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Jens Heppner: "Gerdemann und Ciolek passen nicht in unser Team"

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"Gerdemann und Ciolek passen nicht zu uns"

19.07.2010, 15:32 Uhr | Das Gespräch führte Björn Lücker, t-online.de

Jens Heppner: "Gerdemann und Ciolek passen nicht in unser Team". Jens Heppner (re.) und NetApp-Rennfahrer Andreas Schillinger (Foto: Roth)

Jens Heppner (re.) und NetApp-Rennfahrer Andreas Schillinger (Foto: Roth)

Seit dieser Saison ist das neu gegründete NetApp-Team auf Europas Landstraßen unterwegs. Die Ziele sind ehrgeizig gesteckt: 2012 will die deutsche Equipe in der ProTour fahren und bei der Tour de France starten. Im Interview mit t-online.de spricht Sportdirektor Jens Heppner über die bisherige Saison, sein Interesse an Milram-Fahrern und das Abschneiden der deutschen Profis bei der diesjährigen Tour de France.

Herr Heppner, wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?

Wir haben das Team international zusammengewürfelt und viele junge Fahrer in der Mannschaft. Abgesehen von Siegen, hat sich das Team bisher bei vielen Rennen gut präsentiert. Das wir noch nicht so oft auf dem Podium gelandet sind, liegt sicher an der Unerfahrenheit der jungen Rennfahrer. Zudem hatten wir Anfang der Saison mit unserem Kapitän Eric Baumann und später mit Daniel Schorn zwei harte Ausfälle. Beide sind schnelle Männer, die eigentlich den ein oder anderen Sieg einfahren sollten. Das hat uns ein bisschen zurückgeworfen. Das Fazit fällt aber insgesamt positiv aus – darauf können wir aufbauen.

Sie setzten auf Talente und langfristigen Aufbau. Gleichzeitig haben Sie sich das Ziel gesetzt, 2012 die Tour zu fahren. Müssen Sie dafür nicht noch ein oder zwei starke Fahrer verpflichten oder einen Leader holen.

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Was heißt müssen. Bis zur Tour 2012 sind es noch zwei Jahre, wir wollen erstmal unserer Strategie treu bleiben, auf junge Fahrer setzen und mit ihnen eine solide Basis aufbauen. Wenn wir sehen, dass es nicht reicht, können wir auch noch im nächsten Jahr handeln und ein, zwei erfahrene Profis holen. Aber derzeit ist Baumann unser Leader. Er macht das sehr gut. Er hat Erfahrung in vielen ProTour-Rennen gesammelt. Er macht einen guten Job, deshalb stellt sich die Leaderfrage für uns nicht.

Der NetApp-Kader soll im kommenden Jahr von 14 auf 18 Profis aufgestockt werden. Haben Sie schon Fahrer anderer Teams ins Auge gefasst.

Sicher haben wir einige Fahrer auf unserer Wunschliste, Namen werde ich hier keine verraten. Wir warten jetzt die Tour mal ab und bis September soll der Kader dann stehen. Offiziell präsentiert wird dieser dann wie üblich Anfang Januar.

Sie können sich wahrscheinlich die Rosinen rauspicken. Der Markt ist unruhig. Milram steht vor dem Aus und will sich am Mittwoch auf einer Pressekonferenz erklären…

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…das merken wir auch deutlich. Wir haben jeden Tag drei bis fünf Bewerbungen – Tendenz steigend. Soviel ich weiß sind auch Milram-Fahrer dabei. Aber solange nicht klar ist, wie die Zukunft des Rennstalls aussieht, brauchen wir darüber gar nicht zu sprechen. Warten wir ab, was die Pressekonferenz am Mittwoch ergibt.

Sind sie denn an Milram-Fahrern interessiert?

Wenn, dann nur an jungen Fahrern. Klar, ein Gerald Ciolek oder Linus Gerdemann sind tolle Rennfahrer, passen aber nicht in unser Team. Die haben schon einen gewissen Status. Wie gesagt: Wir wollen unseren Weg weitergehen und setzen auf junge Fahrer, die in zwei, drei Jahren auch auf einem Niveau eines Cioleks fahren könnten. Zudem soll unser Team weiter international bleiben mit nur sechs deutschen Fahrern. Und ein paar Deutsche haben wir ja schon. Trotz einiger Abgänge werden wir nur noch ein oder zwei deutsche Profis hinzunehmen. Und das müssen keine Milram-Fahrer sein.

Die Bedingungen für einen Vertrag bei NetApp sind besonders. Die Fahrer müssen in der Teambasis in Kelmis unweit von Aachen wohnen und sich einem knallharten Antidoping-Programm unterziehen. Könnte das potenzielle Neuzugänge abschrecken?

Wir haben schon Gespräche mit Rennfahrern geführt, die ihr Land partout nicht verlassen wollten. Damit hatte sich das Thema erledigt. Doch wenn ein junger Profi nach oben will, sollte er das auf sich nehmen. Wir bleiben jedenfalls bei unserem Konzept. Das hat sich in dieser Saison auch gut bewährt. Die Fahrer lernen sich im Teamhaus erst kennen. Und nicht, wenn sie zu den Rennen kommen und danach in alle Richtungen wieder verschwinden. So können keine Freundschaften entstehen, und das hat Nachteile im Rennen. Wenn die Leute sich nicht kennen, denken sie vielleicht: Wieso soll ich jetzt für den fahren, ich suche lieber meine Chance.

Milram steht vor dem Aus – Sponsoren ziehen sich aus dem Radsport zurück. Vielleicht ist NetApp bald das einzige deutsche ProTour-Team. Ihr Sponsor geht genau den anderen Weg, investiert kräftig in den Radsport. Was steckt hinter der Strategie?

NetApp ist ein weltweit agierendes, großes Unternehmen mit 8000 Mitarbeitern, trotzdem vermittelt das Feeling der Firma etwas Persönliches, Familiäres. Jeder kennt jeden. Europachef Andreas König sieht da Parallelen zum Radsport: Er will ein sympathisches Team und seine Kunden zu den Rennen in Spanien, Holland oder Belgien kommen lassen und zeigen, was NetApp symbolisiert. Das Interesse für den Radsport ist nach wie vor groß, das belegen die Zuschauermassen bei der Tour de France eindrucksvoll. Herr König weiß: Wenn er jetzt investiert, zahlt sich das in der Zukunft aus.

Sie verfolgen mit Sicherheit die diesjährige Tour de France. Was sagen sie zum Abschneiden der deutschen Fahrer, vor allem Tony Martin und Linus Gerdemann?

Tony Martin wird in Zukunft sicher ganz vorne bei der Tour landen, keine Frage, der hat alle Voraussetzungen dafür. Im letzten Jahr ist er ja schon super gefahren. Vielleicht hat er nach seiner Verletzung im Frühjahr zu viel gemacht. Da hätte er mehr Erholung gebraucht. Vielleicht war auch der Druck zu groß. Alle haben ja schon gedacht, er kann in diesem Jahr gewinnen – das war wohl zu viel für den Jungen. Und von Linus Gerdemann hätte ich mir mehr erhofft.

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