Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Mehr Sport > Radsport >

Radsport: Tour-Sieger Fignon erliegt seinem Krebsleiden

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Radsport  

Fignon verliert seinen letzten Kampf

31.08.2010, 13:56 Uhr | dpa, t-online.de, dpa, t-online.de

Radsport: Tour-Sieger Fignon erliegt seinem Krebsleiden. Laurent Fignon wurde nur 50 Jahre alt. (Foto: imago)

Laurent Fignon wurde nur 50 Jahre alt. (Foto: imago)

Sein Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen. "Ich möchte nicht mit 50 sterben", hatte Laurent Fignon vor Beginn der vergangenen Tour-de-France gesagt. Nun hat er seinen wohl härtesten Kampf verloren. 18 Tage nach seinem runden Geburtstag ist der zweifache Tour-Sieger dem Bauchspeicheldrüsen-Krebs erlegen. Das bestätigte der TV-Sender "France 2", für den der Franzose im Juli die Schlüsseletappen der 97. Frankreich-Rundfahrt mit leiser und brüchiger Stimme kommentiert hatte.

Tour de France 
Um Haaresbreite

Impressionen vom Tour-Finale 1989, dem spannendsten aller Zeiten. zum Video

Sein dramatischer Kampf gegen den Krebs fand in der Öffentlichkeit statt. Fast jeden Tag vor einem Millionenpublikum. "Ein Tumor drückt auf eine Stimmlippe. Deshalb höre ich mich so an. Ich hoffe, dass ich wieder gesund werde und die Stimme zurückkommt. Aber das Volk kann sicher sein, sprechen tut mir nicht weh", sagte Fignon beschwichtigend. So hatte der Toursieger von 1983 und 1984 der Zeitung "Le Parisien" sein hörbares Handicap erklärt. Der profunden Kompetenz seiner Renn-Analysen tat das keinen Abbruch.

Nickelbrille und Pferdeschwanz als Markenzeichen

Kahlköpfig saß Fignon, dessen Markenzeichen stets die Nickelbrille und ein blonder Pferdeschwanz waren, bei der Tour zum Auftakt in Rotterdam und danach in den Alpen und Pyrenäen auf dem Kommentatoren-Stuhl. Er war in seinen Beurteilungen kompromisslos und auch zu Späßen aufgelegt. Eigentlich ging es bei der TV-Übertragung immer lustig zu. Ernster wurde es am letzten Tag in Paris, als er sich von den Zuschauern und seinem Kommentatoren-Team verabschiedete. Er bedankte sich dafür, dass er trotz seiner Krankheit die Chance erhalten hatte, wie in den Jahren zuvor, vom Topereignis des Welt-Radsports hautnah zu berichten. Es war ein Abschied für immer.

"Das ist ein Schock, gerade weil es einen aus meiner Generation traf. Ich bin mit Fignon öfter Rennen zusammen gefahren, 1987 als ich bei der Vuelta Zweiter wurde, war er Dritter. Er war sehr ehrgeizig, im Umgang aber unkompliziert - ein netter Kerl", erinnerte sich Ex-Profi Reimund Dietzen an seinen ehemaligen Kontrahenten.

Mitteilungsverbot für die Ärzte

Mit Lance Armstrong war Fignon seit dessen Krebs-Diagnose 1996 befreundet. Nach Vermittlung des Texaners hatte sich Fignon zu Beginn des Jahres von einem Spezialisten in den USA behandeln lassen. "Ich habe meine Ärzte angewiesen, mir nicht mitzuteilen, wie hoch meine Überlebenschancen sind. Ich kämpfe weiter", hatte Fignon, der 1989 auch den Giro d'Italia gewann, vor dem Tourstart erklärt.

Im Vorjahr hatte er ein Buch mit dem übersetzten Titel "Wir waren jung und unbekümmert" veröffentlicht. In den folgenden Interviews nahm er auch Stellung zu möglichen Zusammenhängen zwischen eigenen Doping-Praktiken während seiner aktiven Zeit und seiner Krankheit. Die Dosen und Medikamente, die damals laut Fignon üblich gewesen seien, "sind im Vergleich zur heutigen Praxis ein Witz, behaupteten die Ärzte".

Frankreich trauert ein zweites Mal wegen Fignon

Sportlich war Fignon bei der Tour vor 21 Jahren zur tragischen Figur geworden. In der Endabrechnung nach mehr als dreiwöchiger Tortur war er Greg LeMond um acht Sekunden unterlegen - der knappste Rückstand der Tourgeschichte. Am 23. Juli 1989 verlor Fignon das abschließende Zeitfahren über 24,5 Kilometer von Versailles auf die Champs Elysées. LeMond hatte gegen den guten Zeitfahrer aus Paris in einer unglaublichen Triumphfahrt 58 Sekunden gutgemacht: Fignon weinte, die Radsport-Nation Frankreich trauerte. Jetzt trauert sie erneut.

Sportkolleg - Videos 
Fahrräder so teuer wie ein Kleinwagen

Sprint-Legende Wüst zeigt, was ein Profi-Rennrad ausmacht. zum Video

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Anzeige
Biermann über den Gipfelsturm 
"Das war ein richtiges Gänsehautgefühl"

Der deutsche Amateur-Radsportler erklimmt den Mont Ventoux mit einem Spenderherz. Video

"So schnell wie seit 10 Jahren nicht" 
Christoph Biermann gerät in Köln an seine Grenzen

Beim Velodom wird deutlich: Die Härte am Berg fehlt ihm nach seiner Herztransplantation noch. Video

Nach Herztransplantation auf den Mont Ventoux 
Christoph Biermann und das Rennen seines Lebens

Acht Monate wartete der Hobby-Radfahrer auf ein Spenderherz. Jetzt nimmt er den Ventoux ins Visier. Video



Anzeige
shopping-portal