Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Tour de France >

Doping bei Tour de France: Riccardo Ricco positiv getestet

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Tour de France - Doping  

Berg-König Ricco positiv getestet

17.07.2008, 14:52 Uhr | sid

Ricardo Ricco (Foto: dpa)Ricardo Ricco (Foto: dpa) Mit dem dritten Dopingfall in sechs Tagen ist die 95. Frankreich-Rundfahrt endgültig zur Skandal-Tour verkommen und droht die letztjährige Schleife sogar noch weit in den Schatten zu stellen. Nachdem in Riccardo Ricco der erste Mit-Favorit dieser Tour mit einem positiven Epo-Test aufflog und sein Saunier-Duval-Team daraufhin aus dem Rennen ausstieg, zittert das Peloton vor einer regelrechten Welle von Dopingfällen.

Grund ist ein verbesserter Epo-Test, der die bislang unentdeckten Doping-Praktiken von Fahrern gleich reihenweise aufdecken könnte.

Foto-Serie Riccardo Ricco wird abgeführt
Info-Grafik Dopingmethoden und deren Wirkung

12.Etappe Cavendish macht das Triple voll
Fahrer des Tages Verdienter Lohn für Sebastian Lang

Holczer malt düsteres Bild

"Jetzt könnte es dramatisch werden. Ich gehe davon aus, dass Ricco nicht der letzte Dopingfall bleiben wird", erklärte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer. Unter den sportlichen Leitern der verbleibenden 19 Tour-Teams habe man bereits die Vermutung geäußert, dass "eine große Anzahl von Fahrern betroffen sein könnte - und das nicht nur aus Spanien und Italien", so der 54-Jährige.

Riccardo Ricco Die Kobra vergiftet sich selbst
Duenas Nevado Dem Staatsanwalt vorgeführt
Im Überblick Die Gesamtwertung

Jagdszenen um Ricco

Vor dem Start der zwölften Etappe in Lavelanet hatten sich regelrechte Jagdszenen um Ricco abgespielt. Er wollte im Team-Wagen über die Startlinie flüchten, doch die Polizei verfolgte ihn und nahm den Italiener in Gewahrsam.

Zum Durchklicken Große Dopingfälle bei der Tour
Foto-Show Die Bilder der 11. Etappe

Komplette Mannschaft aus dem Rennen

Der zweimalige Etappensieger Ricco war bei einer Urin-Kontrolle nach dem Zeitfahren der vierten Etappe positiv auf das Epo-Mittel "Cera" getestet worden. Sein spanischer Rennstall zog sofort die Konsequenzen aus dem Vorfall um seinen Kapitän und nahm die komplette Mannschaft sofort aus dem Rennen.

Kleinste Mengen nachweisbar

Bei dem Befund soll es sich um ein Epo-Produkt der dritten Generation handeln, dessen Halbwertszeit bezüglich des Protein-Zerfalls deutlich länger als bei den bisher bekannten ist. Damit ist der Stoff entsprechend länger nachweisbar, die Athleten nehmen aber offenbar an, mit dem neuen Präparat die Kontrollen umgehen zu können. Zudem ist das bei der diesjährigen Tour angewandte Testverfahren so verfeinert, dass auch kleinste Mengen des Produkts nachweisbar sind.

"Fall Ricco kommt nicht überraschend"

"Das habe ich bislang auch nicht gewusst. Aber als ich meinen Fahrern am Morgen davon erzählt habe, brach lauter Jubel aus", berichtete Holczer, für den der "Fall Ricco" nicht überraschend kam: "Man darf es ja kaum laut sagen, aber bei ihm haben einige etwas vermutet." Rolf Aldag, sportlicher Leiter bei T-Mobile-Nachfolger Columbia, sprach von einem Riesenschlag gegen die Tour und gegen den Radsport und zeigte sich enttäuscht, dass nun mit Ricco ein "neues Gesicht des Radsports" offenbar überführt wurde.

Zwei Etappen gewonnen

Ricco hatte die beiden Bergetappen in Super-Besse und Bagneres-de-Bigorre gewonnen. Der Gesamt-Zweite des diesjährigen Giro war nach der elften Etappe Neunter des Tour-Klassements und hatte das Trikot des Bergkönigs inne. Zudem hatte sein Teamkollege und Landsmann Leonardo Piepoli am Montag die erste schwere Bergankunft der Rundfahrt in Hautacam gewonnen.

1. Dopingfall Beltran positiv auf EPO getestet
Foto-Show Beltran wird abgeführt, Razzia bei Liquigas

"Ich bin absolut konsterniert"

Saunier-Duvals sportlicher Leiter Matteo Algeri sprach von einer "Katastrophe" für das Team: "Nach all dem, was schon war, ist mir das völlig unverständlich. Ich bin absolut konsterniert", sagte der Italiener. Vor Ricco waren bereits der Spanier Manuel Beltran (Liquigas) und erst am Mittwoch auch dessen Landsmann Moises Duenas Nevado (Barloworld) positiv auf das gleiche Epo-Preparat getestet worden.

Bach ist entsetzt

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, zeigte sich nach dem neuerlichen Dopingfall entsetzt. "Die jüngsten Dopingfälle bei der Tour de France zeigen in erschreckender Manier, dass ein Umdenken noch nicht bei allen Beteiligten stattgefunden hat. Im Gegenteil: Es wird mit Dreistigkeit weitergedopt", sagte der frühere Weltklassesfechter der Tageszeitung "Die Welt", schloss Konsequenzen für das Olympische Straßenprogramm aber aus: "Der Ausschluss der Straßenrennen aus dem olympischen Programm halte ich im Moment dennoch für keine Lösung. Das olympische Antidoping-System ist engmaschiger als je zuvor."

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Anzeige
Biermann über den Gipfelsturm 
"Das war ein richtiges Gänsehautgefühl"

Der deutsche Amateur-Radsportler erklimmt den Mont Ventoux mit einem Spenderherz. Video

"So schnell wie seit 10 Jahren nicht" 
Christoph Biermann gerät in Köln an seine Grenzen

Beim Velodom wird deutlich: Die Härte am Berg fehlt ihm nach seiner Herztransplantation noch. Video

Nach Herztransplantation auf den Mont Ventoux 
Christoph Biermann und das Rennen seines Lebens

Acht Monate wartete der Hobby-Radfahrer auf ein Spenderherz. Jetzt nimmt er den Ventoux ins Visier. Video



Anzeige
shopping-portal