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Erik Zabel: Vom Talentsichter zum Streitschlichter

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Greipel vs. Cavendish: Zabel zwischen den Fronten

13.04.2010, 12:48 Uhr | sid, sid

Erik Zabel: Vom Talentsichter zum Streitschlichter. Erik Zabel: "Bei zehn Tour-Siegen hat Cavendish einen Bonus" (Foto: dpa)

Erik Zabel: "Bei zehn Tour-Siegen hat Cavendish einen Bonus" (Foto: dpa)

Erik Zabel ist nicht zu beneiden. Eigentlich ist der frühere Ausnahmesprinter beim Team Columbia ja für den wenig konfliktträchtigen Job der "Entwicklung und Sichtung von Talenten" zuständig, inzwischen muss der 39-Jährige aber zunehmend die Rolle des Streitschlichters einnehmen. Denn zwischen den Topsprintern Andre Greipel, der in diesen Tagen in der Türkei Siege am Fließband einfährt, und Mark Cavendish fliegen seit Wochen die Fetzen. Hintergrund ist der Kampf um die Kapitänsrolle bei der Tour de France.

Zabel: "Das Interview war ein Fehler"

"Wir haben mit beiden ein Gespräch geführt. Es muss gegenseitiger Respekt da sein. Und eins ist klar: Am Ende entscheidet die Teamführung", sagte Zabel und nahm vor allem Cavendish ins Gebet: "Das Interview war ein Fehler von Mark. Das hat er auch verstanden."

Cavendish: Bin auch in schlechter Form schneller als Greipel

Das Interview des zehnmaligen Tour-Etappensiegers Cavendish im "Guardian" hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. "Ich bin schneller als Greipel, sogar wenn ich außer Form bin", hatte der Brite gegen seinen deutschen Rivalen gestänkert. Greipel werde nie ein solch großes Rennen wie Mailand-San Remo gewinnen. Und angesprochen auf die Bilanz von inzwischen 8:1 Siegen zugunsten des Deutschen in dieser Saison, legte Cavendish nach: "Wenn ich unbedingt Siege bei beschissenen kleinen Rennen wollte, dann würde ich irgendwelche beschissene kleine Rennen bestreiten."

Greipel wollte Mailand-San-Remo fahren

Der Attacke des Hitzkopfes von der Isle of Man war der Unmut von Greipel über die Nichtnomierung bei Mailand-San-Remo vorausgegangen. Das sei ein Tiefschlag gewesen. Im Sprint wäre mit ihm zu rechnen gewesen, hatte Greipel angemerkt und auf die Probleme Cavendishs zu der Zeit hingewiesen.

Mit Doppelspitze zur Tour?

Nun also der aufdiktierte Burgfrieden, doch der ist brüchig. Denn die Entscheidung über den Tour-Kapitän ist weiter offen. "Beide bekommen bis zur Tour die Möglichkeit, sich zu zeigen. Andre fährt den Giro d'Italia, Mark die Kalifornien-Rundfahrt", sagt Zabel, der sich auch eine Doppellösung bei der Tour vorstellen kann: "Ich bin in der Teamleitung ein Verfechter dafür, mit beiden zur Tour zu fahren. Aber ich habe nur eine Stimme."

Aldag: "Andre hat seine Chance verdient"

Die Vorstellung dürfte bei seinen Kollegen auf wenig Gegenliebe stoßen. "Beide aufeinander loszulassen, ist weder schön, noch hilfreich oder erfolgreich. Wir müssen irgendwie eine Lösung finden", sagte Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag, wenngleich er zugibt: "Andre hat eine Chance bei der Tour verdient." Doch im Vergleich mit Cavendish hat der gebürtige Rostocker die schlechteren Karten, wie Zabel durchblicken lässt: "Cavendish hat bei der Tour gezeigt, dass er als alleiniger Sprinter Siege holen kann. Durch die zehn Siege in zwei Jahren hat er sicher einen Bonus."

Konkurrenz buhlt um Greipel und Cavendish

Im nächsten Jahr dürfte sich das Problem von alleine lösen. Der Vertrag von Greipel läuft aus, und einige Teams wie der belgische Rennstall Omega Pharma Lotto haben schon ihr Interesse bekundet. "Ich würde es bedauern, wenn er Columbia verlassen würde", sagte Zabel. Womöglich kommt es aber auch anders, schließlich ist das britische Sky-Team immer noch an einer Verpflichtung Cavendishs interessiert.

Greipel will weiter siegen

Bis die Entscheidung im Juni fällt, will Greipel weiter mit Siegen für sich werben. So wie bei der Türkei-Rundfahrt, wo er am Sonntag den Prolog gewann und einen Tag später im Massensprint seine Klasse unter Beweis stellte. Aber die Rundfahrt dürfte nach Ansicht von Cavendish ja nur in die Kategorie "beschissenes kleines Rennen" fallen.

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