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Radsport: Bestürzung nach Kim Kirchens Herzstillstand

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Radsport  

Bestürzung im Peloton nach Kirchens Herzstillstand

20.06.2010, 14:16 Uhr | sid, sid

Radsport: Bestürzung nach Kim Kirchens Herzstillstand. Radprofi Kim Kirchen liegt weiter im künstlichen Koma. (Foto: imago)

Radprofi Kim Kirchen liegt weiter im künstlichen Koma. (Foto: imago)

Die Radsport-Szene bangt weiter um das Leben von Kim Kirchen. Nach seinem Herzstillstand ist der ehemalige T-Mobile-Fahrer in ein künstliches Koma versetzt worden. Die Ärzte im einem Züricher Krankenhaus schlossen nach ersten Untersuchungen einen Infarkt und eine Thrombose aus. Nach der siebten Etappe der Tour de Suisse war Kirchen in seinem Hotelzimmer zusammengebrochen und musste wiederbelebt werden.

"Das ist bedrückend und relativiert alle Dinge im Sport. Wenn es um Leben und Tod geht, sind Siege oder die Frage, ob er als Rennfahrer weitermachen kann, sekundär", sagte Rolf Aldag. Der Ex-Profi war in den Teams T-Mobile und Columbia vier Jahre lang Sportchef von Kirchen und ist gut mit dem Luxemburger befreundet. Der 31-Jährige, dessen Frau Caroline am kommenden Donnerstag Zwillinge zur Welt bringen soll, hatte bereits im April über Schwindel und Atemnot geklagt und war in seiner Heimat eingehend von Spezialisten untersucht worden. "Die Ärzte haben nichts gefunden, aber ich nehme das ernst", hatte Kirchen gesagt.

Weitere Rückschlüsse nach 24 Stunden

Sein Zimmerkollege Joaquin Rodriguez schlug im Landhaus Sonne in Dürrten kurz vor Mitternacht Alarm. Kirchen wurde von einem Arzt seines Teams Katjuscha und seinem Freund Marc Joseph reanimiert. Joseph und Kirchens Vater Erny hatten den Radprofi auf der Rundfahrt besucht. Der behandelnde Arzt in Zürich versetzte Kirchen in ein Koma, um ihn besser medizinisch überwachen zu können. Für mindestens 24 Stunden sollte der Profi im Koma verbleiben, erst dann könnten weitere Rückschlüsse gezogen werden.

McEwen sorgt sich um den Kollegen

Der russische Rennstall Katjuscha betrieb nach Kirchens Kollaps eine fragwürdige Informationspolitik. Sportdirektor Serge Parsani sprach zunächst nur davon, dass Kirchen sich schlecht gefühlt habe und vom Teamarzt ins Krankenhaus gebracht worden sei. Sprinter Robbie McEwen verkündete via Twitter deutlich schlimmere Nachrichten: "Ich hoffe, Kim Kirchen wird wieder okay. Er ist zusammengebrochen, brauchte medizinische Hilfe und wurde ins Krankenhaus eingeliefert."

Jährliche Checks beim Team Columbia

Aldag und das Team Columbia waren bereits nach dem Fleche Wallonne Ende April in Kirchens Probleme eingeweiht. "Unser Arzt hat damals alle Unterlagen weitergegeben. Bei solchen Dingen ist es wichtig, alles über die medizinische Vergangenheit zu wissen", sagte der Freund des Luxemburgers und wusste "familiären Vorbelastungen im Herz-Kreislaufbereich" bei Kirchen zu berichten. Bei Columbia bestehe der Arzt darauf, dass sich selbst die sportliche Leitung einmal im Jahr einem Check unterzieht. Aldag hatte nach den Meldungen über Kirchens kritischen Zustand versucht, Kontakt zu Caroline Kirchen aufzunehmen, um seine Hilfe anzubieten.

In einem Interview mit der luxemburgischen "Wort"-Zeitung hatte sich Kirchen im Mai zu seiner gesundheitlichen Verfassung geäußert: "Mir geht es aktuell gut. In den vergangenen Tagen kannte ich im Training keinerlei Einschränkungen. Die Ursache meines Unwohlseins konnte nicht präzise diagnostiziert werden. Die Meinungen gehen auseinander. Keiner weiß es genau, und es ist nicht ausgeschlossen, dass die Probleme erneut plötzlich auftauchen", so Kirchen. Die Einnahme von Antibiotika nach einer Leistenverletzung könne ebenso verantwortlich für die Probleme gewesen sein wie übermäßiger Stress.

Parallelen zum Fall Salanson

Der tragische Vorfall in der Schweiz - am Freitagvormittag hatte Kirchen freudig mitgeteilt, dass er von seinem Team für die am 3. Juli beginnende Tour de France nominiert worden sei - zeigt Parallelen zum Herztod des Franzosen Fabrice Salanson. Der 23-jährige Radprofi war vor dem Start der Deutschland-Tour 2003 in Dresden tot in seinem Hotelzimmer gefunden worden. Schnell kam damals der Doping-Verdacht auf, weil Blut bei EPO-Gaben "verdickt", was bei einer geringen Herzfrequenz zu lebensbedrohlichen Situationen führen kann.

Die Gerichtsmedizin in Dresden ermittelte allerdings keine Hinweise auf Doping und stellte den Sekundenherztod als Todesursache fest. Im selben Jahr war der italienische Profi Denis Zanette bei einem Zahnarztbesuch an Herzversagen gestorben. Im Dezember 2003 starb der ehemalige spanische Radprofi José Maria Jiménez in einer psychiatrischen Klinik an Herzversagen.

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