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Bruyneel droht im Armstrong-Sog Tour-Aus

15.06.2012, 12:54 Uhr | dpa

Bruyneel droht im Armstrong-Sog Tour-Aus. Johan Bruyneel (l) feierte mit Lance Armstrong die Tour-de-France-Erfolge.

Johan Bruyneel (l) feierte mit Lance Armstrong die Tour-de-France-Erfolge. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Nach den schweren Doping-Anschuldigungen gegen Lance Armstrong steht sein früherer Mentor und jetzige RadioShack-Nissan-Teamchef Johan Bruyneel im Bannstrahl der Vorwürfe von Jahre lang organisiertem Doping.

Bruyneels Auftritt - 2009 veröffentlichte er das Buch "Die Kunst zu siegen" - bei der am 30. Juni in Lüttich startenden Tour de France ist höchst ungewiss. Der Teamchef hat die Doping-Vorwürfe der nationalen Anti-Doping-Agentur der USA (USADA) zurückgewiesen. In einer am Freitag auf seiner Homepage veröffentlichten Stellungnahme schreibt der Belgier: "Ich bin unschuldig in allen Anklagepunkten." Er habe nie mit Doping zu tun gehabt.

"Ich hoffe, die Fahrer, die damit nichts zu tun haben, müssen das jetzt nicht ausbaden", sagte RadioShack-Routinier Jens Voigt der Deutschen Presse-Agentur dpa. In Frankreich wird ein Tour-Ausschluss des gesamten Teams diskutiert. Bjarne Riis war nach seinem Doping-Geständnis 2007 bei der Tour unerwünscht, im Jahr darauf war er allerdings schon wieder dabei.

"Ich will mich dazu nicht äußern. Ich habe sechs Kinder, ein Haus und einen Hund - ich habe andere Probleme", sagte der altgediente Profi aus Berlin zum Thema Bruyneel. Unabhängig von der aktuellen Lage geht Voigt selbst "erst zu 80 Prozent" davon aus, zum 15. Mal am Tourstart zu stehen, obwohl er zu Jahresbeginn feste Zusagen erhalten hatte. Bruyneel, der sportlich die Absage seines verletzten Kapitäns Andy Schleck verkraften musste, will das Tour-Team erst zum letztmöglichen Zeitpunkt benennen.

Der 47-jährige Ex-Profi aus Belgien, der Armstrong und den noch bis August Doping-gesperrten Alberto Contador zu zusammen neun Toursiegen führte, ist seit Jahren höchst umstritten. Bei Zeugenaussagen im Fall Armstrong, der laut der Amerikanischen Anti-Doping-Behörde USADA auch den Verlust seiner sieben Toursiege zwischen 1999 und 2005 riskiert, tauchte sein Name immer wieder auf. Die USADA droht Bruyneel mit lebenslanger Sperre, der Weltverband UCI forderte ihn zu einer Stellungnahme auf.

In einer am Freitagabend verbreiteten Mitteilung unternahm Sponsor Leopard dann auch keinerlei Versuch, dem Teamchef seines Rennstalls den Rücken zu stärken. "Die Vorwürfe beziehen sich ausschließlich auf Geschehnisse vor der Zusammenarbeit zwischen Herrn Bruyneel und Leopard S.A..", hieß es. Das Unternehmen sei mit einer Null-Doping-Toleranz im Radsport aktiv geworden. "In diesem Zusammenhang, und in Anbetracht der möglichen Entwicklungen in dieser Sache, wird Leopard S.A. alle adäquaten Maßnahmen ergreifen, um seine sportliche Integrität und die Interessen des Radsports zu wahren."

Sollte das RadioShack-Team ab 30. Juni fahren dürfen, Bruyneel aber zu Hause bleiben müssen, könnte Kim Andersen als Teamchef einspringen. Den meisten Fahrern um den potenziellen neuen Tour-Kapitän Frank Schleck wäre das wohl ohnehin lieber. Dass der Däne der erste Aktive war, der wegen Dopings lebenslang gesperrt wurde, ist längst vergeben.

Nach der im Vorjahr vollzogenen Fusion der Superteams Leopard-Trek und RadioShack war Bruyneel Teammanager des selbst ernannten "Real Madrids des Radsports". Aber trotz großer Namen und rund 15 Millionen Euro pro Saison vom Luxemburger Immobilien-Magnaten Flavio Becca blieben die Erfolge aus. Die Tour sollte alles rausreißen. Jetzt geht es da laut Voigt - wenn das Team fahren darf - im Angesicht der Superfavoriten Bradley Wiggins und Cadel Evans ums Podium und Etappensiege: "Wir haben keinen Killer-Kapitän."

Die "L'Équipe" berichtete bereits von telefonischen Kontakten der Schleck-Brüder mit anderen Teams für die kommende Saison. Andere Gerüchte besagen, die Schlecks, Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara und Voigt stünden für nächstes Jahr kollektiv zum Absprung bereit. "Davon weiß ich nichts", sagte Voigt.

Trotz der Androhung der Titelverluste sollte sich der zu Jahresbeginn durch den CAS bestrafte Jan Ullrich nicht zu viel Hoffnungen auf die nachträglichen Toursiege von 2000, 2001 und 2003 machen. Jedes Mal landete er hinter Armstrong. Nach Riis' Doping-Geständnis durfte der Däne trotzdem sein elf Jahre zuvor erworbenes Gelbes Trikot behalten. "Acht Jahre Verjährungsfrist", argumentierte damals die UCI.

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