Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Mehr Sport > Radsport >

Dopingaffäre: Diese Männer müssen Lance Armstrong fürchten

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Wer Armstrongs Aussage fürchten muss

16.01.2013, 09:24 Uhr | Spiegel Online

Dopingaffäre: Diese Männer müssen Lance Armstrong fürchten. Verdächtige Nähe: Nicolas Sarkozy (vorne) und Lance Armstrong. (Quelle: imago/upi Photo)

Verdächtige Nähe: Nicolas Sarkozy (vorne) und Lance Armstrong. (Quelle: upi Photo/imago)

Von Birger Hamann

Er weiß alles über Doping im Radsport. Doch was davon gibt Lance Armstrong preis? Der US-Amerikaner hat angekündigt, im Fernsehinterview bei Oprah Winfrey mächtige Personen zu belasten. Zittern müssen vor allem die Bosse des Weltverbandes - und Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Sarkozy joggt gerne durch den Bois de Boulogne, ein Park im Westen von Paris. Dort findet Frankreichs einstiger Staatspräsident Ausgleich, kann in Ruhe über die großen und kleinen Probleme des Lebens nachdenken. Früher geisterten dabei wahrscheinlich die Namen Merkel, Obama oder Putin durch seinen Kopf. Jetzt sollte sich Sarkozy mit dem Namen Lance Armstrong beschäftigen.

"Mehrere mächtige Personen" müssen zittern

Am Donnerstag und Freitag wird das aufgezeichnete Interview des Ex-Radprofis mit Oprah Winfrey in zwei Teilen ausgestrahlt. Fest steht schon jetzt: Armstrong hat erstmals zugegeben, während seiner Karriere gedopt zu haben. Und nach Informationen der "New York Times" wird der 41-Jährige in dem Gespräch Menschen, die von den System Armstrong wussten oder es unterstützt haben, schwer belasten. Keine anderen Athleten, dafür "mehrere mächtige Personen im Radsport". Dies betreffe wohl in erster Linie Funktionäre des Radsport-Weltverbandes UCI - und damit wären wir bei Sarkozy.

Was wusste Frankreichs Ex-Präsident über das Dopingsystem Armstrong? Fest steht, dass der US-Amerikaner mehrmals bei Sarkozy im Elysée-Palast dinierte. Und nach einem dieser Besuche wurde der Etat des Pariser Dopinglabors AFLD kurzerhand halbiert, wie das Magazin "Nouvel Observateur" berichtete. Wenig später warf AFLD-Chef Pierre Bordry frustriert hin.

Entmachtung des Labors

Die Angelegenheit ist pikant, schließlich galt das Labor als sehr engagiert gegen Doping, eine entsprechend große Gefahr ging von ihm für Armstrong aus. Als er 2009 sein Comeback bei der Tour de France gab, wurde dem AFLD die Hoheit über die Dopingtests bei der Rundfahrt entzogen und dem UCI übertragen. Eine Allianz aus Regierung, Radsport-Weltverband und Tour-Veranstalter habe die Entmachtung des Labors zu verantworten, behauptete Bordry anschließend.

Armstrong und Bruyneel bei Sarkozy zum Frühstück

Dafür spricht auch ein Bericht der französischen Sportzeitung "L'Equipe", wonach Armstrong und dessen Sportchef Johan Bruyneel bei Sarkozy frühstückten und sich bei dem Staatschef über die Hartnäckigkeit des Pariser Labors unter Bordrys Leitung beschwerten. Kurz danach hat Bruyneel angeblich eine E-Mail geschrieben, mit der fröhlichen Botschaft, Bordry sei bald kein Problem mehr. Adressat der Nachricht: Pat McQuaid, Präsident des Radsport-Weltverbandes.

Der Ire muss ebenso vor Armstrongs möglicherweise umfassender Beichte zittern wie dessen Vorgänger Hein Verbruggen. Und wenn die UCI-Oberen belastet werden und sich wehren, dürften auch Bruyneel und Sarkozy in Erklärungsnot kommen. Und dann gibt es da noch dieses Schweizer Dopinglabor.

Sport - Videos 
Lance Armstrong bricht sein Schweigen

Der Ex-Radprofi soll ein Geständnis abgelegt haben. Video

Diese Männer müssen vor Armstrongs Geständnis zittern

Pat McQuaid ist seit 2005 UCI-Präsident. Und er soll über alle Doping-Machenschaften Armstrongs Bescheid gewusst haben. Natürlich bestreitet er dies. Aber die Indizien, der Radsport-Weltverband habe sein Zugpferd Armstrong über Jahre gedeckt, sind erdrückend. Die US-Anti-Doping-Agentur USADA kommt in ihrem Bericht zu dem Schluss, McQuaid sei ein Verbündeter von Armstrong gewesen. So soll die UCI Armstrong stets über anstehende Dopingkontrollen informiert haben, damit der Ex-Radprofi immer ausreichend Zeit hatte, um Vorkehrungen zu treffen und nicht erwischt zu werden.

Hein Verbruggen: Die Nähe zwischen UCI und Armstrong entstand unter der Präsidentschaft von Hein Verbruggen, McQuaids Vorgänger, von 1991 bis 2005 an der Spitze des Radsport-Weltverbandes. Der Niederländer und der US-Amerikaner waren fast schon Freunde, so eng war ihre Beziehung. In Verbruggens Zeit fallen auch die 125.000 Dollar, die Armstrong der UCI überwiesen hat. Offiziell als Spende im Kampf gegen Doping. In Wahrheit soll Armstrong sich damit beim Verband bedankt haben, der dafür sorgte, dass eine positive Epo-Probe des Texaners während der Tour de Suisse 2001 nicht weiter verfolgt wurde.

Johan Bruyneel: Zwölf Jahre waren der Belgier und Armstrong unzertrennlich. Bruyneel war seit 1999 Chef aller Teams, für die Armstrong fuhr, also auch bei den sieben Tour-de-France-Siegen des US-Amerikaners verantwortlich. Bruyneel hat bislang immer abgestritten, in seinen Teams habe systematisches Doping stattgefunden. Die USADA kommt in ihrem Bericht allerdings zu einem anderen Ergebnis: "Bruyneel war in alle Details des Teamdopingprogramms eingeweiht", heißt es dort. Sollte Armstrong in einem Prozess unter Eid aussagen und nach Bruyneel befragt werden, käme er kaum umhin, seinen einst engsten Weggefährten zu belasten.

Martial Saugy: Der Leiter des Anti-Doping-Labors in Lausanne soll Armstrong und Bruyneel 2002 verraten haben, wie die Dopingjäger Epo nachweisen. Und das soll auf Befehl der UCI geschehen sein. Auslöser soll der positive Epo-Test Armstrongs bei der Tour de Suisse 2001 gewesen sein. Saugy bestreitet die Vorwürfe und sagt, er habe Armstrong und seinem Team damals auf UCI-Geheiß lediglich erklärt, wie der Test grundsätzlich funktioniert, nicht aber, wie man Epo nachweisen könne.

Geständnis unter Eid gefordert

Kommt es beim Gespräch mit Oprah Winfrey nun zum großen Knall? Droht der UCI ein sportpolitisches Erdbeben? "Wir nehmen keine Stellung, bevor das Interview veröffentlicht wird", teilte der Radsport-Weltverband mit. Generell wagt sich niemand aus der Deckung, bevor nicht klar ist, was Armstrong genau gesagt hat. Auch deshalb forderte die Welt-Antidoping-Agentur WADA nun ein volles Geständnis unter Eid. Nur wenn er alles offenlege, könne Armstrongs lebenslange Sperre überprüft werden, sagte WADA-Chef David Howman.

Und Sarkozy? Der wurde bereits vor rund drei Jahren mit den Gerüchten konfrontiert, Armstrong würde systematisch dopen. Sarkozy, damals noch Präsident, lächelte nur und sagte: "Sogar Asterix nahm Zaubertrank."

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Anzeige
Biermann über den Gipfelsturm 
"Das war ein richtiges Gänsehautgefühl"

Der deutsche Amateur-Radsportler erklimmt den Mont Ventoux mit einem Spenderherz. Video

"So schnell wie seit 10 Jahren nicht" 
Christoph Biermann gerät in Köln an seine Grenzen

Beim Velodom wird deutlich: Die Härte am Berg fehlt ihm nach seiner Herztransplantation noch. Video

Nach Herztransplantation auf den Mont Ventoux 
Christoph Biermann und das Rennen seines Lebens

Acht Monate wartete der Hobby-Radfahrer auf ein Spenderherz. Jetzt nimmt er den Ventoux ins Visier. Video



Anzeige
shopping-portal