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Ciolek sprintet ins Rampenlicht

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Ciolek sprintet ins Rampenlicht

18.03.2013, 14:08 Uhr | dpa

Ciolek sprintet ins Rampenlicht. Gerald Ciolek siegte beim Klassiker Mailand-San Remo.

Gerald Ciolek siegte beim Klassiker Mailand-San Remo. (Quelle: dpa)

San Remo (dpa) - Für eine ausgelassene Siegerparty fehlte Gerald Ciolek nach der Tortur in San Remo schlicht die Kraft.

"Zwei Schluck" habe sich der Triumphator des historischen Chaosrennens in einer Pizzeria gegönnt, berichtete Teamchef Jens Zemke, noch immer ganz euphorisiert vom Coup seines Schützlings. Dass der Sprinter ausgerechnet nach dem Wechsel zu einem zweitklassigen Team den größten Erfolg seiner Karriere feierte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ebensowenig, dass der als "Fahrt in den Frühling" bekannte Radklassiker Mailand-San Remo erst in Schnee, Regen und Eis versinken musste, um Ciolek auf den Platz an der Sonne zu hieven.

"Habe ich mich jetzt eigentlich für die Olympischen Winterspiele qualifiziert", scherzte der Pulheimer bei Twitter und postete ein Foto, auf dem die Radprofis im dichten Schneetreiben kaum zu erkennen sind. Mit dem Erfolg empfahl sich der 26-Jährige für höhere Aufgaben. "Er hat die Superfavoriten ihr Spiel spielen lassen", lobte Erik Zabel, viermaliger Ex-Champion, der Ciolek im Vorfeld als Geheimtipp bezeichnet hatte. "Er hat am Ende alles richtig gemacht, ein Monument des Radsports gewonnen. Respekt vor seiner Leistung, Hut ab!"

Zunächst ist Ciolek aber wieder zum Zuschauen verdammt: Weil sein Team MTN-Qhubeka kein automatisches Startrecht für die besten Rennen der Saison hat und auf Einladungen angewiesen ist, wird Ciolek etwa bei Paris-Roubaix oder der Flandern-Rundfahrt fehlen.

Dass ihn das wurmt, davon kann man ausgehen. Dass nach dem überraschenden Triumph in San Remo Interessenten aus der Eliteklasse des Radsports auf ihn aufmerksam werden, ist auch nicht überraschend. "Das ist der Lauf der Dinge", findet Zemke. Sorgen um dem Verbleib seines Stars macht er sich aber nicht. In Südafrika wollen beide etwas Großes aufbauen. Ciolek fühlt sich wohl, und durch den Triumph bei der "Classicissima" kann er immerhin mit Wildcards bei den Hamburger Cyclassics und der Lombardei-Rundfahrt rechnen.

"Als ich das Team gewählt habe, haben die Leute gefragt, wieso ich zu einer ProContinental-Mannschaft gehe", sagte Ciolek, "aber es war einfach unglaublich. Ich bin glücklich, im Team zu sein. Ich hatte noch nie eine Teamleitung, die sich so um die Fahrer kümmert."

An dem inzwischen schon legendären Mailand-San-Remo-Sonntag 2013, für die italienische Tageszeitung "Tuttosport" eine "Farce", waren Zemke und Co. als Betreuer gefragter denn je. Das Wetter verlangte den Fahrern alles ab, der Turchino-Pass musste wegen Schnee und Eis kurzfristig aus dem Programm gestrichen werden. Etliche Profis wie Ex-Weltmeister Tom Boonen gaben durchgefroren und frustriert auf.

Bei MTN sorgten die Wetterkapriolen für Chaos. Jim Songezo, der erste dunkelhäutige Südafrikaner bei Mailand-San Remo, überhörte den Funkspruch über die Rennunterbrechung und fuhr statt abzusteigen in den Anstieg zum Turchino hinein. Als er plötzlich keine anderen Fahrer mehr um sich sah, fragte er bei einem Organisationswagen nach, was los sei. Ein Offizieller schickte ihn dann zurück, fast komplett in eine Eisschicht eingehüllt, erreichte der Youngster den Teambus.

Noch schlimmer wurde der Tag für Jay Thomson, der just für das Rennen aus dem 35 Grad warmen Südafrika nach Norditalien geflogen kam. Zum Zeitpunkt der Unterbrechung konnte er nicht mehr sprechen und seine Teetasse halten, berichtete Zemke. Nach einer warmen Dusche und mit neuen Klamotten nahm er das Rennen beim zweiten Start wieder in Angriff. 70 Kilometer später musste er dann endgültig absteigen, Zemke wies ihn an, auf das letzte Betreuerauto zu warten.

Der sogenannte Besenwagen fuhr aber vorbei, plötzlich kamen dem Südafrikaner ganz normale Autos entgegen. Am Ende musste sich Thomson ein Taxi nehmen und dem Tross für 170 Euro ins Ziel nachfahren. Fabian Cancellara, hinter Ciolek und dem Topfavoriten Peter Sagan Dritter auf dem Podest, meinte: "Heute haben wir alle gewonnen."

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