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Fall Contador: Verband und Profis wie ein Kartell

01.10.2010, 15:58 Uhr | dpa, dpa

Fall Contador: Verband und Profis wie ein Kartell. Kann sich bei der UCI offenbar sicher fühlen: Alberto Contador (Foto: imago)

Kann sich bei der UCI offenbar sicher fühlen: Alberto Contador (Foto: imago)

Der Rad-Weltverband hielt mehrmals schützend die Hand über Lance Armstrong und gab Alberto Contador schon vor über vier Wochen die Verteidigungslinie in seinem Dopingfall vor. Die Vorwürfe der Kungelei sind massiv. Aber Pat McQuaid, als Präsident des Verbandes UCI so etwas wie der Regierungschef der Radsportler, zieht es vor zu schweigen. "Ich bin sehr eingeschränkt in dem, was ich sagen kann, also sage ich nichts", teilte der Ire mit und verwies auf weitere wissenschaftliche Untersuchungen des Falles.

"Wenn die UCI ihm mit dem positiven Bescheid auch die Erklärung dafür mitgeliefert haben soll, wie es Contador selbst erklärte, wäre das untragbar. Ich glaube nicht, dass er um eine Sperre herumkommen wird, die auch die einmalige Marke "Tour de France" massiv beschädigen wird", erklärte der inzwischen in den Schuldienst zurückgekehrte ehemalige Manager des Teams Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer. Durch die Affäre stelle sich "die Existenzfrage des Radsports".

Presse-Echo: "Wir stehen erst am Anfang eines Krimis"

Contador hatte erklärt, in Nordspanien gekauftes und in Südfrankreich im Astana-Mannschafsquartier in Pau zubereitetes Fleisch sei schuld an seiner Clenbuterol-Kontaminierung. Nach spanischen Behörden-Angaben vom Freitag habe es dort schon seit Jahren keine Verunreinigung mit Clenbuterol bei Menschen gegeben. Seit 1999 sei dort auch kein Rind mit Clenbuterol mehr festgestellt worden. Die Sportzeitung "Marca" schrieb von "Steak-Doping" und prophezeite dem Liebling der Sportnation Spanien, er stehe vor "der schwersten Etappe". Die "Gazzetta dello Sport" vermutete: "Wir stehen erst am Anfang eines Krimis".

Bruyneel bietet Hilfe an

Die UCI-Devise - abwarten - ist auch die Linie des Astana-Teams, noch Arbeitgeber des überführten Spaniers. "Wir erwarten weitere Erklärungen von Contador und unterstützen die UCI-Maßnahme, ihn vorerst zu suspendieren", hieß es dazu aus Kasachstan, wo man durch die spektakulären Dopingfälle Alexander Winokurow und Andrej Kascheschkin aus dem Jahr 2007 bestens geschult ist in "Doping- Diplomatie". Contadors ehemaliger Teamchef Johan Bruyneel, seit Jahrzehnten Wegbegleiter Armstrongs, bot dem gebeutelten Spanier seine Hilfe an.

Contador: "Bin bereit, mir beide Hände abzuhacken"

"McQuaid lügt", hatte die ARD behauptet, die den UCI-Chef mit den Erkenntnissen der Contador-Analysen am Firmensitz in Aigle/Schweiz konfrontierte. Er wisse von nichts, teilte er mit, um am folgenden Tag den Fall in einer Presseerklärung zu bestätigen - mit dem Fakt, dass das Ergebnis schon am 24. August vorgelegen hatte. Im französischen TV France 2, jährlich für die Tour-Berichterstattung zuständig, bat Contador mit drastischen Worten, ihm und seiner Theorie zu glauben: "Ich bin bereit, mir beide Hände abzuhacken, um Sie zu überzeugen."

UCI wirkt wie ein Kartell

Schweigt zum Doping-Fall Contador: UCI-Boss Pat McQuaid (Foto: imago) Schweigt zum Doping-Fall Contador: UCI-Boss Pat McQuaid (Foto: imago)Der Fall des dreifachen Tour-de-France-Siegers Contador hat einmal mehr den Verdacht genährt, dass die UCI in seiner Zusammensetzung als Kontrollorgan doch eher weniger taugt. Der Weltverband wirkt wie ein Kartell, dass sich zusammen mit den Fahrern mit allen Mitteln wehrt gegen schlechte Nachrichten, die die Sponsoren weiter vertreiben könnte und dem Image der Problembranche weiter schaden.

Armstrong McQuaids Liebling

Dazu passte auch die Verbandspolitik im Umgang mit McQuaids Liebling-Protagonisten Lance Armstrong. Vor knapp zwei Jahren wurde dem Texaner, gegen den mittlerweile die US-Behörden ermitteln, durch eigenwillige Interpretation der Regeln der erste Comeback-Start in Australien gewährt. Später geriet der UCI-Chef in Erklärungsnot, wann und warum Armstrong den Verband mit einer großzügigen Geld-Spende bedacht hatte.

Sanktionen bleiben aus

Es ist von insgesamt 125.000 Dollar die Rede, die gezahlt wurden, nachdem in nachkontrollierten Armstrong-Proben EPO nachgewiesen worden war. Sanktionen gegen den Seriensieger, der Doping stets bestritt, waren 2005 ausgeblieben.

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