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Lance Armstrong: Alles unter Kontrolle in der Opferrolle

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Alles unter Kontrolle

18.01.2013, 14:04 Uhr | t-online.de

Lance Armstrong: Alles unter Kontrolle in der Opferrolle. Machtmensch: Lance Armstrongs Geständnis lässt viele Fragen offen. (Quelle: Reuters)

Machtmensch: Lance Armstrongs Geständnis lässt viele Fragen offen. (Quelle: Reuters)

Ein Kommentar von Oliver Strerath

Chance vertan. All die, die glaubten, sie würden während der Doping-Beichte von Lance Armstrong Neues erfahren, sie wurden bitter enttäuscht. Dass der US-Amerikaner in einem Fernsehinterview gestand, über Jahre verbotene Mittel genommen zu haben und bei keinem seiner sieben Siege bei der Tour de France sauber gewesen zu sein, war längst vermutet worden. Nun lediglich bestätigt durch ein schlichtes "Ja". Auf die entsprechende Frage. Details, Pikantes oder Kompromittierendes gab der ehemalige Tour-Dominator nicht preis.

Er nannte keinen Namen, ging nicht auf Hintermänner oder Strippenzieher ein. Der 41-Jährige verteidigte den Radsport-Weltverband UCI und den zwielichtigen Arzt Michele Ferrari ("Es gibt gute Leute") vielmehr. Armstrong sagte aber: "Der Sport zahlt den Preis." Wie recht er hat. Denn zu behaupten, durch seinen Dopingkonsum nur für faire Voraussetzungen - Täuschung war für ihn Chancengleichheit - gesorgt zu haben, ist nicht mehr als eine billige Rechtfertigung seines Handelns. Und diese Behauptung nährt den Generalverdacht, dass es im Radsport nicht ohne Hilfsmittel geht.

In der Opferrolle

Verständlich, wenn Travis Tygart, Chef der US-Antidoping-Agentur USADA, nur "von einem kleinen Schritt in die richtige Richtung" spricht. Mehr war die Beichte wirklich nicht. Verständlich daher auch, dass Armstrongs größter Jäger anstrebt, dass der gefallene Star unter Eid aussagt und wirklich reinen Tisch macht. Mit allen Konsequenzen. Für Armstrong, die UCI und deren schon länger in der Kritik stehenden Regie um Verbandspräsident Pat McQuaid und seinen Vorgänger Hein Verbruggen. So lange dieses Duo die Fäden zieht, wird die Sportart keinen Kredit zurückgewinnen, die sie vor allem durch die Affäre Armstrong verloren hat - der Radsport ist einmal mehr der Verlierer.

Der US-Amerikaner selbst sprach davon, versuchen zu wollen, das Vertrauen zurückzugewinnen. Er wolle Wut und Enttäuschung lindern. Er sei geläutert. "Es tut mir leid", sagte Armstrong. Er stellte sich als verbohrten Siegertypen dar - was unentschuldbar sei. Er berichtete davon, dass seine Mutter unter der Affäre sehr leide. Sein Sohn werde zeitlebens mit den Vorwürfen gegen seinen Vater konfrontiert. Statement für Statement rückte sich der 41-Jährige mehr und mehr in die Opferrolle. Gewiss clever. Und sicher Kalkül.

Ein machtbesessener Mensch

Zumindest eins zeigte das Interview, von dem Armstrong sicherlich auch finanziell profitiert hat. Es gewährte Einblicke in den Menschen Lance Armstrong, bestätigte damit Vermutungen: Er war und ist ein machtbesessener, eiskalter Mensch. "Ich war ein Typ, der alles unter Kontrolle haben musste", sagte der 41-Jährige von sich selbst. Und: "Ich sehe die Lage als eine große Lüge." Das sagt einer, der Menschen verklagt hat, die die Wahrheit sagten.

Diese Lüge, sie wird weitergehen. Denn Lance Armstrong hat noch immer alles unter Kontrolle.

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