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Rücktrittsforderungen: McQuaid mit dem Rücken zur Wand

26.10.2012, 13:47 Uhr | dpa

Rücktrittsforderungen: McQuaid mit dem Rücken zur Wand. UCI-Boss Pat McQuaid steht gewaltig unter Druck.

UCI-Boss Pat McQuaid steht gewaltig unter Druck. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Nach FIFA-Chef Joseph Blatter ist er der meist kritisierte Sport-Funktionär der Welt: Pat McQuaid, der Präsident des Welt-Radsport-Verbandes UCI, steht seit der Doping-Affäre Lance Armstrong mit dem Rücken zur Wand. Die Forderungen nach seinem Rücktritt werden immer vehementer.

Ehemalige und aktuelle Profis, Anwälte und Funktionäre fordern die Demission des 63-jährigen Iren, der 2005 in Madrid das Amt des mindestens genauso umstrittenen Hein Verbruggen übernommen hatte und neunter UCI-Chef wurde. Trotz aller Querschüsse will er bei der kommenden WM in Florenz 2013 für eine dritte Amtszeit kandidieren.

Der Ex-Profi und ehemalige HTC-Highroad-Teamchef Rolf Aldag, ein bekennender McQuaid-Gegner, rät eher zu Zurückhaltung. "McQuaid ist in der augenblicklichen Diskussion eigentlich nicht das Hauptthema, die Strukturen sind zu hinterfragen. Handelt es sich um mangelnde Demokratie in der UCI, wer wählt eigentlich den Präsidenten, wer kann wie Kandidaten zur Wahl aufstellen? - alles nicht transparent", sagte Aldag der Nachrichtenagentur dpa. Jean Regenwetter, Präsident des Luxemburger Verbandes, hatte die Verhältnisse in der UCI mit denen "in einer Bananenrepublik" verglichen.

Aldag, in der kommenden Saison in Tony Martins belgischem Omega-Quickstep-Team Technik-Chef, war in der laufenden Armstrong-Diskusssion "überrascht und schockiert, warum alle überrascht und schockiert waren, was in den USADA-Akten steht". Laut Aldag ist "Verbruggen wahrscheinlich das größere Problem als McQuaid", weil der eloquente Niederländer, IOC-Mitglied wie der kantige Ire, im Radsport immer noch die Fäden zieht und sich bis heute vor Armstrong stellt.

Der viel gescholtene McQuaid, der 2010 die Doping-Affäre Contador unter den Teppich kehren wollte, 2008 mit dem kompromisslosen Anti-Doping-Kämpfer Pierre Bordry von der Französischen AFLD schwer aneinandergeriet und sich lange vor Armstrong stellte, entstammt einer Radsport-Familie aus Dublin. Sein Vater Jim war Radrennfahrer. Pat, der älteste von zehn Kindern, war 1974 irischer Straßenmeister. In den beiden Folgejahren gewann der talentierte Sprinter die Irland-Rundfahrt.

Seine Brüder Kieron, Paul und Darach schafften den Sprung ins irische Olympia-Team. Pat McQuaid wurde 1976 von den Spielen in Montreal ausgeschlossen, weil er mit einem Start in Südafrika gegen die Anti-Apartheid-Bestimmungen verstoßen hatte.

Als Funktionär wird der Ire immer heftiger mit Forderungen nach seinem Rücktritt konfrontiert. Ganz drastisch wurde sein ehemaliger Prozessgegner und dreifache Toursieger Greg Lemond. "Ich möchte die Radsport-Welt bitten, helft mir, Pat McQuaid zu sagen, verpiss Dich und trete zurück. Ich habe noch nie solch einen Missbrauch von Macht erlebt", schrieb der 51 Jahre alte Amerikaner in einem offenen Brief, den er auf seiner persönlichen Facebook-Seite veröffentlichte. "Du, Pat, und Dein Kumpel Hein habt den Sport zerstört."

Diplomatischer hatte sich die Juristin Sylvia Schenk geäußert. "Bei McQuaid sind grundsätzliche Zweifel angebracht, ob er der Sportart durch eine radikale Umkehr wieder zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen kann - wegen seiner jahrelangen Verbindungen und seines eigenen Verhaltens", hatte die frühere Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) und Sportbeauftragte im Vorstand von Transparency International bereits vor der Übernahme der Urteile der US-Anti-Doping-Agentur USADA durch die UCI erklärt.

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