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Tour de France 2014: Froome-Drama in Arenberg

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Tour de France 2014  

Tour-Drama in Arenberg: Aus für Froome - Nibali jubelt

10.07.2014, 11:00 Uhr | dpa

Tour de France 2014: Froome-Drama in Arenberg. Vincenzo Nibali fuhr sehr stark und baute seine Führung in der Gesamtwertung auf die Mit-Favoriten aus.

Vincenzo Nibali fuhr sehr stark und baute seine Führung in der Gesamtwertung auf die Mit-Favoriten aus. Foto: Kim Ludbrook. (Quelle: dpa)

Arenberg (dpa) - Chris Froome ist gezwungenermaßen abgestiegen, der neue Stern am Himmel der Tour de France 2014 heißt Vincenzo Nibali.

Der vom Bergfahrer zum Kopfsteinpflaster-Spezialisten mutierte sizilianische Radfahrer kann in die Fussstapfen des Vorjahressiegers Froome treten, der das Rennen auf der spektakulären fünften Etappe in der "Hölle des Nordens" nach zwei Stürzen aufgeben musste. Froome erlitt nach einer ersten Diagnose Prellungen an Ellenbogen, Hüfte und Handgelenk sowie schwerwiegende Hautabschürfungen.

"Wir hatten die letzten dreieinhalb Jahre viel Glück und fast nie einen Sturz. Das passiert. Damit muss man leben. Wir wollten mit Chris die Tour gewinnen, jetzt ist Richie Porte unser Kapitän", sagte Sky-Manager Dave Brailsford im strömenden Regen nach dem ereignisreichen Tag, während sein Schützling niedergeschlagen und mit Schmerzen im Mannschafts-Bus saß.

Zusammen mit Nibali, der seinen Vorsprung an der Spitze des Gesamtklassement auf seine direkten Konkurrenten ausbaute, freute sich nach 152,5 Kilometern in Arenberg Solosieger Lars Boom aus den Niederlanden. Große Jubelarien wollte Nibali nach seiner Gala - er erreichte das Ziel 19 Sekunden nach Boom und 2:35 Minuten vor dem zweifachen Toursieger Alberto Contador - nicht anstimmen. "Ich bleibe ruhig. Es ist noch ein sehr weiter Weg bis Paris", sagte der Sizilianer mit dreckverschmiertem Gesicht im Ziel. "Ich wusste, dass man Zeit herausfahren kann, aber nicht so viel."

Sein bevorzugtes Terrain, die Alpen und die Pyrenäen, kommen noch. Aber dort wird auch Contador versuchen zu attackieren. Auch ohne Froome kann die Tour noch spannend werden. Nibali im Gelben Trikot, der beim Klassiker Paris-Roubaix noch nie am Start stand, führt jetzt mit zwei Sekunden vor seinem Teamkollegen Jakub Fuglsang und 44 Sekunden vor Peter Sagan.

Auf den berüchtigten Pavés spielten sich wahre Dramen ab. Kaum ein Fahrer blieb ungeschoren. John Degenkolb, im April Zweiter in Roubaix, und Anwärter auf den Etappensieg, stürzte zwei Mal und musste mit einer Hüftverletzung sicherheitshalber zur mobilen Röntgen-Station der Tour, in der Hochbetrieb herrschte.

Um 15.45 Uhr am Mittwoch war die 101. Frankreich-Rundfahrt für Froome beendet und sein Traum vom zweiten Tour-Sieg in Serie ausgeträumt. Nach zwei Stürzen konnte der schmächtige Brite nicht mehr weiter und stieg 66,8 Kilometer vor dem Ziel humpelnd und kopfschüttelnd mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Wagen seines Skyteams.

Omega-Quickstep-Betreuer und Ex-Profi Brian Holm sagte: "Die Tour ohne Froome ist wie ein Sprint ohne Cavandish". Froomes schneller Landsmann war nach einem Sturz auf der Auftakt-Etappe in Harrogate verletzt ausgeschieden und ist am Mittwoch an der Schulter operiert worden. Zuletzt war 1980 ein amtierender Toursieger verletzt ausgestiegen: Der Franzose Bernard Hinault mit Knieproblemen.

Die Organisatoren wollten großes Drama - und bekamen es. Viele Profis hatten gegen den Klassiker-Parcours inmitten einer Drei-Wochen-Tour gewarnt und von Unverantwortlichkeit gesprochen. Tony Martin hatte zu den größten Skeptiker gezählt und seine Kritik ("Spiel mit der Gesundheit") auch laut geäußert. Der dreifache Zeitfahrweltmeister hatte dann trotzdem alles auf eine Karte gesetzt und war mit einem Ausreißversuch wie auch Marcus Burghardt aber gescheitert.

Nach dem Rennen schimpfte auch Burghardt: "Bei solchen Bedingungen hätten die Organisatoren über eine Neutralisation nachdenken müssen". Altmeister Eddy Merckx fand es "schade, dass mein Tour-Favorit Froome nun raus ist". Aber "so ist die Tour", meinte der Belgier.

Die Fahrt über die berüchtigten Feldwege aus den Zeiten Napoleons wurden durch den Dauerregen noch schwieriger zu passieren. Die Veranstalter hatten sich entschlossen, die insgesamt neun Passagen über Kopfsteinpflaster mit einer Gesamtlänge von 15,4 Kilometern zwar etwas zu entschärfen, aber die Gefahren wurden kaum gemindert. 2010 hatte zuletzt eine Tour-Etappe ähnliches Profil, zahlreiche Fahrer hatten sich bei damals sogar bestem Wetter zum Teil schwer verletzt.

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