Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Mehr Sport > Radsport >

Radsport: John Degenkolb gewinnt Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Historischer Sieg in der "Hölle des Nordens"  

Deutscher Radprofi Degenkolb gewinnt Paris-Roubaix

12.04.2015, 17:10 Uhr | sid, dpa

Radsport: John Degenkolb gewinnt Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix. John Degenkolb bei der Zieleinfahrt im Velodrom von Roubaix. (Quelle: AP/dpa)

John Degenkolb bei der Zieleinfahrt im Velodrom von Roubaix. (Quelle: AP/dpa)

Radprofi John Degenkolb hat nach einer taktischen Meisterleistung als erster Deutscher seit 119 Jahren den Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix gewonnen. Der 26-Jährige aus dem Team Giant-Alpecin triumphierte bei der 113. Ausgabe der sogenannten "Hölle des Nordens" nach 253,5 Kilometern im Velodrom von Roubaix. Zwischen 1915 und 1918 sowie 1940 und 1942 fanden keine Rennen statt.

Die Strecke führte dabei auf einer Zwischenetappe über 52,7 Kilometer auch über das berüchtigte Kopfsteinpflaster. Degenkolb verwies bei seinem Sieg den Tschechen Zdenek Stybar (Team Etixx-QuickStep) und den Belgier Greg van Avermaet (BMC) auf die Plätze.

Den bislang einzigen deutschen Sieg hatte Josef Fischer lange zuvor im Jahre 1896 bei der Premiere errungen. 2014 hatte Degenkolb bei Paris-Roubaix schon Rang zwei belegt.

Zweiter Coup dieser Saison

Es war bereits Degenkolbs zweiter Coup in dieser Saison. Vor drei Wochen hatte der gebürtige Thüringer bereits bei Mailand-Sanremo gesiegt. Degenkolb ist erst der dritte Fahrer überhaupt, der diese beiden Radsport-Monumente innerhalb eines Jahres für sich entschieden hat. 1986 war dies zuletzt dem Iren Sean Kelly gelungen. Vor 107 Jahren schaffte dies zudem der Belgier Cyrille Van Hauwaert.

Degenkolb: "Habe davon geträumt"

Degenkolb hatte im Sprint einer Spitzengruppe das größte Stehvermögen, nachdem er zuvor eine Attacke von Van Avermaet eindrucksvoll gekontert hatte. Degenkolb war unglaublich wachsam, an den Schlüsselstellen immer präsent und stark genug, um alle Versuche seiner Gegner, ihn abzuhängen, zu beantworten.

"Das ist es, wovon ich immer geträumt habe. Ich musste so hart arbeiten, ich kann es kaum glauben", sagte er mit Freudentränen in den Augen und dreckverschmiertem Gesicht. Kurz darauf durfte er die Pflasterstein-Trophäe entgegennehmen und sich über 30.000 Euro Preisgeld freuen.

Kein Happy End gab es dagegen für Olympiasieger Bradley Wiggins, der in Roubaix seine Straßenradkarriere beendete und künftig wieder auf der Bahn fährt. Flandern-Triumphator Alexander Kristoff, der besonders hoch gehandelt worden war, landete auf Rang zehn. Das Rennen war anders als in den Jahren, in denen die diesmal verletzten Tom Boonen und Fabian Cancellara dominierten, bis ins Finale hinein offen.

Kittel ist begeistert

"Unser Team fährt clever und sieht stark aus. Wie großartig wäre noch ein Sieg für Johnny?", twitterte Top-Sprinter Marcel Kittel eingangs der Schlussphase, der die "Königin der Klassiker" wegen seines Trainingsrückstandes nur von der Couch aus verfolgen konnte. Und sein Teamkollege machte aus dem Wunsch kurz darauf Realität.

Degenkolb, der mit Frau und Sohn zu seinem Lieblingsrennen gekommen war und diese im Ziel innig herzte, hatte sich am Vormittag betont locker gegeben, schließlich war mit dem Erfolg in Sanremo das Mindestziel schon längst erreicht. "Ich spüre wenig Druck, weil wir schon einen großen Sieg haben", sagte er.

Heikler Zwischenfall an Bahnübergang

Vor den nächsten Herausforderung mit der 102. Tour de France als Höhepunkt im Juli sehnte er sich dennoch erst einmal nach einer Ruhepause und hoffte zuvor auf ein weiteres Glanzstück. "Es war mental und körperlich hart für mich, aber meine Form ist immer noch gut. Ich möchte noch einmal eine tolle Leistung zeigen", hatte Degenkolb angekündigt. Die Umsetzung hätte besser nicht sein können.

Nach einer ersten Rennstunde, die in einem wahren Höllentempo - Durchschnitt bei Rückenwind über 50 Stundenkilometer - zurückgelegt worden war, ließ das Peloton einige Ausreißer gewähren. Auch der tapfere Ralf Matzka (Bora-Argon 18) zählte zu den neun Fahrer, die fast zehn Minuten Vorsprung herausarbeiteten, deren Chancen aber von vornherein gegen Null tendierten.

Für Diskussionsstoff sorgte ein heikler Zwischenfall an einem Bahnübergang, den eine Reihe von Fahrern trotz geschlossener Schranke noch vor einem heranbrausenden TGV überquerte. Die Regularien schreiben für diesen Fall eigentlich einen Ausschluss vor, die Rennjury sprach jedoch zunächst noch keine Sanktionen aus.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Anzeige
Biermann über den Gipfelsturm 
"Das war ein richtiges Gänsehautgefühl"

Der deutsche Amateur-Radsportler erklimmt den Mont Ventoux mit einem Spenderherz. Video

"So schnell wie seit 10 Jahren nicht" 
Christoph Biermann gerät in Köln an seine Grenzen

Beim Velodom wird deutlich: Die Härte am Berg fehlt ihm nach seiner Herztransplantation noch. Video

Nach Herztransplantation auf den Mont Ventoux 
Christoph Biermann und das Rennen seines Lebens

Acht Monate wartete der Hobby-Radfahrer auf ein Spenderherz. Jetzt nimmt er den Ventoux ins Visier. Video



Anzeige
shopping-portal