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Radsport: Zweiter Doping-Fall bei der Tour de France

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Tour de France 2008  

Zweiter Dopingfall bei der Tour de France

16.07.2008, 12:17 Uhr | dpa

EPO-Doping bei der Tour: Moises Duenas Nevado vom Team Barloworld (Foto: imago)EPO-Doping bei der Tour: Moises Duenas Nevado vom Team Barloworld (Foto: imago) Die 95. Tour de France schreibt die Skandal-Chronik ihrer jüngsten Vergangenheit fort. Der zweite Doping-Fall der diesjährigen Tour hat alle Hoffnungen auf eine saubere Rundfahrt zunichte gemacht und das sportliche Geschehen an den Rand gedrängt. Kurz vor dem Start der 11. Etappe in Lannemezan wurde bekannt, dass der Spanier Moises Duenas Nevado nach der 4. Etappe, dem Zeitfahren rund um Cholet, positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet worden war.

Sein britisches Barloworld-Team suspendierte den bisherigen Gesamt-19. mit sofortiger Wirkung. "Mit diesem Problem muss jetzt jedes Radsport-Ereignis kämpfen. Wir finden die Betrüger", kommentierte Tour-Direktor Christian Prudhomme die zweite Hiobsbotschaft dieser Rundfahrt nach dem Doping-Fall Manuel Beltran.

Tour aktuell Die 11. Etappe im Live-Ticker

Foto-Show Polizisten durchsuchen das Hotel von Barloworld
Zum Durchklicken Große Dopingfälle bei der Tour

Verbotene Substanzen sichergestellt

Um 9 Uhr morgens schlugen die Kommissare im "Hotel Rex" in Tarbes zu. Die Polizei und ein Vertreter der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD durchsuchten Duenas Nevados' Hotelzimmer und stellten dort verbotene Substanzen sicher. Danach nahmen die Beamte den 27-Jährigen mit aufs Revier, um ihn stundenlang zu verhören.

Fünf Jahre Haft drohen

Der Team-Arzt habe dem 27-Jährigen die Medikamente nicht verschrieben. "Wir sind absolut fassungslos über das, was geschehen ist, und über das Verhalten unseres Fahrers", sagte Barloworld-Manager Claudio Corti. Dueñas Nevado habe die Präparate vor allen versteckt. Falls die B-Probe auch positiv ist, droht nach dem französischen Anti- Doping-Gesetz eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

Gelassenheit im Fahrerlager

Im Fahrerlager und unter den Teamchefs wurde die neuerliche Schreckensmeldung gelassen aufgenommen - von Hektik oder Panik keine Spur: Doping ist fast schon Routine. "Es ist gut, dass Leute rausgefischt werden. Das wird wohl noch so weitergehen", meinte Columbia-Boss Bob Stapleton.

Beltran erster Dopingfall der diesjährigen Tour

Vor Duenas Nevado war nach der 1. Etappe dessen Landsmann Beltran als erster EPO-Konsument der Tour 2008 überführt worden. Damit wandelt die Große Schleife auf den verseuchten Spuren von 2007, als die Spitzenfahrer Alexander Winokurow, Iban Mayo sowie Cristian Moreni als Dopingsünder entlarvt wurden. Zudem wurde während der Tour der Fall Sinkewitz bekannt, direkt danach wiesen Fahnder Andrej Kaschetschkin beim Familienurlaub in der Türkei Fremdblutdoping nach.

1. Dopingfall Beltran positiv auf EPO getestet
Foto-Show Beltran wird abgeführt, Razzia bei Liquigas

Spekulationen um Moreau

Mit Duenas Nevado dürfte das Ende der Fahnenstange in Sachen Doping bei dieser Tour noch nicht erreicht sein. So ranken sich um den populären Franzosen Christoph Moreau, den letzten sportlich Überlebenden des Skandal-Teams Festina von 1998, erneut Doping-Gerüchte. "Ich bestätige nochmals, dass mein Name nicht auf dieser Liste steht. Mittlerweile müssen wir uns rechtfertigen, wenn wir gewinnen, wenn wir eine Niederlage erleiden oder wenn wir wie ich wegen Schmerzen aussteigen", sagte der 37-jährige Moreau, der während der 7. Etappe wegen Rückenbeschwerden aufgab.

Auffällige Blutwerte bei weiteren Fahrern

Das Damoklesschwert weiterer Doping-Fälle wird die Tour wohl so schnell nicht los. So soll es laut der französischen Zeitung eine Liste von fünf Fahrern geben, deren Hormonspiegel und Blutbilder erhebliche Auffälligkeiten aufwiesen. Die AFLD sprach von etwa 20 Profis, die Test-Ergebnisse nahe am Grenzwert gehabt hätten.

Eine Frage der Mentalität

Hatten Team-Leiter, Organisatoren und Fahrer den Doping-Fall des 37-jährigen Beltran noch als Dummheit eines Ewig-Gestrigen der alten Garde abgetan, ist dieses Argument beim zehn Jahre jüngeren Duenas Nevado nicht mehr stichhaltig. Für Stapleton ist das ohnehin keine Generationsfrage: "Das ist keine Frage des Alters, sondern der Mentalität." Als bisher größten Erfolg seiner Karriere hatte Duenas Nevado 2006 den Gesamtsieg bei der Tour de L'Avenir ("Tour der Zukunft") verbucht.

Im Überblick Die Gesamtwertung
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