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Tour de France: "Cavendish wird nicht zu stoppen sein"

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Tour de France  

Wüst: "Cavendish wird nicht zu stoppen sein"

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Das Gespräch führte Björn Lücker

Mark Cavendish ist der Top-Favorit unter den Sprintern (Foto: imago)Mark Cavendish ist der Top-Favorit unter den Sprintern (Foto: imago) Mark Cavendish ist wieder auf der Überholspur. Neun Saison-Siege hat der Supersprinter schon auf dem Konto. Doch kann der 23-Jährige Brite seine bestechende Form auch während der Tour de France aufrecht erhalten? Und hat sein schärfster Rivale, Gerald Ciolek, überhaupt eine Chance? Ex-Weltklassesprinter und t-online.de Tour-Experte Marcel Wüst gibt Antworten und verrät, warum sich die Sprinter vor den Bergetappen meist aus dem Staub machen.

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Herr Wüst: Wird die Tour wieder eine One-Man-Show von Mark Cavendish?
Wüst. Gut möglich, obwohl ich mir natürlich mehr Abwechslung erhoffen. Mark hat die meisten Rennen in dieser Saison gewonnen und mit dem Sieg bei Mailand-San Remo, den drei Etappenerfolgen beim Giro d’Italia und zuletzt bei der Tour de Suisse schon richtig abgeräumt. Er ist mit seinen 23 Jahren aber noch ein sehr junger Rennfahrer. Man muss abwarten, wie sein Körper die starke erste Saisonhälfte verkraftet.

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Warum ist Cavendish schon jetzt so stark?
Es gibt immer wieder Ausnahmetalente, die viele positive Eigenschaften in sich vereinen. Aber nur wenige finden auch die Sportart, die für sie geschaffen ist und werden früh genug gefördert - wie es bei Mark der Fall war. Er kommt ja vom Bahnradsport, der in den letzten Jahren einen enormen Boom in England erlebt. Er feierte ja nicht nur sein Tour-Debüt im vergangenen Jahr, sondern war auch bei den olympischen Spielen dabei. Mark ist schon früh und sehr professionell mit seinem Sport in Berührung gekommen, das zahlt sich jetzt aus. Seine weitere Entwicklung bleibt aber abzuwarten. Vielleicht sagt er in fünf Jahren: Ich habe alles erreicht und keine Lust mehr.

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Gerald Ciolek wird als einer von Cavendishs schärfsten Rivale gehandelt. Kann er ihm Paroli bieten?
Der beste Fahrer muss nicht zwangsläufig die Etappe abräumen - gerade im Sprint. Da kommt es nicht nur auf die richtige Form und Explosivität an, sondern auch den richtigen Antritt zum richtigen Zeitpunkt. Cavendish hat einen großen Vorteil gegenüber Ciolek: Er hat in dieser Saison schon gezeigt, das er es wissen will. Der wird mit viel Selbstvertrauen in die Tour gehen. Wenn Mark nach dem Zeitfahren in Monaco die ersten beiden Etappen gewinnt, wird er nicht mehr zu stoppen sein.

Gibt es denn kein Geheimrezept, wie Cavendish zu bezwingen ist?
Marcel Wüst war einer der besten Sprinter der Welt, ehe er 2000 bei einem schweren Sturz sein rechtes Augenlicht verlor und seine Karriere beenden musste (Foto: imago)Marcel Wüst war einer der besten Sprinter der Welt, ehe er 2000 bei einem schweren Sturz sein rechtes Augenlicht verlor und seine Karriere beenden musste (Foto: imago) Bei Mark ist es wie zu den Glanzzeiten von Mario Cipollini: Die einzige Position, von der man ihn schlagen konnte, war von seinem Hinterrad. Das heißt: Gerald sollte sich gar nicht so sehr auf seine Anfahrer konzentrieren, sondern schauen, auf den letzten Kilometern das Hinterrad von Cavendish zu erwischen. Aber das haben alle Fahrer vor, die glauben, eine Sprintetappe gewinnen zu können. Es wird ein mächtiges Gerangel hinter dem Columbia-Zug geben. Jeder will Cavendish schlagen. Denn alle Sprinter wissen: Mit einem Tour-Etappensieg kannst du Weltruhm erlangen.

Wen sehen sie denn außer Ciolek noch in der Favoritenrolle?
Im Grunde sind es die üblichen Verdächtigen, sei es ein Thor Hushovd, Daniele Bennati oder Oscar Freire. Leider fährt Robbie McEwen nicht mit, der immer für eine Überraschung gut war. Entweder hat er gar nichts gemacht oder schoss dann wie Phoenix aus der Asche. Spannend wird sein, was die jungen Wilden machen, wie ein Tyler Farrar vom Team Garmin: Der fährt seine erste Tour und will natürlich zeigen, was er drauf hat.

Etappensiege hin oder her. Die Sprinter müssen auch die Berge bezwingen können, um am Ende das Grüne Trikot zu gewinnen. Hat Cavendish schon das Zeug dafür? Im letzten Jahr ist er vor den Alpen ausgestiegen...
…und vielleicht steigt er dieses Jahr auch wieder aus. Das ist wie bei einem Gladiator in der Arena: Man weiß nicht, welche Tiere kommen. Das heißt: Du kannst als Rennfahrer einen Masterplan aufstellen, den du aber Tag für Tag, sei es wegen kleinerer Krankheiten oder Schwächephasen, immer wieder anpassen musst – die Tour ist unvorhersehbar. Grundsätzlich wäre das Grüne Trikot natürlich ein Riesending für Mark. Aber er ist in einem Alter, wo er noch nicht allen beweisen muss, dass er es jetzt schon gewinnen kann. Da hat er noch genug Zeit zu. Gerald Ciolek sehe ich da langfristig im Vorteil. Er ist ein Fahrer, der schon seit je her gut über die Berge kommt. Er muss sich aber mal langsam entscheiden, ob er in Zukunft nur auf Sprints setzt oder seine Allroundqualitäten ausbaut, wie es einst auch Erik Zabel getan hat. Ich traue Gerald bei dieser Tour zu, ein Wörtchen ums Grüne Trikot mitzureden.

Warum machen sich eigentlich die meisten Sprinter aus dem Staub, wenn die Berge in Sicht kommen.
Ich muss jetzt mal ein Lanze für die Sprinter brechen: Auf ihnen lastet vom ersten Tag an ein Riesendruck, physisch sowie mental. Das kostet unheimlich viel Kraft, in den hektischen Finals nach vorne zu fahren, den Überblick zu behalten und in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung zu treffen. Und dann kommen die Sprinter mit Beginn der Bergetappen in ein Terrain, wozu sie genetisch gar nicht fähig sind. Dass da der Ein oder Andere aussteigt, ist völlig normal. Freiwillig machen die das nicht, der Akku ist nur einfach leer. Hut ab vor denen, die trotzdem weitermachen und sich durch die Berge quälen.

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Diese Fahrer sammeln sich dann meist im Gruppetto und versuchen, die Qualen gemein durchzustehen.
Genau, es ist eine Art Zweckgemeinschaft unter dem Motto: Gemeinsam sind wir stark. Schließlich ist das Zeitlimit - neben den physischen und mentalen Schmerzen - das zweite Damoklesschwert, was über einem schwebt. Angenommen, eine Gruppe von 30 Fahrern ist am ersten Berg abgehängt und es kommt ein 30 Kilometer langes Tal mit Gegenwind. Dann wissen die Fahrer, dass sie nur in der Gruppe wieder Gas geben und Zeit gut machen können, um noch rechtzeitig ins Ziel zu kommen.

Und wenn es bisschen zu spät wird, drücken die Kommissäre ja auch meist ein Auge zu und passen die Karenzzeit an.
Es kann aber auch anders laufen, dazu eine kleine Anekdote: Beim Giro d’Italia bin ich mal siebeneinhalb Stunden in den Dolomiten durch strömenden Regen gefahren und dann in einem Gruppetto von 40 Fahrern ins Ziel gekommen. Mit dabei waren auch Michele Bartoli und teilweise fast komplette Mannschaften. Wir hatten alles gegeben, doch der zuständige Kommissär sagte: Ihr seit 40 Sekunden zu langsam und müsst alle nach Hause fahren! Der kann froh sein, dass er keinem von uns im Dunkeln begegnet ist.

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