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Armstrong-Team: Radverkäufe für Doping?

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Landis: Für Doping sogar Räder verkauft

03.07.2010, 14:36 Uhr | sid, t-online, sid, t-online.de

Armstrong-Team: Radverkäufe für Doping?. 2004 ein Herz und eine Seele, heute Erzfeinde: Floyd Landis (li.) und Lance Armstrong (Foto: imago)

2004 ein Herz und eine Seele, heute Erzfeinde: Floyd Landis (li.) und Lance Armstrong (Foto: imago)

Rechtzeitig zum Start der 97. Tour de France hat das Thema Doping den Radsport wieder fest im Griff. Der geständige Dopingsünder Floyd Landis hat in einem ausführlichen Interview mit dem "Wall Street Journal" seine Anschuldigungen gegen den siebenmaligen Toursieger Lance Armstrong wiederholt und erstmals detailliert über die Dopingpraktiken im früheren US-Postal-Team ausgesagt. Landis, der bereits im Mai mit seinem Doping-Geständnis für viel Wirbel gesorgt hatte, berichtet in dem Artikel mit dem Titel "Blutsbrüder" über systematisches Doping im früheren Ausnahmerennstall. Epo, Bluttransfusionen und Testosteron seien an der Tagesordnung gewesen.

Armstrong wies die Anschuldigungen umgehend als "falsch" zurück und ergänzte: "Landis' Glaubwürdigkeit ist wie eine Tüte saure Milch. Hat man den ersten Schluck genommen, weiß man, dass der Rest auch schlecht ist." Kein Wunder, dass Armstrong derart gereizt reagierte. Die Anschuldigungen haben es jedenfalls in sich. Dabei berichtet Landis sogar über Nachtclub-Besuche mit Armstrong, über Privatpartys mit Stripperinnen und Kokain.

"Wir haben auf großem Fuß gelebt"

In dem seitenlangen Bericht gibt Landis seinen kompletten Doping-Werdegang zu Papier. 2002 sei er vom damaligen US-Postal- und heutigen RadioShack-Teamchef Johan Bruyneel sowie Armstrong in Sachen Doping eingewiesen worden. Im Tour-Trainingslager in St. Moritz habe er vom Doping-Arzt Michele Ferrari erstmals Blut abgenommen bekommen, das später während der Tour wieder zugeführt wurde. "Es hat Spaß gemacht, mit Lance zu fahren. Wir haben auf großem Fuß gelebt", beschreibt Landis die damalige Zeit.

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In der Folgezeit wurden die Dopingpraktiken perfektioniert. Dabei wurden die Blutbeutel in einem Kühlschrank, der sich im Wandschrank von Armstrongs Apartment im spanischen Girona befand, gelagert. Nachdem der 34 Jahre alte Landis die Tour 2003 wegen einer Hüftoperation verpasste, war er ein Jahr später wieder dabei. Und im Hotel in Saint-Leonard-de-Noblat habe sich am Ruhetag der Tour ein bizarres Bild ergeben.

Löcher abgeklebt, um Kameras unschädlich zu machen

Ein extra gemietetes Zimmer wurde zur Doping-Station umfunktioniert. Rauchmelder wurden abgehangen, Klimaanlagen, Heizungen und alles, was Löcher besaß, abgeklebt, um versteckte Kameras unschädlich gemacht. Danach hätten die Fahrer nacheinander Blut zugeführt bekommen. Landis nennt dabei neben Armstrong auch die Namen des heutigen BMC-Profis George Hincapie und Jose Luis Rubiera. Später seien die Bluttransfusionen auch auf einer Straße in den Bergen im Teambus durchgeführt worden. Drei weitere namentlich nicht genannte Fahrer bestätigten gegenüber dem Wall Street Journal Doping im US-Postal-Team, einer gab auch selbst Doping zu.

Das Geld für die Dopingpraktiken sei dabei auch durch den Verkauf von neuen Rennrädern des Radlieferanten Trek beschafft worden. Während des Rennens Paris-Nizza 2004 brach der Rahmen von Landis' Rad. Auf Nachfrage bei Teamchef Johan Bruyneel soll dieser ihm gesagt haben, es könne nicht ständig neue Räder für alle Fahrer geben. Laut Wall Street Journal habe Landis daraufhin einige Zeit später selbst beim Radhersteller nachgefragt, der ihm im Gespräch versichert habe, es sei genug Material für ungefähr 120 Räder geliefert worden. Nach eigener Rechnung sei Landis darauf gekommen, dass dem Team ungefähr 60 Rennräder fehlten.

20.000 Dollar für ein Armstrong-Rad

David Clinger, ehemaliger Teamkollege von Landis, bestätigte den Verdacht: "Sie verkaufen die Räder online. Wenn Lance das Rad gefahren hat, bekamen sie 10.000 oder 20.000 Dollar dafür." Später soll Bruyneel Landis erklärt haben, das Geld aus den Materialverkäufen sei für die Finanzierung des Dopings bestimmt. Nachdem Landis 2005 zum Phonak-Team gewechselt war, habe er seine Dopingpraktiken selbst organisieren müssen, was zeitaufwendig gewesen sei. Dabei habe er sich mit Levi Leipheimer zusammengetan, der damals für das Team Gerolsteiner fuhr und heute Teamkollege von Armstrong ist. Ein Jahr später sei er dann mit Phonak-Teamchef Andy Rihs, heute bei BMC, übereingekommen, das System professioneller zu betreiben. Rihs und alle weiteren Beschuldigten dementierten die Anschuldigungen oder verweigerten einen Kommentar.

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Tim Herman, Armstrongs Anwalt, wies dies unterdessen zurück. In den USA wird allerdings bereits seit einigen Wochen gegen Armstrong wegen Betrugs und Verschwörung ermittelt. Chefermittler Jeff Novitzky hat sich gar der Sache angenommen. Dabei gibt es Spekulationen, dass sogar Armstrongs Ex-Ehefrau Kristin ausgesagt habe, was der Texaner jüngst dementierte.

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