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Tour-de-France-Präsentation versinkt im Doping-Sumpf

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Die 100. Tour de France wird präsentiert - und alle sprechen über Doping

24.10.2012, 19:11 Uhr | dpa

Tour-de-France-Präsentation versinkt im Doping-Sumpf. Die Sieger der beiden vergangenen Rundfahrten Rad an Rad: Cadel Evans (vorn) und Bradley Wiggins (in Gelb). (Quelle: imago)

Die Sieger der beiden vergangenen Rundfahrten Rad an Rad: Cadel Evans (vorn) und Bradley Wiggins (in Gelb). (Quelle: imago)

Der Name Armstrong fiel auf dem Podium in Paris bei der feierlichen Präsentation der 100. Tour de France nicht. Trotzdem war der Texaner in der Radsport-Hauptstadt im Palais des Congrès allgegenwärtig. Die Branche wird von weiteren Erschütterungen auch nach der Aberkennung aller Armstrong-Siege nicht verschont bleiben.

Das Tour-Jubiläum soll dennoch zum großen Spektakel werden, inklusive Start auf Korsika, Zeitfahren in Nizza und zum Mont Saint-Michel, einer Feiertagsetappe hinauf auf den Mont Ventoux, dem zweimaligen Anstieg nach L'Alpe d'Huez und einem Flutlicht-Finale auf die Pariser Champs Élysées. "Das Rennen wird offen sein bis zum Schluss", prophezeite der zweimalige spanische Gesamtsieger Alberto Contador, dem sein Erfolg 2010 wegen Clenbuterol-Dopings aberkannt worden war.

Froome könnte als Kapitän ins Rennen gehen

Sichtlich nervös stand der spanische Ehrengast auf der Tribüne in Paris - ob er angesichts des spektakulären Parcours 2013 oder vor drohenden Fragen nach Doping zitterte, war unklar. Die Tour-Organisatoren der ASO drückten sich nicht um das leidige Thema: Renndirektor Christian Prudhomme eröffnete die Zeremonie mit einem flammenden Appell. "Die Tour ist stärker als Doping!", dozierte er. "Der Feind ist das Doping!", rief Prudhomme in seiner emotionalen Rede, "nicht der Radsport und erst recht nicht die Tour."

Vier Bergankünfte stehen im Programm, die beiden Einzelzeitfahren führen über insgesamt 65 Kilometer. "Die Entscheidung wird in der letzten Woche in den Alpen fallen. Wir müssen uns im Team jetzt zusammensetzen und unsere kommende Strategie besprechen", sagte der diesjährige Tour-Zweite Chris Froome. Als starker Bergfahrer rechnet er sich Chancen aus, 2013 als Kapitän der Sky-Mannschaft ins Rennen zu gehen. Titelverteidiger Bradley Wiggins, in blauer Winterjacke auf dem Podium erschienen, signalisierte seine Unterstützung für den Teamkollegen - im vergangenen Sommer hatte ihm noch Froome geholfen.

UCI muss "Scheuklappen ablegen"

Unter den Gästen in Paris war auch der umstrittene UCI-Chef Pat McQuaid, der weiter in der Kritik steht. Travis Tygart, der Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA, der dem Weltverband die Strafe gegen Armstrong zur Ratifizierung vorgelegt hatte, verurteilte das Verhalten der UCI - Anfang der Woche hatte er noch ein wenig Lob verteilt. "Sie versuchen einfach nur von ihrem eigenen Versagen in dieser traurigen Saga abzulenken und diejenigen, die das Radfahren und einen sauberen Sport lieben, sollten dies nicht erlauben", teilte Tygart dem englischen "Guardian" in einer E-Mail mit.

Die USADA hatte mit ihrem Bericht und zahlreichen Zeugenaussagen maßgeblich zum Sturz des ehemals umjubelten Seriensiegers aus den USA beigetragen. Die UCI bemängelte nach ihrer Entscheidung, dass die Veröffentlichung "übertriebene Sprache" und "unkorrekte und unvollständige Aussagen" enthalte. Zudem hätten die gesammelten Beweise nach Ansicht des Weltverbandes, dem einige Zeugen Komplizenschaft zu Armstrong unterstellt hatten, von einer neutralen Stelle geprüft werden sollen. Der Ton wird merklich rauer.



Nach Ansicht von John Fahey, dem Präsidenten der Welt-Anti-Doping- Agentur WADA, müsse die UCI ihre "Scheuklappen ablegen". "Wenn Doping so weit verbreitet war, ist die Frage legitim: Wer hat es gestoppt? Wer hat etwas dagegen getan? Warum wurde es nicht gestoppt", fragte der Australier beim TV-Sender "Fox Sports".

Indurain und Contador nehmen Armstrong in Schutz

Trotz der auf mehr als 1000 USADA-Seiten dokumentierten Beweise gegen Armstrong ist der Amerikaner bei vielen Fahrern - vor allem Spaniern - noch längst nicht das Schwarze Schaf. Hatten in den vergangenen Tagen bereits der fünfmalige Tour-Sieger Miguel Indurain, 2008-Olympiasieger Samuel Sanchez und Alejandro Valverde für den tief gefallenen Radsportler Partei ergriffen, so schloss sich nun auch Contador an. "Man spricht über Lance, aber es gibt keinen Testbefund gegen ihn, nichts Neues", sagte er laut "L'Équipe". "Ich denke manchmal, dass man Lance keinen Respekt entgegenbringt. Meiner Ansicht nach wurde er erniedrigt und gelyncht. Man hat ihn zerstört."


Die Vereinigung der Profiteams (AIGCP) machte sich indes für eine unabhängige Kommission zur Untersuchung der Anti-Doping-Maßnahmen im Radsport stark. AIGCP-Präsident Jonathan Vaughters rief in Paris den Weltverband UCI auf, diesen Schritt zu unterstützen. "Die Kommission sollte sich die Umsetzung, die Theorie und das Funktionieren der Maßnahmen anschauen", sagte der frühere amerikanische Radprofi und heutige Garmin-Sharp-Teamchef dem Internetportal "cyclingnews.com".

Vaughters ist lautstarker Verfechter des Anti-Doping-Kampfes und hatte als Kronzeuge gegen seinen früheren US-Postal-Teamkollegen Armstrong ausgesagt.

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