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Kittel bei der Tour abgeschlagen, aber glücklich

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Kittel bei der Tour abgeschlagen, aber glücklich

30.06.2013, 19:17 Uhr | dpa

Kittel bei der Tour abgeschlagen, aber glücklich. Grün statt Gelb: Marcel Kittel trägt noch das Trikot des besten Sprinters.

Grün statt Gelb: Marcel Kittel trägt noch das Trikot des besten Sprinters. (Quelle: dpa)

Ajaccio (dpa) - Marcel Kittel war bester Laune, obwohl er an der Seite des schwer gezeichneten Tony Martin abgeschlagen im Bummeltempo über den Zielstrich rollte.

"Ich habe heute jede Sekunde genossen, ich hatte Gänsehaut", sagte Kittel, der einen Tag nach seinem Coup zum Auftakt der 100. Tour de France das Gelbe Trikot an den belgischen Tagessieger Jan Bakelants weiterreichen musste. Mit 17:35 Minuten Rückstand erreichten Kittel und Zeitfahr-Weltmeister Martin, der seine Schmerzenstour nach dem schweren Sturz fortsetzen will, das Ziel. Irgendwie wirkten die beiden deutschen Radprofis aber fast so zufrieden wie Ausreißer Bakelants, der sich nach 156 Kilometer den Sieg mit einer Sekunde Vorsprung auf Peter Sagan sicherte.

"Damit habe ich wirklich nicht gerechnet, nachdem ich eine Knieoperation hatte überstehen müssen", meinte der RadioShack-Fahrer Bakelants aus dem Jens Voigt-Team. Auf das große Tour-Podium durfte Kittel, der am Samstag als erster deutscher Radprofi seit 2008 wieder das Gelbe Trikot holte, aber trotzdem noch. "Immerhin bleibt mir ja noch das Grüne Trikot. Die Tour ist schon jetzt eine Riesenerfolg für mich", ergänzte der 25-Jährige Arnstädter. So verteidigte Kittel die Führung in der Wertung des punktbesten Fahrers erfolgreich.

Der schwer angeschlagene Martin, der sich beim Auftakt der Jubiläums-Tour bei einem Sturz eine Lungenprellung und eine tiefe Fleischwunde am Ellenbogen zugezogen hatte, fuhr am Sonntag bei brütender Hitze fast entspannt ins Ziel. "Es lief heute besser als erwartet. Das Weiterfahren im Vorjahr nach meinem Handbruch tat viel mehr weh. Mein nächstes Ziel ist jetzt das Mannschaftszeitfahren am Dienstag in Nizza - das wollen wir gewinnen", sagte Martin, der trotz seiner Handicaps auf den Etappensieg beim Einzelzeitfahren der elften Etappe am 10. Juli spekuliert.

Am Mittag in Bastia hatte sich Kittel noch groß feiern lassen. "Ich will einfach nur diese Atmosphäre aufsaugen und den Tag genießen", hatte Kittel erklärt, nachdem er ganz in gelb gekleidet bei strahlendem Sonnenschein den Bus seines Teams Argos-Shimano kurz vor dem Start verlassen hatte. Auf dem von Palmen und Platanen umsäumten Place Saint Nicholas im Zentrum gab er bereitwillig Interviews, schrieb fleißig Autogramme und posierte für die Fotografen. "Es ist verrückt, ich bin immer noch ganz durcheinander", gestand er.

Kittel schrieb dem besonderen Trikot eine große Wirkung zu. Den Erfolg von Bastia wertete er als Beweis, dass man auch ohne Doping große Erfolge feiern kann. "Der Radsport hat eine Kehrtwende vollzogen", glaubt der Thüringer, der zusammen mit seinem Teamkollegen John Degenkolb und Martin ein Dopinggesetz in Deutschland fordert. Doch die Doping-Vergangenheit holte auch Kittel ein wenig ein: Der letzte einheimische Profi in Gelb war 2008 der geständige Doper Stefan Schumacher, der in einem Betrugsprozess in Stuttgart vor Gericht steht.

Während Kittel den Trikot-Verlust äußerst gefasst wegsteckte, waren Martin die Qualen zwar anzusehen, er schien trotz großer Schmerzen aber guter Dinge. "Tony wollte unbedingt weiterfahren und aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen", hatte sein Teamarzt Helge Riepenhof vor dem Start erklärt. Der Weltmeister war am Vortag Hauptleidtragender eines Sturzes fünf Kilometer vor dem Ziel der chaotischen Auftaktetappe.

Die Spuren waren am Sonntag nicht zu übersehen: Der Verband um den Ellenbogen war durchgeblutet, genauso die Bandage unterhalb des Knies, als Martin den zweiten Tagesabschnitt in Angriff nahm. Der gebürtige Lausitzer, der die Tour im Vorjahr nach einem Kahnbeinbruch aufgeben musste, hatte kein Erbarmen mit sich.

Die "korsische Eröffnung" der 100. Tour ("L'Équipe") wird nicht nur Martin in Erinnerung bleiben. Nach Meinung vieler Fahrer und Teamchefs war auch das mangelhafte Krisenmanagement der Organisatoren am Samstag mitverantwortlich für den fürchterlichen Massensturz. Der Zielbereich war wegen eines havarierten Busses blockiert und das rasende Feld kam immer näher, so dass die Organisatoren kurzzeitig die Vorverlegung des Zielstriches erwogen hatte. Sie verwarfen die Absicht aber wieder, als die Zielgerade wieder frei war. Aber nicht alle Fahrer waren informiert.

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