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Tour de France - Doping  

Nevado drohen fünf Jahre Haft

16.07.2008, 20:36 Uhr | dpa

Dueñas Nevado (Foto: Reuters)Dueñas Nevado (Foto: Reuters) Die 95. Tour de France schreibt die Skandal-Chronik ihrer jüngsten Vergangenheit fort und fügte mit dem Doping-Fall Dueñas Nevado ein weiteres dunkles Kapital hinzu. Der zweite ertappte Sünder der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt hat alle Hoffnungen auf ein sauberes Rennen zunichte gemacht und könnte als erster Fahrer der Tour-Geschichte mit einer Haftstrafe mit bis zu fünf Jahren wegen Dopings belangt werden.

Kurz vor dem Start der 11. Etappe in Lannemezan wurde bekannt, dass der Spanier Moises Dueñas Nevado nach dem von Stefan Schumacher gewonnenen Zeitfahren rund um Cholet am vergangenen Dienstag positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet worden war.

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"Wir finden die Betrüger"

Bei einer Razzia in seinem Hotelzimmer stellte die französische Polizei zudem verbotene Substanzen sicher. Sein britisches Barloworld-Team, das die Tour fortsetzte, suspendierte den bisherigen Gesamt-19. mit sofortiger Wirkung. "Mit diesem Problem muss jetzt jedes Radsport-Ereignis kämpfen. Wir finden die Betrüger", kommentierte Tour-Direktor Christian Prudhomme die zweite Hiobsbotschaft dieser Rundfahrt nach dem Doping-Fall Manuel Beltran.

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"Wir sind absolut fassungslos"

Zu diesem Zeitpunkt wusste Prudhomme noch nicht, dass es noch schlimmer kommen sollte: Am Nachmittag wurde bekannt, dass die Kommissare im Hotel Rex in Tarbes bei dem 27-Jährigen Präparate sichergestellt hatten. Der Team-Arzt habe Dueñas Nevado die Medikamente nicht verschrieben, teilte dessen Equipe mit. "Wir sind absolut fassungslos über das, was geschehen ist, und über das Verhalten eines unserer Fahrer", sagte Barloworld-Manager Claudio Corti. Dueñas Nevado habe die Präparate vor allen versteckt.

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Fünf Jahre Haft und 75.000 Euro Strafe?

Nun droht dem Spanier eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren und eine Geldbuße von 75.000 Euro. Diese drakonischen Sanktionen sieht das verschärfte französische Anti-Doping-Gesetz im Fall von Besitzstrafbarkeit vor. Es wurde kurz vor Tour-Beginn ratifiziert. "Es ist interessant festzustellen, dass der zweite spanische Fahrer erwischt wurde", kommentierte Weltverband-Präsident Pat McQuaid.

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Franke fordert Ausstieg

Der Heidelberger Doping-Experte Werner Franke forderte derweil ARD und ZDF angesichts des zweiten EPO-Dopingfalls auf, ihre Übertragungen von der Frankreich- Radrundfahrt einzustellen. "ARD und ZDF benutzen auch meine Gebühren, um kriminelle Dinge zu übertragen", sagte Franke der "Süddeutschen Zeitung". Nach seiner Einschätzung werde auch in diesem Jahr bei der Tour flächendeckend gedopt.

"In einen Sack stecken und mit Knüppel draufhauen"

Auch CSC-Profi Jens Voigt war stinksauer über den zweiten Dopingfall und redete Tacheles: "Da fasse ich mir doch an den Kopf. Wie dumm sind die Leute eigentlich!", sagte er. "Man sollte ihn (Dueñas Nevado, d. Red.) in einen Sack stecken und mit einem Knüppel drauf schlagen."

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Nevado wird stundenlang verhört

Um 9 Uhr morgens hatte das Großaufgebot der Polizei zugeschlagen. Beamte und ein Vertreter der französischen Anti-Doping- Agentur AFLD durchsuchten Duenas Nevados Hotelzimmer und nahmen den 27-Jährigen anschließend mit aufs Revier, um ihn stundenlang zu verhören. "Das Team und der Fahrer waren geschockt. Wir haben ihn aus dem Rennen genommen und warten auf die B-Probe", erklärte Barloworld-Sprecher Claudio Masnata. Sollte dem Team eine Mitschuld nachgewiesen werden, muss Barloworld eine Strafe von 100.000 Euro an die AFLD zahlen und das Rennen verlassen.

"Es wird wohl noch so weitergehen"

Im Fahrerlager und unter den Teamchefs wurde die neuerliche Schreckensmeldung gelassen aufgenommen - von Hektik oder Panik keine Spur: Doping ist fast schon Routine. "Es ist gut, dass Leute rausgefischt werden. Das wird wohl noch so weitergehen", sagte Columbia-Boss Bob Stapleton.

Gerüchte um Moreau

Mit Dueñas Nevado dürfte das Ende der Fahnenstange in Sachen Doping bei dieser Tour noch nicht erreicht sein. So ranken sich um den populären Franzosen Christoph Moreau, den letzten sportlich Überlebenden des Skandal-Teams Festina von 1998, erneut Doping-Gerüchte. "Ich bestätige nochmals, dass mein Name nicht auf dieser Liste steht. Mittlerweile müssen wir uns rechtfertigen, wenn wir gewinnen, wenn wir eine Niederlage erleiden oder wenn wir wie ich wegen Schmerzen aussteigen, sagte der 37-jährige Moreau, der während der 7. Etappe wegen Rückenbeschwerden aufgab, der "L'Équipe".

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