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Oberster Tour-Schiedsrichter: Rees entgeht nichts

24.07.2014, 11:14 Uhr | dpa

Oberster Tour-Schiedsrichter: Rees entgeht nichts. Ingo Rees achtet bei der Tour darauf, dass die Regeln eingehalten werden.

Ingo Rees achtet bei der Tour darauf, dass die Regeln eingehalten werden. Foto: Yoan Valat. (Quelle: dpa)

Hautacam (dpa) - Ingo Rees hat seine Augen überall. Der oberste Ordnungshüter der Frankreich-Rundfahrt versteht sich dennoch nicht als "Polizist" des Pelotons.

"Ich bin der Koordinator zwischen der Rennleitung, den Teams und dem Weltverband UCI und muss darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden", sagte der erste deutsche Jurypräsident in 111 Jahren Tour de France. Der Platz an der Spitze wechselt in jedem Jahr.

Auf der ersten Pyrenäen-Etappe fanden die Journalisten einer Regionalzeitung keine Gnade. Sie verloren mit sofortiger Wirkung ihre Renn-Akkreditierung, nachdem sie Spitzenreiter Vincenzo Nibali bei der rasenden Abfahrt vom Port de Balès regelrecht ausgebremst hatten - eine heikle Situation für den Träger des Gelben Trikots.

Aber Rees drückt auch mal ein Auge zu. In Abstimmung mit der Rennleitung und seinen insgesamt 15 Helfern, die auch auf Motorrädern unterwegs sind, ließ er in der ersten Tourwoche den Portugiesen Tiago Machado vom deutschen NetApp-Endura-Team trotz Zeitüberschreitung im Rennen. "Machado hatte sich 15 Minuten im Wagen der Ärzte behandeln lassen müssen. Das haben wir berücksichtigt", sagte der Jury-Chef, der im ersten Auto hinter dem Hauptfeld sitzt und in Verbindung mit der Tour-Direktion und im Funkkontakt zu den Helikoptern steht, die surrend über dem Peloton kreisen.

Der gelernte Steuerfachassistent aus Velbert hatte auch die Verkürzung der fünften Etappe zu verantworten, als zwei Kopfsteinpflaster-Passagen wegen des Dauerregens gesperrt worden waren. Bei dem von Mark Cavendish selbst verursachten Sturz auf der ersten Etappe in Harrogate verzichtete der vom Weltverband UCI als "Tour-Aufpasser" nominierte Rees auf eine Bestrafung des Ex-Weltmeisters. "Er war vorher touchiert worden und ist dann nach links ausgewichen und löste einen Sturz aus", sagte Rees in Bagnères-de-Luchon.

Cavendish war ohnehin genug bestraft, nicht nur, weil er im Geburtsort seiner Mutter den fest eingeplanten ersten Etappensieg und das Gelbe Trikot dazu verpasste. Der Brite schied aus und erlitt Bänderrisse und eine Eckgelenksprengung in der Schulter.

Der 38 Jahre alte Tour-Referee sammelte vor seiner Berufung auf die bedeutendste Bühne der Radsport-Welt Erfahrungen beim Giro d'Italia, bei Paris-Nizza, Paris-Roubaix, den Paralympics in Peking und diversen Weltmeisterschaften. Neutralität ist natürlich erste Bürgerpflicht für den früheren Amateurfahrer von Bayer Worringen. Trotzdem bestand für Rees im heiklen Massensprint von St. Etienne kein Zweifel daran, Partei für den abgedrängten John Degenkolb zu ergreifen. Der Italiener Matteo Trentin wurde wegen Behinderung auf den 60. Platz des Tagesklassements strafversetzt.

Rees achtet sogar darauf, dass die Regeln des öffentlichen Anstands in der Tour-Hektik nicht über Bord gehen. Geldstrafen sind fällig, wenn die geplagten Profis spontan reagieren müssen. Urinieren vor Publikum kostet mindestens 150 Schweizer Franken. Ein Kavaliersdelikt im Vergleich zur härtesten Tourstrafe 1904: Die drei Erstplatzierten, unter ihnen der erste Tour-Sieger Maurice Garin, kürzten eine Etappe im Zug sitzend ab und wurden disqualifiziert.

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