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Dopingfall Contador: Stück Fleisch soll Schuld sein

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Radsport  

Die Schuld liegt nun bei einem Stück Fleisch

01.10.2010, 10:05 Uhr | dpa, sid, sid, dpa

Dopingfall Contador: Stück Fleisch soll Schuld sein. Alberto Contador erklärt die Reise des Filets. (Foto: dpa)

Alberto Contador erklärt die Reise des Filets. (Foto: dpa)

Die Indizien sind belastend, doch der positiv auf Clenbuterol getestete dreifache Tour-de-France-Sieger Alberto Contador fühlt sich weiter als Opfer. Nun soll ein verunreinigtes Stück Fleisch, das von Spanien nach Frankreich gebracht worden ist, die positive Dopingprobe bei der diesjährigen Tour ausgelöst haben (Zum Durchklicken: Die peinlichsten Doping-Ausreden).

So jedenfalls stellt es der Spanier in einer bizarren Erklärung dar. Der damalige Koch des Astana-Teams, Paco Olalla, habe bei der Tour den Anruf eines Freundes aus Spanien erhalten, der sich auf dem Weg nach Frankreich befand.

Fleisch im Mannschaftsbus gegrillt

"Unser Koch bat ihn darum, für die Radsportler gutes Rindfleisch aus Spanien mitzubringen", berichtete Contador. Das im Teamhotel in Pau im Südwesten Frankreichs servierte Fleisch sei von schlechter Qualität gewesen. Der Freund des Kochs stoppte nach eigenen Angaben in der spanischen Grenzstadt Irún vor einer Fleischerei, kaufte Filetsteaks und brachte sie nach Frankreich ins Quartier des Astana-Teams.

"Ich musste das Fleisch in unserem Mannschaftsbus braten, weil ich die Hotelküche nicht benutzen durfte", erinnerte sich der Koch. "In den Unterlagen von Astana muss sich noch die Rechnung der spanischen Fleischerei befinden, denn wir bezahlten nie etwas ohne Quittung."

Experten vermuten Bluttransfusion

Belastende Indizien sprechen aber eine andere Sprache. Wie die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" berichtet, sollen die Wissenschaftler in Köln bei der Analyse von Contadors Dopingprobe auch Spuren von kunststoffähnlichen Resten gefunden haben, wie sie nach Bluttransfusionen häufig zu finden. Diese Rückstände, auch Weichmacher genannt, könnten demnach aus einem Plastikbeutel mit Eigenblut stammen. Dies wäre eine mögliche Erklärung für Contadors positiven Dopingbefund. Dem Spanier könnte demnach kurz vor der Dopingprobe Eigenblut reinfundiert worden sein, in dem sich noch geringe Spuren von Clenbuterol befanden.

Kritik an den Analysemethoden das Kölner WADA-Labor kommt vom Wissenschaftler Dr. Douwe de Boer, der von Contador beauftragt wurde. Der Niederländer bemängelte in seiner Expertise das viel zu empfindliche Testverfahren, da der bei Contador festgestellte Wert von 50 Pikogramm an Clenbuterol 180 Mal unter dem Wert liege, der erst eine Leistungssteigerung ermögliche.

Spanische Fans stehen zu Contador

Derweil stehen die spanischen Radsport-Fans trotz der positiven Dopingprobe weiter hinter Contador. In einer Internet-Umfrage der spanischen Sporttageszeitung "Marca" halten 78,5 Prozent der rund 30.000 Befragten den Madrilenen für unschuldig.

Stichwort Clenbuterol:

Katrin Krabbe hat Clenbuterol zu trauriger Berühmtheit verholfen. 1992 wurde die Sprinterin überführt - Deutschland hatte seinen großen Skandal. Clenbuterol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Sympathomimetika und wird zur Behandlung von Asthma verwendet. Zudem besitzt Clenbuterol eine wehenhemmende Wirkung, die in der Tiermedizin und bei der Kälbermast eingesetzt wird. Zudem kann durch missbräuchliche Anwendung beim Menschen ein leistungssteigernder Effekt erzielt werden. Bei sehr hoher Dosierung hat Clenbuterol eine anabole Wirkung auf die quergestreifte Muskulatur. Dabei werden ständige Muskelabbauprozesse verlangsamt und bei entsprechendem Training und angepasster Ernährung wird ein gegensätzlicher Effekt erzielt - die Muskeln werden auf- statt abgebaut. Zudem gilt es als sicher, dass dem fettabbauenden Effekt von Clenbuterol die Erhöhung der Körpertemperatur um 0,3 bis 0,8 Grad Celsius zu Grunde liegt. Das braune Fettgewebe, was durch die Oxidation von Fettsäuren Wärme produziert, wird angeregt, sodass auch im Ruhezustand mehr Körperfett durch den Stoffwechsel verbrannt wird. Erst in der vergangenen Woche war der deutsche Tischtennisspieler Dimitrij Ovtcharov positiv auf Clenbuterol getestet worden. Der 22-Jährige hatte die positive Probe auf kontaminiertes Fleisch während der China Open zurückgeführt.

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