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Gerücht über Motor-Doping schockt den Radsport

02.06.2010, 13:28 Uhr | sid, sid

Gerüchte über Motordoping schocken den Radsport. Hatte Cancellara bei Paris-Roubaix und der Flandern-Rundfahrt einen Hilfsmotor an Bord? (Foto: imago)

Hatte Cancellara bei Paris-Roubaix und der Flandern-Rundfahrt einen Hilfsmotor an Bord? (Foto: imago)

Wie heißt es immer: Die Doper sind in ihren Methoden schneller als die Dopingfahnder. So könnte es diesmal wieder sein. Denn im Radsport ist offenbar ein neues Wundermittel im Umlauf. Es schafft bis zu 20 Prozent mehr Leistung, ist durch keine Blut- oder Urinkontrolle nachweisbar und birgt noch nicht einmal gesundheitliche Risiken. Die Rede ist nicht etwa von Epo in seiner ausgereiftesten Form, Motor-Doping heißt vielmehr das Zauberwort. Was sich wie ein Aprilscherz anhört, ist das heißeste Gerücht in der Velo-Szene. Im Internet kursiert bereits ein Video, das die Gala-Vorstellungen von Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix in einem anderen Licht erscheinen lässt. Hat der Schweizer bei seinen grandiosen Erfolgen die Radsport-Welt etwa arglistig hinters Licht geführt?

Es geht um einen kleinen Hilfsmotor, der im Rahmen versteckt wird und das Treten der Radprofis unterstützt. Der Tiroler Maschinenbauer Gruber hatte einen ähnlichen Zusatzantrieb 2007 für Mountainbikes auf den Markt gebracht. 60 bis 100 Watt kann nach Einschätzung der Experten der geheime Turbo bringen.

Boonen und Co. wie Hobbyradler stehen gelassen

Turboschnell war im Frühjahr auch Cancellara unterwegs. Sowohl bei der Flandern-Rundfahrt als auch bei Paris-Roubaix hatte der "TGV aus Ittingen" namhafte Konkurrenten wie Ex-Weltmeister Tom Boonen auf dem harten Kopfsteinpflaster in Belgien und im Norden Frankreichs wie Hobbyradler stehen lassen. Ein Video mit dem früheren Radprofi Davide Cassani auf "Youtube", das rund 500.000-mal schon angeklickt wurde, will eine Erklärung für die außergewöhnlichen Leistungen des Schweizers gefunden haben und zeigt Aufnahmen, wie er mit der rechten Hand verdächtig am Lenker entlang rutscht, ehe er plötzlich seinen Rivalen davonfährt.

Cancellara: "Schwachsinn"

Die Empörung ist jedenfalls groß bei Cancellara. "Das ist so ein Schwachsinn. Ich bin geradezu sprachlos. Meine Siege sind das Ergebnis harter Arbeit. Ich hatte noch nie Batterien in meinem Rad“, echauffiert sich der Olympiasieger von Peking Cassani hält es aber durchaus für realistisch, dass derartige Räder zum Einsatz gekommen sind. "Mit so einem Rad gewinne ich mit 50 Jahren noch eine Giro-Etappe. Damit lassen sich problemlos Geschwindigkeiten von 50 km/h fahren", sagt der Italiener und demonstriert den PS-Betrug.

UCI: Untersuchungen wird es nicht geben

Die UCI nimmt die neue Bedrohung jedenfalls sehr ernst. Man beobachte die Angelegenheit sehr aufmerksam, betonte UCI-Sprecher Enrico Carpani: "Wir haben aber keine Kenntnis davon, dass derartige Produkte im Umlauf sind." Untersuchungen gegen Cancellara gebe es aber nicht, nachweisbar wäre ein derartiger Betrug im Nachhinein ohnehin nicht mehr.

Techniker: "Risiko wäre zu groß"

UCI-Technikchef Jean Wauthier hält es ohnehin nicht für möglich, dass Cancellara bei seinen Siegen einen fremden Turbo eingeschaltet hat: "Das Risiko wäre zu groß - für ihn selbst, für das Team und den Radhersteller. Ein Champion wie Cancellara würde das nicht riskieren.“ Trotzdem arbeitet das "UCI-Betrugsdezernat" mit Hochdruck an einem Scanner, um eine derartige Maschine aufzudecken.

Lefevere: "Das muss untersucht werden"

Die Konkurrenz ist jedenfalls hellhörig geworden. "Das muss untersucht werden", sagt Boonens Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevere: „Ich bin vorsichtig, nachdem ich das Video gesehen habe. Wenn wir uns vorstellen, dass es wahr ist, wäre das Betrug. Das wäre schlimmer als Drogen." Kaum zu glauben, dass Lefevere, der einst von Patrik Sinkewitz bei dessen Dopinggeständnis schwer belastet worden war, einmal gegen Gaunereien im Radsport ankämpft.

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