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Niermann: "Ich fühle mich als halber Holländer

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Niermann: "Ich fühle mich als halber Holländer

29.06.2010, 11:26 Uhr

. Grischa Niermann fährt dieses Jahr seine achte Tour de France (Foto: imago)

Grischa Niermann fährt dieses Jahr seine achte Tour de France (Foto: imago)

Das Gespräch führte Björn Lücker

Wenn am Samstag die Tour de France in Rotterdam startet, wird auch Grischa Niermann wieder am Start stehen.  Der 34-jährige Routinier aus Hannover fährt schon seit zwölf Jahren beim niederländischen Rabobank-Team auf konstant hohem Niveau. "Das Team ist wie ein Familie für mich", sagt er im Interview mit t-online.de. Bei seiner achten Tour de France muss er nun aber erneut als "Wasserträger" hart arbeiten für die Kapitäne. Dabei wäre Niermann, so sagt er, gerne selber mal Leader in einem Team gewesen.

Herr Niermann: Hand aufs Herz: Fühlen Sie sich schon als halber Holländer?

Niermann (lacht): Ich weiß, auf was sie hinaus wollen…

Seit 12 Jahren fahren Sie nun schon für den niederländischen Rennstall Rabobank...

…und ich spreche mittlerweile auch fließend holländisch. Das Team ist fast schon wie eine Familie für mich. Da fühle ich mich natürlich schon als halber Holländer.

Warum fühlen Sie sich bei Rabobank so wohl?

Das Team ist einfach sehr gut organisiert. Die Mentalität ist ähnlich wie in Deutschland. Man bekommt pünktlich sein Geld überwiesen, man weiß eine Woche vorher, wo man hinfliegt und wann es los geht. Bei Teams in Spanien oder Italien geht’s da schon chaotischer zu, da passiert viel auf den letzten Drücker.

Gab es denn in den vergangenen Jahren verlockende Angebote von anderen Rennställen?

Die gab es, aber kein Angebot war so gut, dass ich ernsthaft überlegt habe, Rabobank zu verlassen. Darüber bin ich auch sehr glücklich.

Sie fahren nun Ihre achte Tour de France. Wie liefen die Vorbereitungen?

Eigentlich sehr gut. Am Anfang der Vorbereitungen bin ich im Mai die Kalifornien-Rundfahrt gefahren, dann ging’s direkt ins Höhen-Trainingslager in die Sierra Nevada. Danach konnte ich kurz zu Hause verschnaufen, bevor die Tour de Suisse auf dem Programm stand. Im Anschluss habe ich mir noch mit meinem Teamkollegen Robert Gesink die Alpenpässe angeschaut. Am vergangenen Wochenende bin ich dann noch die Deutsche Meisterschaft gefahren. Ich habe zwar kein besonderes Ergebnis rausgeholt. Aber die Form stimmt.

Sie werden bei der diesjährigen Tour wieder die Rolle des Wasserträgers übernehmen. Mit Robert Gesink, der zurzeit stark in Form ist, und Denis Mentschow haben sie zwei Kandidaten im Team, die sehr weit vorne landen können. Für wen werden sie arbeiten müssen?

Für beide, Rabobank wird mit einer Doppelspitze ins Rennen gehen. Für Gesink zu arbeiten fällt mir vielleicht ein bisschen einfacher, mit ihm bin ich immer gemeinsam auf dem Zimmer, mit ihm komme ich gut klar, wir verstehen uns auch im Rennen fast blind. Aber es gibt keine Rangordnung. Während der Tour wird sich zeigen, wer stärker ist. Ich werde für Beide mein Bestes geben.

Die Tour hat weniger Zeitfahren, dafür mehr Berge. Wie schwer ist die diesjährige Tour aus ihrer Sicht?

Auf jeden Fall schwer. Die drei Alpenpässe habe ich mir ja schon angeschaut, die haben es wirklich in sich. Außergewöhnlich ist in diesem Jahr, dass es vom Start weg richtig zur Sache geht. Die erste Woche wird schon hektisch: Da haben wir eine Etappe, die Lüttich-Bastogne-Lüttich ähnlich ist, dann eine mit Kopfsteinpflaster. Die 1. Etappe könnte schon ordentlich auf die Windkante gehen. Da kann man sich nicht verstecken, sondern man muss topfit sein.

Wo wird die Entscheidung fallen?

Sicher in den Pyrenäen. Die werden noch härter sein, als die Alpen. Aber die Favoriten müssen aufpassen, nicht schon in den ersten Tagen Zeit zu verlieren. Wenn man da auf den Kopfsteinpflastern oder in der Winkante fünf oder zehn Minuten verliert, kann man die später kaum noch aufholen.

Wer gewinnt die Tour und wie schätzen Sie Lance Armstrong ein?

An Alberto Contador führt wohl kein weg vorbei, bei seinen Kletterqualitäten. Und auch im Zeitfahren hat er sich ja stark verbessert. Armstrong hat bisher, sowohl in den Bergen, als auch im Zeitfahren, noch nicht bewiesen, dass er zu den Besten gehört. Aber bei ihm weiß man nie. Er hat ein starkes Team an seiner Seite. Auf Armstrong muss man immer ein Auge haben.

Sie sind schon lange im Profigeschäft dabei, waren aber immer in der Rolle des Helfers, der für die Kapitäne die Arbeit verrichtet hat und nicht im Rampenlicht gestanden hat. Wären sie auch gerne mal der Leader im Team gewesen?

Bei meiner ersten Tour de France bin ich auf dem 24. Platz gelandet. Da fragt man sich schon: „Geht da nicht mehr, vielleicht sogar ein Top-Ten-Platz?“ Dazu ist es aber leider nicht gekommen. Deshalb habe ich mich auf andere Aufgaben konzentriert. Ich helfe lieber den Leuten, die ein Rennen gewinnen können und stärker sind als ich. Es bringt nichts, eigennützig mein Ding zu machen und dann vielleicht einen 25. oder 30. Platz zu belegen Da habe weder ich was davon, noch der Sponsor.

Sie werden im November 35 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch fahren?

Ich fühle mich in meiner Helfer-Rolle sehr wohl. Seit zwei Jahre spüre ich einen  zweiten Frühling, es läuft sogar besser als zuvor. Ans Aufhören denke ich deshalb gerade gar nicht. Zwei, drei Jahre will ich schon noch fahren.

Haben sie denn schon Pläne, was Sie nach ihrer Karriere machen möchten.

Ich will auf jeden Fall im Radsport bleiben, aber konkrete Pläne gibt es da nicht. Das ist vielleicht auch ganz gut so. Solang ich noch Spaß habe und mit den Youngstern mithalten kann, können Gedanken an ein Karriereende auch lähmen. Ich kann mir aber vorstellen, als sportlicher Leiter oder Teammanager zu arbeiten. Ich habe auch noch in Hannover einen Radladen mit zwei Freuden. Da werde ich mich sicher auch stärker engagieren.

Auf ihrer Homepage steht, dass Sie das WM-Fieber gepackt hätte…

Ja auf jeden Fall. Das Spiel der Deutschen gegen England konnte ich leider nicht live sehen, habe mir aber dann mit meinem Sohn die Tore im der Zusammenfassung angeschaut. Die haben schon klasse gespielt. Ich tippe jetzt einfach mal: Deutschland wird Weltmeister!

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