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Gallopin lässt Franzosen jubeln - Degenkolb Zweiter

16.07.2014, 18:45 Uhr | dpa

Gallopin lässt Franzosen jubeln - Degenkolb Zweiter. Tony Gallopin gewann die elfte Tour-Etappe.

Tony Gallopin gewann die elfte Tour-Etappe. Foto: Yoan Valat. (Quelle: dpa)

Oyonnax (dpa) - Das war knapp! Nur wenige Meter haben John Degenkolb zum ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere gefehlt. Stattdessen fuhr Tony Gallopin zum Tagessieg. Doch Degenkolb macht der Auftritt für die nächsten Tage Mut.

Der verpassten Chance zum ersten Tour-Ruhm wollte Sturzopfer Degenkolb nicht lange nachtrauern. "Ich wollte heute fahren, bis die Schmerzen kommen. Sie sind nicht gekommen. Das ist ein gutes Zeichen, dass der Heilungsprozess vorangeschritten ist", sagte der Thüringer, der das Trikot angesichts der großen Hitze bis zum Bauchnabel geöffnet hatte.

Der Giant-Radprofi konnte dem zweiten Platz hinter dem französischen Tagessieger Tony Gallopin noch gute Seiten abgewinnen. So huschte im Zielbereich nach der elften Etappe der 101. Frankreich-Rundfahrt in Oyonnax gar ein kleines Lächeln über sein Gesicht, als ihm Fans aus der Heimat aufmunternde Worte zuriefen.

Nach seiner starken Vorstellung vom Mittwoch hat sich der Klassikerspezialist mit der Tempohärte jedenfalls zurückgemeldet, auch wenn der historische sechste deutsche Etappensieg bei der diesjährigen Tour - noch - ausblieb. Seine schwere Sturzverletzung aus der vergangenen Woche, eine Einblutung im Gesäßmuskel, hat er offensichtlich überwunden. Noch am Ruhetag hatte er von großen Schmerzen berichtet: "Bei jedem anderen Rennen würde ich nach Hause fahren. Ich klammere mich an den Strohhalm und hoffe noch auf einen Etappensieg. Ich bin kein Weichei." Vielleicht war sein Wehklagen vor dem beeindruckenden Auftritt aber nur ein Bluff für die Konkurrenz.

Denn im Sprint der großen Spitzengruppe hinter Ausreißer Gallopin war Degenkolb wieder ganz der Alte. So ließ er den schnellen Italienern Matteo Trentin und Daniele Bennati nicht den Hauch einer Chance. Nur Gallopin holte er nicht mehr ein. "Schade, es fehlten nur ein paar Meter. Ich hatte bis zum Schluss gehofft, dass wir noch an Gallopin rankommen, aber er ist ein starkes Finale gefahren."

So durfte die "Grande Nation" ein zweites Mal über den Teamkollegen von André Greipel jubeln. Erst am Nationalfeiertag hatte Gallopin das Gelbe Trikot getragen, ehe ihn der haushohe Favorit Vincenzo Nibali in den Vogesen wieder an der Spitze abgelöst hatte. Der 29 Jahre alte Sizilianer hatte auf der Überführungsetappe keine großen Probleme, das Gelbe Trikot erfolgreich zu verteidigen. Zwei Tage vor der ersten schweren Alpenetappe mit der Bergankunft in Chamrousse am Freitag liegt Nibali weiter 2:23 Minuten vor dem neuen Sky-Kapitän Richie Porte aus Australien.

Die Entscheidung fiel am Mittwoch auf der rasanten Abfahrt über 13 Kilometer. Mit einer furiosen Fahrt holte sich Gallopin die entscheidenden Sekunden, um vor dem heranstürmenden Hauptfeld zu gewinnen. "Erst das Gelbe Trikot, dann heute die Etappe - das ist unglaublich", sagte der neue französische Tour-Held.

Die elfte Etappe hatte aber auch wieder eine Tragödie im Spielplan: Der US-Profi Andrew Talansky, der vor dem Start der 101. Tour de France zum erweiterten Favoritenkreis gezählt worden war, stieg erst weinend vom Rad, setzte dann aber doch das Rennen mit heftigen Rückenschmerzen fort und erreichte mit über einer halben Stunde Rückstand das Ziel. Er blieb knapp im Zeitlimit.

Dem Sieger der Tour-Generalprobe Critérium du Dauphiné war vor dem Tourstart ein Platz unter den ersten Fünf zugetraut worden. Sollte es für ihn in den nächsten Tagen nicht mehr weitergehen, hätte die Tour nach Chris Froome, Alberto Contador, Andy Schleck und Fabian Cancellara einen weiteren prominenten Fahrer verloren.

Am Donnerstag winkt Degenkolb womöglich die große Chance, den Etappensieg nachzuholen. Über 185,5 Kilometer geht es auf dem zwölften Teilstück von Bourg-en-Bresse nach St. Etienne. Das Terrain ist wellig und liegt dem früheren WM-Vierten. Vor allem die zwei Berge der dritten und vierten Kategorie im letzten Viertel des Rennens dürften ihm in die Karten spielen. 2008 hatte in St. Etienne Marcus Burghardt seinen bislang einzigen Tour-Etappensieg geholt.

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