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Tour de France: Andy Schleck verliert nach Defekt Gelbes Trikot

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Andy Schleck verliert nach Defekt Gelbes Trikot

19.07.2010, 18:05 Uhr | t-online.de, sid, sid, t-online.de

Tour de France: Andy Schleck verliert nach Defekt Gelbes Trikot. Andy Schleck versucht verzweifelt, seinen Defekt zu reparieren. (Foto: Roth)

Andy Schleck versucht verzweifelt, seinen Defekt zu reparieren. (Foto: Roth)

Drama um Andy Schleck auf der zweiten Pyrenäen-Etappe: Den Spitzenreiter der diesjährigen Tour de France ereilte am letzten Berg des Tages ein technischer Defekt, als ihm die Kette absprang. Sein ärgster Verfolger Alberto Contador ließ jegliches Gefühl für Fairplay vermissen und setzte zu einer linken Attacke an. Schleck versuchte derweil verzweifelt, den Schaden selbst zu reparieren. Sekunde um Sekunde verging, ehe der Luxemburger die Fahrt wieder aufnehmen konnte.

Mit mächtig Wut im Bauch trat Schleck in die Pedale und stürzte sich nach Erreichen des Gipfels auf dem 1755 Meter hohen Port de Bales in die Abfahrt. Danach tobte ein Kampf ums Gelbe Trikot, am Ende kam Schleck mit 39 Sekunden Rückstand auf Contador ins Ziel und und verlor das Maillot Jaune an seinen Rivalen (Gesamtergebnis im Überblick). "Alberto konnte gar nicht anders, als in dem Moment mitzugehen, weil es Denis Mentschow und die anderen auch taten. Alle gaben 100 Prozent", versuchte Contadors Teamkollege Alexander Winokurow die Attacke zu rechtfertigen.

Pfiffe für Contador

Contador, der bei der Siegerehrung von den Fans ausgepfiffen wurde, führt nun in der Gesamtwertung mit acht Sekunden vor Schleck. Olympiasieger Samuel Sanchez ist weiterhin Dritter (+2:00 Minuten) Den Tagessieg holte sich Ausreißer-König Thomas Voeckler. Der für seine langen Fluchten bekannte Franzose gewann als Solist vor dem Italiener Alessandro Ballan und dem Spanier Aitor Perez (Etappenergebnis im Überblick).

Contador: Habe von nichts gewusst

Contador selbst mimte hinterher noch den Ahnungslosen. "Als ich an ihm vorbeigefahren bin, habe ich nicht gewusst, dass er einen Defekt hatte", behauptete der Spanier. "Das habe ich erst später erfahren, doch da war der Vorsprung schon zu groß." Schleck sagte: "Ich weine dem Trikot keine Träne nach. Das Rennen ist noch nicht vorbei." Sein Vater Johny sah die Situation deutlich entspannter, eine Unsportlichkeit von Contador sah der Ex-Profi nicht. "Er hätte nicht warten müssen. Hier macht keiner Geschenke."

"Ich würde Gelb nicht auf diese Weise gewinnen wollen"

Sein Zögling sah die Sache nicht ganz so entspannt. "Ich würde Gelb nicht auf diese Weise gewinnen wollen", sagte Andy Schleck nach der Siegerehrung, bei der er wieder das Weiße Trikot des besten Jungprofis überstreifte. "Nachweinen" will Schleck seinem eigenen Malheur aber nicht, "so etwas passiert". Doch Schleck stellt klar, dass er in einer ähnlichen Situation anders reagiert hätte. "In der Situation hätte ich keinen Vorteil herausgeschlagen. Er bekommt dafür sicher keinen Fairplay-Preis."

Auch Milram-Fahrer Fabian Wegmann zeigte sich wenig begeistert von der Contador-Attacke: "Also ich finde, das geht gar nicht! Alberto hat doch gesehen, dass Andy einen Defekt hatte, das ist einfach unfair. So will er doch nicht die Tour gewinnen?!" (Hier geht's zu Fabian Wegmanns Tour Blog)

Milram zeigt sich

Bis zu Schlecks Pech blieb das angedachte Pyrenäen-Spektakel aus. Schleck und Contador hatten bei einer sommerlichen Bummelfahrt ihr Pokerspiel fortgesetzt und sich belauert. Immerhin zeigte sich das Team Milram durch den Australier Luke Roberts erstmals seit langem wieder in einer Fluchtgruppe.

Voecklers entscheidende Attacke 30 km vor dem Ziel

Frankreichs Liebling Voeckler, der seit seinen zehn Tagen im Gelben Trikot bei der Tour 2004 ein Held der "Grande Nation" ist, setzte die entscheidende Attacke am Port de Bales etwa 30 Kilometer vor dem Ziel. Aus der zehnköpfigen Spitzengruppe machte sich nur Ex-Weltmeister Alessandro Ballan auf die Verfolgung, Milram-Profi Roberts verlor den Anschluss.

Schleck attackiert zuerst

In der Favoritengruppe beschleunigte Schleck knapp fünf Kilometer vor dem letzten Pass des Tages erstmals, eine ernsthafte Attacke setzte der Luxemburger zunächst allerdings nicht. Contador und selbst der sportlich bisher enttäuschende Lance Armstrong hatte zunächst keine Probleme, dass Tempo zu halten. Später musst der Texaner aber wieder abreißen lassen. Erst Schlecks zweiter Angriff saß, nach wenigen Metern folgte der unfreiwillige Stopp.

Gedenken an Casartelli

Nach einer schnellen Anfangsphase hatte sich erst weit nach der ersten Rennstunde die Spitzengruppe gebildet. Die Ausreißer um Roberts und Tagessieger Voeckler passierten nach 105 Kilometern als Erste den Col de Portet-d'Aspet, auf dessen Abfahrt der Italiener Fabio Casartelli am 18. Juli 1995 ums Leben gekommen war.Der Olympiasieger von 1992 war damals Teamkollege von Lance Armstrong. Casartelli war auf der Abfahrt vom Aspet gestürzt und mit dem Kopf gegen einen Grenzstein geprallt. Er trug keinen Helm. An der Westrampe des Berges steht heute ein Gedenkstein für den nur 24 Jahre alt gewordenen Radprofi. Am Montag schmückten viele Blumen das Denkmal.

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