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Tour de France 2015: Dopingforscher bleiben skeptisch

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Radsport  

Die Tour und der ständige Verdacht - Dopingforscher skeptisch

26.07.2015, 14:17 Uhr | dpa

Tour de France 2015: Dopingforscher bleiben skeptisch. Nicht alle glauben, Christopher Froome sei sauber gefahren.

Nicht alle glauben, Christopher Froome sei sauber gefahren. Foto: Sebastien Nogier. (Quelle: dpa)

Paris (dpa) - Tour de France und Doping - eigentlich ein Dauerthema. Für harte Fakten sorgte bei der 102. Auflage - bisher - allerdings nur Luca Paolini. Der italienische Radprofi wurde nach einer positiven Kokain-Analyse eine Woche nach dem Start von seinem Team nach Hause geschickt.

Eine Sperre bei positiver B-Probe wird folgen. Nach dem Fall des Katusha-Profis schossen die Spekulationen ins Kraut, und im Mittelpunkt der bislang nicht belegten Unterstellungen stand Christopher Froome. Seine imposante Vorstellung auf der ersten Pyrenäen-Etappe nach La Pierre-Saint-Martin, auf der er die Konkurrenz zurechtstutze, schuf erneut Misstrauen um den flotten Briten.

Auslöser waren womöglich die Äußerungen des ehemaligen Profis Laurent Jalabert. Der Ex-Weltmeister spricht aus Erfahrung, war er doch vor zwei Jahren durch Nach-Analysen von 1998 als EPO-Konsument enttarnt worden. Der jetzige TV-Experte Jalabert empfand die Froome-Leistung als "unangenehm anzuschauen". Einen weiteren Verdacht streute - ausgerechnet - der ehemalige Hochleistungsdoper Lance Armstrong mit einem Tweet, der ihm angeblich kurz danach schon wieder leid tat.

Der lebenslänglich Gesperrte hatte mit dieser wirkungsvollen Wortmeldung ("Froome sauber?") seine Rückkehr zur Tour eingeleitet. Er fuhr zwei Tour-Etappen im Zentral-Massiv für die Leukämie-Stiftung des britischen Ex-Fußballers Geoff Thomas. Die Presse nahm daran Anteil, als sei der einstige Dominator aus Texas unbescholten und noch in Amt und Würden.

Froome und sein umstrittenes Sky-Team sahen sich durch die geschürte Stimmung in Frankreich ein wenig in die Enge getrieben. Mit der Offenlegung einiger Leistungsdaten und der Expertise seines Trainers Tim Kerrison wollte der Mann im Gelben Trikot Zweifel an der Korrektheit seiner Leistungen zerstreuen. Gelungen ist es ihm nicht, zumal auch Wissenschaftler mehr Daten forderten.

"Scheibchenweise nach eigenem Gutdünken zur Verfügung gestellte Leistungsdaten geben zumindest einen Hinweis darauf, das nicht alles ganz so sauber ist, wie der Name vermuten lässt. Sky ist keine wolkenfreie Veranstaltung", sagte Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel der Deutschen Presse-Agentur. Ob das britische Team "clean" oder nur eine "extrem sorgfältig arbeitende Mannschaft" sei, werde man "vielleicht erst später - wie im Fall Armstrong - herausfinden".

Sehr misstrauisch äußerte sich auch der um derbe Worte nie verlegene Mahner Werner Franke. "Wenn einer so schnell fährt oder sogar schneller als jemand, der früher gedopt hat, da kann ja was nicht stimmen. Mein Vorschlag: Man muss zwei Frankreich-Rundfahrten fahren: eine für Asthmatiker und eine für Nicht-Asthmatiker", sagte der Chef-Ankläger und verwies damit auf den inflationären Gebrauch von Kortekoiden im Radsport. "Das gesamte Radsportsystem mit den Verbänden und den Teams ist irreversibel korrupt", behauptet Franke.

Die Tour-Stimmung war vergiftet wie selten in den vergangenen Jahren, und Froome musste leiden. Beim Anstieg zum Flugfeld von Mende überschüttete ihn ein Zuschauer mit Urin, auf dem Weg nach La Toussuire und L'Alpe d'Huez bespuckten ihn Rowdys.

Mehr als mit seinem verständlichen Ärger und mit mehr oder weniger hilflosen Appellen konnte sich Froome nicht widersetzen. "Das ist eine Schande und zerstört das Image der zu 99,9 Prozent normalen Zuschauer. Wir sind zu allererst Menschen und dann Sportler. Wir wollen auch als solche behandelt werden", sagte Froome.

Der gescholtene Brite gibt den Saubermann. Er hatte sich mehrfach für Nachtkontrollen eingesetzt und arbeitete mit der Untersuchungs-Kommission CIRC zusammen. Im Vorjahr rief er nach Dopingkontrolleuren, als er zusammen mit Vincenzo Nibali und Alberto Contador auf Teneriffa trainierte. "Was soll ich noch tun?", fragte Froome, der nicht mit der früheren Generation um Armstrong und Jan Ullrich verglichen werden will: "Das habe ich nicht verdient, weil wir heute wissen, wie sie ihre Erfolge errungen haben".

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