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Radsport: Servais Knaven jagt Rekord bei Paris-Roubaix

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Radsport  

Knaven: "Notfalls trage ich mein Rad ins Ziel"

09.04.2010, 11:52 Uhr | Björn Lücker, t-online.de

Radsport: Servais Knaven jagt Rekord bei Paris-Roubaix. So muss ein Klassikerjäger aussehen: Servais Knaven vom Team Milram (Foto: imago)

So muss ein Klassikerjäger aussehen: Servais Knaven vom Team Milram (Foto: imago) (Quelle: imago)

Das Interview führte Björn Lücker

Wo sich andere Radprofis mit Grausen abwenden, blüht Servais Knaven richtig auf. Der Niederländer vom Team Milram liebt die Frühjahrsklassiker – vor allem Paris-Roubaix. Am Sonntag kann der 39 Jahre alte Routinier, der den Ritt durch die "Hölle des Nordens" 2001 schon einmal für sich entscheiden konnte, Radsportgeschichte schreiben: Er will zum 16. Mal in Folge das Ziel erreichen - das hat noch keiner geschafft. t-online.de sprach mit Knaven über seine besondere Beziehung zu Paris-Roubaix, die Härte des Rennens und seine Leidenschaft als Hobby-DJ.

Herr Knaven: Wo liegt eigentlich ihre Schmerzgrenze?
Knaven: (lacht) Ich glaube, ich weiß worauf Sie hinauswollen: Paris-Roubaix!

Genau. Das Rennen ist gespickt mit Kopfsteinpflaster-Passagen, mit 260 Kilometern extrem lang und meistens müssen Sie sich auch noch durch Matsch kämpfen. Klingt nicht gerade reizvoll.
Für mich schon. Das ist ein toller Kurs, die Strecke ist schön flach, das liegt mir. Und weil ich da bisher immer gut gefahren bin, ist Paris-Roubaix mein Lieblingsrennen.

Worauf kommt es bei Paris-Roubaix an, um vorne mitfahren zu können?
Man muss richtig über diese riesigen Pflastersteine rollen. Das kann nicht jeder. Du brauchst eine gute Technik, aber auch den passenden Körperbau. Das ist eine ganz andere Belastung, als einen Berg hochzufahren. Ein Beispiel: Tour-Sieger Alberto Contador hat keine Chance, wenn er mit einem Tom Boonen, Thor Hushovd oder mit mir in hohem Tempo über die Pavés (einzelne Kopfsteinpflaster-Passagen, Anm. d. Red.) fahren würde. Ich denke, ich habe da gute Gene mitbekommen. Andererseits würde Contador uns natürlich in den Bergen stehen lassen.

Vor welchen Pavés haben Sie denn am meisten Respekt?
Die Passage durch den Wald von Arenberg hat es wirklich in sich. Die Pflastersteine sind besonders grob und es geht bergab. Wenn es auch noch geregnet hat, ist es verdammt rutschig. Wenn du hier nicht voll konzentriert bist, macht es "peng" - und du liegst da. Und kurz vor dem Ziel gibt es noch einen Abschnitt mit einigen fiesen Kurven. Da sind alle platt, du kannst nicht mehr beschleunigen. Wenn man hier den Anschluss verliert, ist man weg.

Wird das Rad für die extremen Belastungen besonders präpariert?
Es gibt Fahrer, die lassen sich eine andere Gabel einbauen oder nehmen ein doppeltes Lenkerband, um die Stöße besser abzudämpfen. Ich bespielweise gehe mit einem Crossrad an den Start. Der Abstand zwischen Vorder- und Hinterrad ist um drei Zentimeter länger, das verbessert den Geradeauslauf und den Komfort. Sonst ist alles wie bei meinem Straßenrad.

Es heißt, dass die Fahrer nach Paris-Roubaix tagelange ihre Arme und Hände nicht mehr bewegen können oder starke Schmerzen verspüren…
…davon kann ich ein Lied singen. In den vergangenen Jahren hatte ich allerdings ein bisschen weniger Schmerzen, vielleicht hat sich mein Körper schon angepasst. Aber die ersten zehn Jahre waren schlimm: Nach dem Rennen tat mir alles weh. Meine Unterarme schwollen dick an und ich konnte meine Finger nicht mehr strecken. Ich habe auch schon Fahrer gesehen, die hatten die ganzen Hände auf.

Sie haben bei Paris-Roubaix schon alles erlebt, sicher auch kuriose Geschichten?
Einmal bin ich hinter Steffen Wesemann hergefahren. Er hat lange in Führung gelegen, konnte dann aber nicht mehr in die Pedale treten, weil ihm die Schuhplatte durch die Erschütterungen und den Matsch regelrecht weggeflogen ist. Wir sind dann an ihm vorbei. Der arme Kerl hat geflucht wie ein Rohrspatz. Dann gab es Rennen, wo wir auf den Pavés bei schönem Wetter im Staub Rad an Rad hintereinander her gerast sind - ein regelrechter Blindflug. Die Fans stehen auch noch ganz dicht an der Strecke. Aber irgendwie ist einem das alles fast schon egal - so ist eben Roubaix.

Nun können sie am Sonntag Radsportgeschichte schreiben, wenn Sie das 16. Mal in Folge ins Ziel kommen. Denken Sie daran?
So ein Rekord wäre schon toll. Ich bin in einer guten Form. Was auch passiert, ich werde alles versuchen, nach Roubaix zu kommen. Notfalls trage ich mein Rad ins Ziel.

Und danach geht es zur Entspannung ans DJ-Pult. Es heißt, Sie legen leidenschaftlich gerne Musik auf.
Das hat sich so entwickelt. Ich habe schon immer Musik auf CDs gebrannt und ein bisschen gemixt. Dann hat mich ein Freund gefragt, ob ich auf seiner Hochzeit für Stimmung sorgen könnte. Das kam gut an. Und jetzt habe ich auch richtiges Equipment mit DJ-Pult und so weiter in meinem Haus. Da lasse ich es dann auch mal krachen.

Sie haben vier Töchter. Machen die schon mit?
Und wie: Vor zwei Monaten hatte eine Tochter Geburtstag. Sie war mit ihren Freundinnen schnell im Keller verschwunden und hat richtig Discoparty gemacht.

Welche Musik hören Sie denn am liebsten?
Stimmungsmusik! Ich war einmal mit Andreas Klier, der ja lange in München gelebt hat, auf dem Oktoberfest. Das war super. Manchmal schließe ich auch meinen MP3-Player im Teambus an. Ich höre meine Musik aber auch vor den Rennen, um mich ein bisschen abzulenken. Vor allem vor den Klassikern bin ich immer unheimlich nervös.

Sie sind schon 17 Jahre im Profigeschäft. Wie lange wollen Sie noch fahren?
Nach den Klassikern setzte ich mich in Ruhe hin, ziehe ein Resümee und schaue, wie es weitergeht.

2001 haben Sie Paris-Roubaix schon einmal gewonnen. Träumen sie eigentlich vom Sieg 2010?
Warum nicht? Ich kenne auf der Strecke fast jeden Pflasterstein. Die Chance ist da.

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