25.09.2011, 16:06 Uhr | sid
Andre Greipel (re.) bei der Siegerehrung zusammen mit Sieger Mark Cavendish.
Dramatisches Finale mit Happy End für André Greipel: Der deutsche Top-Sprinter hat bei der Straßenrad-WM in Kopenhagen seine starke Saison gekrönt und im Fotofinish Bronze gewonnen. Der 29-Jährige verlor zwar das Duell mit seinem britischen Erzrivalen Mark Cavendish, der Weltmeister wurde, durfte sich aber dennoch über einen der größten Erfolge seiner Karriere freuen.
Greipel verpasste nach einem aufregenden Sprint den ersten WM-Titel für Deutschland seit Rudi Altigs Triumph 1966 auf dem Nürburgring. Der gebürtige Rostocker sicherte sich jedoch nach 266 Kilometern auf dem Rundkurs im Vorort Rudersdal das erste Edelmetall seiner Karriere - er schob sich um Millimeter am Schweizer Fabian Cancellara vorbei. Die Silbermedaille ging an den Australier Matthew Goss. Cavendish löste Vorjahresweltmeister Thor Hushovd ab, der diesmal mit dem Ausgang nichts zu tun hatte.
"Das war herausragend, ein irres Finale. Andre ist einen phänomenalen Sprint gefahren", sagte Udo Sprenger, Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer. Nach den Weltmeistertiteln von Judith Arndt und Tony Martin im Einzelzeitfahren und dem dritten Platz von Ina-Yoko Teutenberg bei den Frauen hat der BDR in allen vier Eliterennen der WM eine Medaille geholt. Insgesamt holte Deutschland damit bei diesen Titelkämpfen fünfmal Edelmetall und erreichte seine beste WM-Bilanz.
Im Finale waren vor allem die Teams von Großbritannien und Australien äußerst präsent und versuchten, für ihre Kapitäne Cavendish und Goss einen Sprint zu lancieren. Greipel war in der Schlussrunde ebenfalls gut positioniert und hatte in Marcel Sieberg, Danilo Hondo und John Degenkolb noch drei Teamkollegen bei sich. In dieser Phase hatte der Franzose Thomas Voeckler, der dieses Jahr mit Platz vier die Sensation der Tour de France gewesen war, die Initiative übernommen, wurde aber noch gestellt.
Wie angekündigt setzte der BDR kompromisslos auf seinen Kapitän. Greipel war bislang eine starke Saison gefahren, die gekrönt wurde von seinem Etappensieg bei der Tour de France. Auf die WM hatte er sich danach gezielt vorbereitet, im Gegensatz zu einigen anderen Medaillenanwärtern verzichtete Greipel aber auf den Formaufbau bei der Vuelta in Spanien. Im Vorfeld hatten die Deutschen den Belgier Philippe Gilbert als großen Favoriten ausgemacht, aber auch geglaubt, dessen Taktik ein wenig vorhersehen zu können. Nationen wie die Belgier um Gilbert wollten die deutschen Pläne durchkreuzen und über Attacken zum Erfolg kommen. Denn nur wenige Teams hatten Interesse an einer Entscheidung im Massenspurt.
Die Absicht war vielmehr, den Sprintern schon vor dem Finale die Kräfte zu rauben. So entwickelte sich ein unerhört schnelles Rennen mit einem Mittelwert von etwa 45 Stundenkilometern. An der Spitze des Feldes versuchten lange Zeit Bert Grabsch, Vierter im WM-Zeitfahren, und Andreas Klier das Geschehen gemeinsam mit Großbritannien zu kontrollieren. Doch als Zeitfahrweltmeister Tony Martin mehr als 70 Kilometer vor dem Ziel durch einen Massensturz aufgehalten wurde und keinen Anschluss mehr fand, war die deutsche Taktik empfindlich gestört.
Die deutsche Sprinter-Legende Erik Zabel hatte zuvor vermutet, dass eine große Gruppe mit etwa 50 oder sogar mehr Fahrern den Sieg unter sich ausmachen würde. Der Zug des Feldes werde wohl am Ende zu groß sein und einen Ausreißererfolg verhindern, sagte der 41-Jährige - und behielt Recht.
25.09.2011, 16:06 Uhr | sid
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