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Hans-Michael Holczer: "Leipheimer hatte manipuliert"

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Holczer fürchtete seinen persönlichen Bankrott

04.08.2010, 15:35 Uhr | sid, sid

Hans-Michael Holczer: "Leipheimer hatte manipuliert". Im Kampf gegen Doping: Hans-Michael Holczer. (Foto: imago)

Im Kampf gegen Doping: Hans-Michael Holczer. (Foto: imago)

Hans-Michael Holczer gibt nicht auf. Knapp zwei Jahre nach dem Ende des Radteams Gerolsteiner hat er ein weiteres Geheimnis im Kampf gegen Doping gelüftet. Sein früherer Kapitän Levi Leipheimer fiel bei der Tour de France 2005 mit auffälligen Blutwerten auf, sodass selbst der Weltverband UCI Holczer dazu drängen wollte, den Amerikaner unter einem vorgeschobenen Grund aus dem Rennen zu nehmen.

Dem Teamchef waren allerdings juristisch die Hände gebunden. "Die Blutwerte von Leipheimer hatten eine hohe Manipulationswahrscheinlichkeit ergeben", schreibt Holczer in seinem Buch "Garantiert positiv", das Mitte der Woche in Stuttgart vorgestellt wurde. Am Ruhetag in Grenoble kam Holczer die bittere Erkenntnis: "Für mich war klar: Leipheimer hatte manipuliert." Die Tour beendete der Rundfahrt-Spezialist dennoch auf Platz sechs.

Moralische Verpflichtung steht einer juristischen Bedrohung gegenüber

Die Blutwerte Leipheimers hatten einen Koeffizienten von 132,8 ergeben. Damit lag der Amerikaner allerdings 0,2 Punkte unter dem Grenzwert. "Da stand eine moralische Verpflichtung einer juristischen Bedrohung gegenüber", sagte Holczer. Bei normalen Menschen liege dieser Koeffizient zwischen 70 und 100. Nach einer Unterredung mit UCI-Mediziner Mario Zorzoli war klar, dass der Weltverband Holczer nicht schriftlich auffordern würde, den Amerikaner aus dem Rennen zu nehmen.

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Leipheimer, der durch das Doping-Geständnis von Floyd Landis im Mai ebenso wie Lance Armstrong belastet worden war, fuhr weiter. "Heute stufe ich den Vorfall als glatte Beihilfe zur Manipulationsverschleierung ein", sagte Holczer. Holczer füchtete auch seinen persönlichen Bankrott. Der Vertrag mit Gerolsteiner sicherte ihm einen "Freischuss" zu, bei einem zweiten Dopingfall würde das Engagement sofort beendet werden. "Den Freischuss hatten wir gleich nach drei Monaten (Danilo Hondo, d. Red.). Seitdem saßen wir auf einem wirtschaftlichen Pulverfass", schrieb Holczer.

Holczer entscheidet sich zu schweigen

Seine Tendenz zum Märtyrertum sei in dieser Situation gering gewesen. Also entschied er sich zu schweigen. "Ich wäre mit Hab und Gut pleite gegangen", sagte der Geschichts- und Mathematiklehrer. Er sei überzeugt gewesen, dass er das Dopingproblem im Griff habe. Letztlich sei er aber von Dopingsündern instrumentalisiert worden. Sein Buch sei keine Abrechnung, betonte Holczer, und es sei auch nicht darum gegangen, Dinge zu enthüllen und Leute an den Pranger zu stellen. "Manches steht nur zwischen den Zeilen, weil das Buch ausgiebig von Juristen geprüft wurde", sagte der 56-Jährige.

Momentan versucht eine Agentur, Holczer wieder einen Job im Radsport zu verschaffen. Die Erfolgsaussichten sind offenbar gering. Am 13. September wird Holczer wieder in seinen alten Beruf an der Friedrich-Schiller-Realschule in Herrenberg zurückkehren.

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