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Tour de France: Heile Welt mit zweifelhaften Hauptdarstellern

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Tour de France  

Heile Tour-Welt mit zweifelhaften Hauptdarstellern

26.07.2009, 14:46 Uhr | dpa, sid

Die Protagonisten der Tour: Sieger Contador und der Gesamtdritte Armstrong (Foto: Reuters)Die Protagonisten der Tour: Sieger Contador und der Gesamtdritte Armstrong (Foto: Reuters) Die Tour de France hat auf groteske Weise die Rückkehr zur Normalität vollzogen. Im Drehbuch der 96. Auflage spielten mit Gesamtsieger Alberto Contador und Lance Armstrong zwei Radgrößen mit zweifelhaftem Ruf die Hauptrolle. Die "Grande Nation" feierte die Wiederauferstehung der Tour, für Skandale wie in den letzten drei Jahren war diesmal kein Platz.

"Es ist nicht alles gut, aber es hat sich etwas geändert. Das Betrügen ist schwerer geworden. Wir haben bei der Tour ein großes Duell erlebt, genau das, was der Sport braucht", bilanzierte Tour-Direktor Christian Prudhomme. Skandale wollte die Tour ausdrücklich nicht und wie auf Knopfdruck herrschte im einst so stürmischen Radsport auf einmal Windstille. Ob es in den Nachtests noch ein Doping-Gewitter geben wird, erscheint eher fraglich.

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Contador plötzlich Anti-Doping-Kämpfer

Dass ausgerechnet Contador nach seinem Triumph auch noch in die Rolle des Anti-Doping-Vorkämpfers schlüpfte, passte da irgendwie ins Bild der "neuen Tour". "Die Mentalität hat sich geändert. Das ist ein großer Sieg für den Radsport", behauptete der "Matador aus Madrid" und lächelte mit unschuldigen Augen die Weltöffentlichkeit an. Vorher war der Spanier die Berge so schnell hochgeflogen wie einst sein Name aus der Kundenliste von Dopingarzt Eufemiano Fuentes verschwunden war. So hatte die Tour zum vierten Mal in Folge einen Gesamtsieger aus Spanien. Ein Land, dass den Ruf der Doping-Drehscheibe in Europa erlangt hat.

Alberto Contador Der Zweifel fährt mit

Übermenschliche Kräfte

Nicht mal die Wissenschaft hatte eine Erklärung für die Leistungen von Contador. Bei seiner Klettershow in Verbier hätte Contador einen VO2max-Wert (misst die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes) von 99,5 Milliliter pro Minute pro Kilogramm haben müssen - ein Wert, der bei einem Menschen noch nie gemessen wurde. Der dreimalige Toursieger Greg LeMond äußerte Zweifel an der Sauberkeit des Astana-Profis und erhielt dafür schnell den Ruf des Nestbeschmutzers. "Mit Aussagen der Experten muss man vorsichtig sein", sagte Prudhomme knapp.

Franke: Doping gehört auch zur 96. Tour

Konfrontiert man die Experten mit solchen Aussagen, können Dauer-Kritiker wie Werner Franke nur sarkastisch auflachen. Dass es bei der Tour bislang keinen Dopingfall gegeben habe, heiße überhaupt nichts, sagte der Heidelberger Molekularbiologe. Mit den jetzigen Tests würde einfach nichts erkannt werden. Nach wie vor gehöre Doping - auch bei der 96. Ausgabe der Großen Schleife - zum Inventar des Radsports. "So war es und so ist es", meinte Franke.

Schänzer: Man muss abwarten ob etwas bekannt wird

So weit würde Wilhelm Schänzer nicht gehen, aber auch der Forscher vom Kölner Institut für Biochemie ist vorsichtig. Es gebe nach wie vor "eine Dunkelziffer von Verfahren, die nicht nachweisbar sind", die aber eventuell später in eingelagerten Proben entdeckt werden könnten, sagte der Wissenschaftler. Die Information, dass es Nachkontrollen gebe, habe sicher "abschreckend" auf potenzielle Betrüger gewirkt. Den Chronik-Schreibern aber rät er: "Man muss abwarten, ob im Nachhinein etwas bekannt wird."

Doping AFLD kündigt Nachkontrollen an

Ausnahmslose Jubelstürme für Armstrong

Wie auch immer: Die Tour hat offensichtlich eine Kurskorrektur vorgenommen. Auch der einst so unbeliebte Armstrong ist wieder herzlich willkommen. Dass ließ sich der Medienprofi aus Texas nicht zweimal sagen und zog mit einer gigantischen PR-Show ganz Frankreich in seinen Bann. Wo er früher ausgepfiffen und mit "Epo-Lance" beschimpft worden war, gab es diesmal ausnahmslos Jubelstürme.

"Über Doping spricht heute keiner mehr"

Das Rad der Zeit vermochte aber auch Armstrong nicht zurückdrehen. Der siebenmalige Tour-Champion musste sich mit dem dritten Platz begnügen, womit er immerhin den Rekord von Raymond Poulidor an Podestplätzen in Paris einstellte. "Für einen alten Veteranen wie mich ist es nicht so schlecht, Dritter hinter diesen jungen Kerlen zu werden. Ich kann nicht klagen", sagte der 37-Jährige. Den zweiten Platz belegte der Luxemburger Andy Schleck, der Bruder des fünftplatzierten Frank, der bewiesenermaßen Fuentes-Kunde war. Aber wie sagte Contador so schön zum Abschluss: "Über Doping spricht heute keiner mehr."

Im Überblick
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