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Jan Ullrichs Dopinggeständnis: Kritiker erwarten weiteres Geständnis

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Hat Jan Ullrich wirklich schon alles gesagt?

24.06.2013, 09:10 Uhr | sid

Jan Ullrichs Dopinggeständnis: Kritiker erwarten weiteres Geständnis. Jan Ullrichs Doping-Geständnis geht seinen Kritikern nicht weit genug. (Quelle: imago/Kicker/Sperber)

Jan Ullrichs Doping-Geständnis geht seinen Kritikern nicht weit genug. (Quelle: Kicker/Sperber/imago)

Das Dopinggeständnis von Jan Ullrich mag für ihn ein Befreiungsschlag gewesen sein. Seine Kritiker gehen mit ihm aber weiter hart ins Gericht.

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Jan Ullrich gibt erstmals Blut-Doping zu

Von Betrug will der Tour-de-France-Sieger nicht sprechen. zum Video

"Das ist ein neuer Europarekord der Lüge. Er hat ja 2006 oder 2007 in vier Sprachen geschrieben, dass er Herrn Fuentes gar nicht kenne. Er hat damals vor Gericht eine Unterlassung gegen mich erwirkt, die ich erst nach viereinhalb Jahren umdrehen konnte", sagte der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke.

Erstmals Blutdoping zugegeben

Ullrich hatte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" erstmals Blutdoping-Behandlungen beim umstrittenen spanischen Sportmediziner Eufemiano Fuentes zugegeben. Zugleich hatte er um Verständnis für sein Handeln geworben: "Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen."

Der Ex-Radprofi behauptet laut Focus, keine anderen Dopingmittel als sein eigenes Blut verwendet zu haben.

Franke erwartet weiteres Geständnis

Für Franke ist diese Behauptung ein Witz. "Er hat germanisches Blut, dazu gehört, geschichtliche Lügen fortzuführen, fortzuführen, weiter, weiter fortzuführen. Jetzt wird sehr zeitnah herauskommen, dass er auch mit verbotenen Substanzen gedopt hat. Er hat andere geschädigt", sagte Deutschlands bekanntester Anti-Doping-Kämpfer.

Franke bezeichnete Ullrich als einen Menschen, der versucht habe, andere sehr aggressiv zum Schweigen zu bringen. Das sei "eine besondere Frechheit". Aber die größte Lüge komme immer noch von jenen, die Ullrich rechtlich vertreten hätten. Das sind für Franke "die größten Gauner, die haben ihn in die Lügen reingeritten."

Sörgel: Blutdoping fast immer im Zusammenspiel mit Steroiden

Auch für Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Heroldsberg, ist Ullrichs Aussage nur ein Teilgeständnis.

"Es erscheint unvorstellbar, dass er mit reinem Blutdoping ausgekommen ist. Wenn ein Sportler seinen Körper durch Blutdoping auf eine höhere Stufe bringt, wird fast immer mit Steroiden gearbeitet, um die stärkeren Belastungen aufzufangen", sagte Sörgel. Ullrich gestehe "scheibchenweise". Dass er bei Fuentes war, "ist nur ein Teil der Geschichte".

Bach: Das sind nur "rhetorische Winkelzüge"

Auch DOSB-Präsident und IOC-Vize Thomas Bach kritisierte Ullrich: "Es ist zu wenig und viel zu spät. Für ein wirklich glaubhaftes Geständnis hätte sich Jan Ullrich schon vor einigen Jahren umfassend erklären müssen. Diese Chance hat er verpasst, und selbst jetzt arbeitet er nach meinem Gefühl noch mit rhetorischen Winkelzügen. Dass hilft weder ihm noch dem Radsport weiter."

Ähnlich sieht es Michael Vesper. "Ullrich soll endlich aufhören, scheibchenweise vorzugehen, sondern er soll einen Schnitt machen. Es ist doch auch in seinem Interesse, den Schritt so zu gehen wie Lance Armstrong", forderte der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Scharping: "Es ist viel zu spät, um reinen Tisch zu machen"

Und für den Präsidenten des Bund Deutscher Radfahrer ist es "viel zu spät, um reinen Tisch zu machen". Nach Meinung von Rudolf Scharping "hätte er dem Radsport helfen können, wenn er frühzeitig und komplett reinen Tisch gemacht hätte. 2007 oder 2008 wäre ein geeigneter Zeitpunkt gewesen. Damals hätte er auch sich selbst besser helfen können. Jetzt ist es nur noch die Wiederholung von längst Bekanntem zu einem viel zu späten Zeitpunkt, aber aus seinem Munde."

Für Ullrichs früheren Teamkollegen Rolf Aldag "hält sich die Überraschung in Grenzen. Er hat bestätigt, was lange bewiesen ist. Ich bin damals einen anderen Weg gegangen, aber die Überwindung ist für Jan riesig, das kann ich sagen. Aber es ist die richtige Entscheidung. Am Sachverhalt an sich ändert es nichts, wir haben uns alle schuldig gemacht."

Armstrong schwärmt von Ullrich

Positive Resonanz gab es unterdessen von Lance Armstrong: "Jan Ullrich? Ein warmherziger Mann. Ein erstaunlicher Athlet. Ein großer Wettkämpfer. Ich habe es geliebt, mit Dir den Ton anzugeben, mein Freund", teilte der ehemaligen Ullrich-Rivale, dem nach seinem Dopinggeständnis Anfang des Jahres sämtliche sieben Toursiege aberkannt worden waren, bei "Twitter" mit.

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