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Marcel Wüst: "Man fährt, bis es wirklich nicht mehr geht"

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Tour de France 2010  

Wüst: "Man fährt, bis es wirklich nicht mehr geht"

14.07.2010, 14:50 Uhr | Das Gespräch führte Björn Lücker, t-online.de

Marcel Wüst: "Man fährt, bis es wirklich nicht mehr geht". Schmerzhafter Abschied vom Gelben Trikot: Im Ziel der 9. Etappe brachen bei Cadel Evans alle Dämme. (Foto: Roth)

Schmerzhafter Abschied vom Gelben Trikot: Im Ziel der 9. Etappe brachen bei Cadel Evans alle Dämme. (Foto: Roth)

Cadel Evans ist und bleibt der Unglücksrabe im Profiradsport. Den Australier ereilte schon so manches Pech auf großen Rundfahrten – zuletzt auf der achten Etappe bei der diesjährigen Tour de France. Zwar holte er sich das Gelbe Trikot, brach sich aber bei einem Sturz den Ellenbogen. Auf dem neunten Tagesabschnitt quälte er sich unter großen Schmerzen die steilen Anstieg der Alpen hinauf und brach im Ziel in Tränen aus, nachdem er das Gelbe Trikot an Andy Schleck verloren hatte.

t-online.de sprach mit Ex-Weltklassesprinter Marcel Wüst über die Leidensfähigkeit der Profiradsportler bei der Tour de France.

Herr Wüst, was für Schmerzen müssen Radprofis eigentlich aushalten?

Aus medizinischer Sicht war es sicher nicht richtig, dass Cadel Evans trotz gebrochenem Ellenbogen weitergefahren ist. Aber wenn der Sportler es selber will, dann kann ihn niemand aufhalten. Zudem muss man bedenken, dass BMC ein Zweitliga-Team ist und mit einer Wildcard bei der Tour am Start ist. Eine Fahrt in Gelb bringt unheimlich viel Aufmerksamkeit und so ein Gelbes Trikot schmeißt man ja nicht einfach weg. Bei der Tour sieht man immer wieder blutüberströmte Fahrer. Solange die Gesundheit nicht nachhaltig geschädigt wird, wird im Profiradsport weitergefahren, bis es wirklich nicht mehr geht. Darum sind die Jungs ja auch so hart und in die Legenden eingegangen.

Sport 
Andy Schleck in Gelb

Der Luxemburger und sein Rivale Contador profitieren am Madeleine von Evans Einbruch. zum Video

Haben Sie in ihrer Karriere einen vergleichbaren Fall erlebt?

Marcel Wüst (Foto: imago) Marcel Wüst (Foto: imago)Meine Schlüsselbeine waren immer so gebrochen, dass es wirklich nicht mehr weiterging. Aber es gibt immer wieder Geschichten von Fahrern, die trotz größter Schmerzen bei der Tour nicht aufgeben. Jeder erinnert sich an das Bild von Bernard Hinault, der damals in Saint Etienne beim Zielsprint gestürzt war, sich das Nasenbein brach und blutüberströmt ins Ziel fuhr. Am nächsten Tag ist er trotzdem weitergefahren. Oder Tyler Hamilton, der einst mit einem angebrochenen Schlüsselbein die Tour bestritten hatte und am Ende sogar noch Vierter wurde. Ich bin mir auch sicher, dass Jens Voigt nach seinem schlimmen Sturz im vergangenen Jahr weitergemacht hätte, wäre er nicht bewusstlos geworden.

Evans fährt die Tour nun auch weiter. Riskiert er seine Gesundheit?

Das ist schwer zu beantworten. Er soll ja einen punktuellen Bruch im Ellenbogen haben und muss wohl "nur" mit einem verzögerten Heilungsverlauf rechnen. Aber die Tour ist jetzt und er muss schauen, wie lange es gut geht. Ich hatte bei der Tour 2000 am zweiten Ruhetag mal 39 Grad Fieber und es wartete noch eine Etappe den Mont Ventoux hinauf. Mein Teamarzt hatte mir damals verboten, weiterzumachen, weil er Spätfolgen in Form einer Herzmuskelentzündung befürchtete. Für mich war auch klar, dass ich aufhören muss. Schließlich wollte ich damals nicht in zehn Jahren tot über dem Lenker hängen.

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