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Für Holczer kann es vor Gericht ungemütlich werden

01.04.2013, 18:08 Uhr | dpa

Für Holczer kann es vor Gericht ungemütlich werden. Hans-Michael Holczer will als Teamchef nichts von Dopingpraktiken bemerkt haben.

Hans-Michael Holczer will als Teamchef nichts von Dopingpraktiken bemerkt haben. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Das für manche schmerzhafte Großreinemachen im Radsport geht weiter. Nach Texas mit der TV-Dopingbeichte Lance Armstrongs, Dänemark und den Niederlanden steht jetzt Deutschland im Fokus - und dort besonders das Landgericht Stuttgart.

In der Landeshauptstadt beginnt am 10. April der Betrugsprozess gegen den seit Karfreitag geständigen Doper Stefan Schumacher. In der Verhandlung geht es auch um die Rückzahlung von drei Monatsgehältern in Gesamthöhe von 150 000 Euro.

Rechtzeitig vor dem Termin hat der Radprofi aus Nürtingen im "Spiegel" ausgepackt, dabei seinen ehemaligen Teamchef Hans-Michael Holczer in Verruf gebracht und damit seine Prozesschancen womöglich gesteigert. "Er hat versucht das Ding gegen Holczer umzudrehen", meinte der jetzt für RadioShack fahrende Danilo Hondo. Er hatte im Team Gerolsteiner 2005 für den ersten bekanntgewordenen Dopingfall im früher so sympathischen wirkenden Vorzeige-Rennstall gesorgt.

Nach vehementem Leugnen hatte Schumacher Doping über Jahre gestanden und Holczer als Mitwisser quasi in Mithaftung genommen. Der rhetorisch sattelfeste Mathematik- und Geschichtslehrer der Friedrich-Schiller-Realschule in Böblingen sei "bestens im Bilde" gewesen, erklärte der 31 Jahre alte Profi. "Dass er nichts vom Doping in seinem Team wusste, wie er behauptet, stimmt nicht", erklärte Schumacher.

Zumindest Unverständnis über die angebliche Ahnungslosigkeit Holczers äußerte auch Hondo. "Ein bisschen widersprüchlich ist das schon, dass er angeblich nicht bemerkte, wie es in seiner Firma wirklich zuging. Er ist doch schlau genug und kennt sich aus", meinte Hondo, der freilich in seinem einzigen Jahr der Teamzugehörigkeit von Schumachers geschildertem freien Zugang zu Medikamenten im Teambus nichts bemerkt hatte. "Zu meiner Zeit war es nicht so", sagte der 39-jährige Routinier der Nachrichtenagentur dpa.

Ex-Profi Jörg Jaksche, einst geständiger Kronzeuge und jetzt in der Bewegung "Change Cyling Now" für einen Wandel im Radsport aktiv, geht mit dem ehemaligen Team-Manager hart ins Gericht. "Wenn es stimmt, was Schumacher sagt, ist Holczers zur Schau getragene Ahnungslosigkeit moralisch unterste Klasse. Sein Anti-Doping-Kampf war vielleicht sein Marketing-Konzept", meinte Jaksche. Er wies auf eine Parallelität hin: "Bei meiner Vernehmung durch das BKA war die Erkenntnis, dass ein Betrug nicht vorliegen kann, wenn der angeblich Betrogene bestens Bescheid weiß, ausschlaggebend für die Einstellung des Verfahrens gegen mich."

Holczer, der nicht als einziger hinter der Schumacher-Beichte Prozess-Strategie vermutet, wies die heftigen Schumacher-Vorwürfe zurück. "Das ist völlig aus der Luft gegriffen", sagte der Ex-Teamchef und sprach von "taktischen Anschuldigungen". Die Logik, dass Mitwisser und Mittäter nicht zu betrügen sind, hatte schon Jan Ullrich ("Ich habe nie jemanden betrogen") in seiner jahrelangen Verteidigungs-Strategie bemüht.

Der Zeitpunkt der öffentlichen Schumacher-Beichte sei "vom Prozess bestimmt" worden, gab auch dessen Anwalt Michael Lehner zu. Süffisant lehnte er die Aussage ab, wie viel Zeugen er aufbieten werde, die Schumachers Thesen stützen: "Dazu kann ich doch vor dem Prozess nichts sagen", meinte Lehner, der den Schwaben auch vor dem CAS vertrat. Der Internationale Sportgerichtshof hatte Schumacher nach erwiesenem CERA-Doping bei der Tour 2008 und den Olympischen Spielen in Peking bis 27. August 2010 gesperrt.

Ungemütlich könnte es vor dem Landgericht nicht nur für Schumacher werden. Wenn Holczer am 18. April in den Zeugenstand tritt, muss er vielleicht unangenehme Fragen beantworten. Sein Nimbus als aufrechter Anti-Doping-Kämpfer, der 2007 die Team-Vereinigung für einen "glaubwürdigen Radsport" mitbegründete, hat ohnehin stark gelitten. Die Dopingfälle Schumacher, Bernhard Kohl, Davide Rebellin und Levi Leipheimer sorgten 2008 für das Aus des Gerolsteiner-Teams.

Danach kehrte Holczer scheinbar desillusioniert in den Schuldienst zurück und heuerte im Vorjahr als hochdotierter Generalmanager ausgerechnet bei Katusha an. Das russische Team galt noch nie als Vorreiter im Anti-Dopingkampf. Holczer war dort auch für Denis Mentschow zuständig, dem Kontakte zum spanischen Doping-Doktor Eufemiano Fuentes vorgeworfen wurden. Inzwischen wurde er vom dicken Armstrong-Freund Jewgeni Jekimow verdrängt und rückte als Berater in die Reihen des russischen Radsport-Verbandes.

"Nach außen hat er den großen Mahner gegeben", intern habe sich "aber nie etwas geändert", sagte Schumacher, der den Anti-Doping-Agenturen WADA und NADA Kooperationen anbot: "Ich weiß, wie viele Fahrer EPO genommen haben."

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