steht die einzig verbliebene deutsche ProTour-Equipe mächtig unter Druck. Nur positive Schlagzeilen bei namhaften Tages-Klassikern und Rundfahrten könnten das Interesse neuer Geldgeber wecken. "Jetzt müssen Erfolge her. Es gibt keine Ausreden mehr", sagte Teammanager Gerry van Gerwen.

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Putzen und Kochen ist angesagt

Um letzte Reserven zu mobilisieren, verkündete van Gerwen einen Paradigmenwechsel. Neue, unbequeme Spielregeln sollen aus 24 Individualisten eine schlagkräftigere Mannschaft formen. Beim Dezember-Training auf Mallorca logierten die Fahrer nicht in einem Vier-Sterne-Hotel, sondern in Appartements für Selbst-Verpfleger. Die Sportler mussten dort putzen und kochen. "Das war für die Profis am Anfang schrecklich", erläuterte van Gerwen seine "Back to Basics-Philosophie", "aber nach fünf Tagen fanden sie es gut. Solche Maßnahmen tragen zu einem neuen Teamspirit bei."

Milram droht gleiches Schicksal wie Gerolsteiner

Vor allem die Teamkapitäne Linus Gerdemann und Gerald Ciolek stehen in der Verantwortung. Alle wissen: In der kommenden Saison wird es weniger auf die Neuzugänge Roger Kluge, Dominik Nerz, Luke Roberts sowie die Belgier Roy Sentjens und Wim De Vocht als vielmehr auf die etablierten Fahrer ankommen. Radeln Gerdemann, Ciolek und Fabian Wegmann der Konkurrenz allzu weit hinterher, droht der Mannschaft das gleiche Schicksal wie dem Team Gerolsteiner, das 2008 nach vergeblicher Sponsorensuche aufgeben musste. Die Chancen auf eine Vertragsverlängerung mit Milram sind gering. "Im Moment steht eine Fortsetzung unseres Engagements nicht zur Disposition, aber wir haben großes Interesse an einem Fortbestand des Teams", sagte Nordmilch-Sprecherin Godja Sönnichsen.

25 Siege sind Pflicht

Alle Beteiligten wollen dazu beitragen, dass der deutsche Radsport nicht wieder in überwunden geglaubte Zeiten ohne Top-Team zurückfällt. Gerdemann stellte einen Aufwärtstrend in Aussicht: "Ich bin auf einem viel höheren Fitness-Level als zum gleichen Zeitpunkt im vorigen Jahr und hoffe, dass ich im Jahr 2010 ein anderer Radfahrer bin." Und Manager van Gerwen machte deutlich, was er von seinen 24 Profis, unter ihnen 16 Deutsche, erwartet: "Bei der Qualität unserer Fahrer sollten 25 Siege bei rund 250 Rennen möglich sein. Was uns gefehlt hat, waren Profis, die beim Start das Messer im Mund tragen."

Chance bei der Tour verpasst

Die Bilanz des Vorjahres macht wenig Mut und taugt nur bedingt zur Investoren-Suche. Schon vor zwölf Monaten hatte van Gerwen 25 Saisonsiege als Ziel ausgegeben, am Ende standen jedoch nur neun Erfolge zu Buche. Vor allem beim Saisonhöhepunkt, der Tour de France, verpasste das Team die Chance, sich für mögliche Sponsoren interessanter zu machen. Positiv in Erinnerung blieben nur der Etappensieg durch Ciolek bei der Vuelta, der Gewinn der Bayern-Rundfahrt durch Gerdemann und der Sieg Wegmanns beim Frankfurter Traditionsrennen am 1. Mai. Sprinter Ciolek hofft auf fettere Beute: "Wir wollen möglichst viele Rennen gewinnen - große Rennen."

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