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Anti-Doping-Experten sehen Hoffnungsschimmer

26.06.2013, 12:13 Uhr | dpa

Anti-Doping-Experten sehen Hoffnungsschimmer. Professor Wilhelm Schänzer hat keinen Anlass für das Dopingproblem im Radsport Entwarnung zu geben.

Professor Wilhelm Schänzer hat keinen Anlass für das Dopingproblem im Radsport Entwarnung zu geben. (Quelle: dpa)

Köln (dpa) - Die Protagonisten aus der EPO-Ära wie Jan Ullrich oder Laurent Jalabert hatten im Vorfeld der Tour de France die (Negativ)-Schlagzeilen bestimmt. Der Glaube, das Dopingproblem würde nur noch frühere Generationen betreffen, will Wilhelm Schänzer aber nicht unbedingt teilen.

"Viele werden nach Reglement fahren. Aber man sollte weiter kritisch sein, Manipulationen sind nach wie vor möglich", sagte der Leiter des Instituts für Biochemie in Köln wenige Tage vor dem Start der 100. Tour de France. Zumindest in einem Punkt teilt der weltweit anerkannte Anti-Doping-Spezialist die Meinung des geständigen Dopers Lance Armstrong: "Es ist schwieriger geworden zu dopen." Auch sein Nürnberger Kollege Fritz Sörgel sieht einen leichten Hoffnungsschimmer: "Die analytischen Nachweisverfahren werden immer besser."

Schänzer berichtete in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa von zwei relativ neuen Präparaten, "die in den vergangenen Monaten positive Kontrollen" hervorgebracht haben. Es handelt sich dabei um die leistungssteigernden Mittel GW 15/16 ("In Tierversuchen konnten Ratten damit weiter laufen") und das testosteronähnliche SARMS. Beide Medikamente seien noch nicht zugelassen, "aber sehr wohl auf dem Schwarzmarkt" zu beziehen.

"Die Zahl der Substanzen, von denen sich Sportler etwas erwarten, ist nach wie vor begrenzt und sie stehen schon Jahrzehnte zur Verfügung", meinte Sörgel, für den "natürlich auch ein Szenario denkbar ist, dass Spitzensportler sich Substanzen leisten können, die neu sind und noch nicht nachweisbar sind". Der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg betrachtet dieses Szenario bei der Tour "aber für eher unwahrscheinlich", sagte er dpa.

Dass sein Labor wie in den vergangenen Jahren wieder mit "Spezialanalysen" betraut werden wird, hält Schänzer "für möglich". Im Normalfall gingen die Tour-Proben aber ins Institut von Chatenay-Malabry bei Paris. Generell dürfte es nach Schänzers Meinung wieder um den Nachweis von EPO, Eigenblutdoping, Testosteron und Wachstumshormonen gehen. "Große Leistungssprünge" seien den oft wie detektivische Schnüffler vorgehenden Fahndern "immer sehr verdächtig".

Die Lagerung der Proben über einen längeren Zeitraum sorgten nach Meinung des Wissenschaftlers "für eine große Abschreckung". Schänzer setzt einige Hoffnungen auf die französische Anti-Doping-Agentur AFLD, die nach vier Jahren Pause bei den Kontrollen wieder mit dem umstrittenen Weltverband UCI kooperiert. "In der Regel sind vom Radsport unabhängige Kontrollgremien besser", meinte Schänzer, der 2010 mitgeholfen hatte, den Seriensieger Alberto Contador mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol zu überführen.

Nach der abgesessenen Sperre ist der Spanier bei der Jubiläums-Tour wieder mit im Spiel. Ob er unter besonderer Beobachtung fährt? "Alle, die ganz vorne fahren, sollte man besonders im Visier haben", ergänzte Schänzer.

Für Sörgel gehören manche Siegfahrer einer besonderen Spezies an. "Sportler sind, wenn es um den Sieg geht, unberechenbar und vielleicht sogar noch mehr: nicht zurechnungsfähig. So lange ist das ja nicht her, dass Floyd Landis - ein unglaublicher Vorgang - als Mann an der Spitze in der entscheidenden Touretappe sich ein Testosteronpflaster aufklebte", sagte der Forscher. Es gebe "ja auch im Umfeld dann immer wieder Leute, die den Sportlern weismachen, die Substanz wäre nicht nachweisbar".

Sörgel würde den Profis bei den Kontrollen gerne noch mehr auf die Pelle rücken: "Die Zahl der Tests müssen - auch wenn das an die Grenzen des Zumutbaren für den Sportler geht - erhöht werden und intelligent angesetzt werden, beispielsweise zweimal am Tag". Zusätzlich seien "richtige Detektive mit pharmakologischer und hämatologischer Ausbildung" vonnöten, "aber solche Leute arbeiten natürlich lieber in der Forschung, als dass sie drei Wochen durch Frankreich touren", meinte Sörgel.

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