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"El Pais": Deal zwischen UCI und Alberto Contador

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Radsport  

"El Pais": Deal zwischen UCI und Contador

03.10.2010, 15:56 Uhr | sid, sid, dpa

"El Pais": Deal zwischen UCI und Alberto Contador. Alberto Contador und der Radsport-Weltverband sollen getrickst haben. (Foto: imago)

Alberto Contador und der Radsport-Weltverband sollen getrickst haben. (Foto: imago)

Was läuft da zwischen dem Radsport-Weltverband (UCI) und Alberto Contador? Die UCI soll im Dopingfall des dreimaligen Toursiegers bereits Ende August einen faulen Kompromiss ausgehandelt haben. Wie die spanische Zeitung "El Pais" berichtet, hätten sich der Verband und Contador bei einem Treffen kurz nach dem Ergebnis der positiven Dopingprobe auf eine dreimonatige Sperre verständigt. Voraussetzung sei gewesen, dass der Spanier eine vorläufige Sperre akzeptiert.

Dieser Deal würde Contador in keiner Weise treffen, da die Sperre Ende November ausliefe und er seine Saison längst beendet hat. Zugleich wären mit einem entsprechenden Urteil auch die juristischen Hindernisse aus dem Weg geräumt, da Contador in A- und B-Probe positiv gestestet worden war und somit ein Freispruch für die UCI schwer zu vermitteln ist. Abgesehen von weiterem Imageverlust wäre der Schaden für den Spanier also minimal.

Contador war am zweiten Ruhetag der Tour de France (21. Juli) positiv auf Clenbuterol getestet worden. Der Spanier hatte dies auf kontaminiertes Fleisch zurückgeführt und auf die geringe Konzentration des Kälbermastmittels in seiner Urinprobe verwiesen.

UCI-Präsident: "Es wird keinen Fall Contador geben"

Die UCI ist offenbar gewillt, Contador keine Steine in den Weg zu legen. "Es wird keinen Fall Contador geben. In einigen Tagen legen wir die Angelegenheit zu den Akten", soll UCI-Präsident Pat McQuaid am Rande der Straßenrad-Weltmeisterschaften im australischen Geelong zu Vertrauensleuten gesagt und einen Zeitraum von "acht bis zehn Tagen" genannt haben. Ursprünglich sei es geplant gewesen, den Fall diskret zu lösen. Angesprochen auf die gewaltigen Vorwürfe, wird der sonst so gesprächige Ire wortkarg. "Ich werde mich zu Contador nicht mehr äußern", sagte McQuaid und verwies auf das laufende Verfahren.

Trifft die Meldung vom Kuhhandel zu, hätte der Skandal eine neue Qualität erreicht. Zumal die UCI in den letzten Tagen ohnehin ein trauriges Bild abgegeben hatte. Erst wurde der positive Dopingfall über einen Monat geheimgehalten, obwohl die B-Probe ausgewertet war. Dann gab es eine Mitteilung, in der das Kölner WADA-Labor wegen seines ausgefeilten Testverfahrens fast schon getadelt wurde. Und schließlich plaudert Contador auf einer Pressekonferenz munter aus, dass auch die medizinische Kommission der UCI eine Nahrungsmittelverunreinigung für wahrscheinlich halte.

Doch hinter dem scheinbar harmlosen Dopingfall könnte viel mehr stecken. Erst am Freitag hatte die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" davon berichtet, dass die Wissenschaftler in Köln bei der Analyse von Contadors Probe auch Spuren von kunststoffähnlichen Resten gefunden haben, wie sie nach Bluttransfusionen häufig festzustellen sind.

Bereits am 24. August hatte Contador Kenntnis von seiner positiven A- und B-Probe erhalten. Eine Mitteilung an die Öffentlichkeit, wie es sonst üblich ist, war aber ausgeblieben. Erst als die ARD nach eigenen Recherchen Wind von der Angelegenheit bekommen hatte, wurde der Fall in einer Nacht- und Nebelaktion publik gemacht. Einen Tag zuvor soll McQuaid auf ARD-Anfrage noch gesagt haben, er wisse davon nichts.

Contador: "Proben wenn nötig einfrieren"

Um seine Unschuld zu beweisen, will der Madrilene nichts unversucht lassen. Seine Proben "sollten so lange untersucht werden, bis dieser Fall geklärt ist", sagte Contador. "Wenn es nötig ist, meine Urin- oder Blutproben einzufrieren, um diese in fünf Jahren - wenn das Testverfahren weiter perfektioniert ist - noch analysieren zu können, dann autorisiere ich das."

WADA-Chef David Howman warnt davor, trotz der winzigen gefundenen Menge von 50 Picogramm Clenbuterol, den Fall herunterzuspielen. Am Rande der Commonwealth Games in Indien sagte er, eine geringe Menge "bedeutet nicht, dass nicht betrogen wurde".

Contador hatte in einem Interview mit der Sportzeitung "Marca" erklärt, in den vergangenen Wochen habe er ein Ende seiner Karriere erwogen. "Ich habe daran gedacht, mich nie wieder auf ein Rad zu setzen", sagte der 27-Jährige und ergänzte: "Ich bin enttäuscht über die Welt des Radsports."

Vertuschungs-Vorwürfe auch bei Armstrong

Damit gibt es wieder einmal Vertuschungs-Vorwürfe gegen den Verband. Erst im Mai hatte Floyd Landis behauptet, dass Lance Armstrong einst ein finanzielles Abkommen mit dem damaligen UCI-Chef Hein Verbruggen getroffen habe, um den Test verschwinden zu lassen. Daraufhin musste die UCI einräumen, zwei Geldspenden in Höhe von 100.000 und 25.000 Dollar erhalten zu haben.

In Spanien sollen sich inzwischen auch schon die Behörden für den Fall interessieren und Ermittlungen aufgenommen haben. Diese wollen aber lediglich den Ursprung des Fleisches herausfinden, das Contador ins Verderben stürzte. Unterdessen richtete McQuaid nach den vielen spanischen Dopingfällen Kritik an die Iberer: "Die Regierung muss erkennen, dass es ein Doping-Problem in Spanien gibt. Vielleicht 50 Prozent unserer Dopingfälle, exakt weiß ich es nicht, kommen aus Spanien. Und bis jetzt scheint es so, dass der Kampf gegen Doping dort nicht ernst genommen wird." Am Samstag hatte die UCI bekanntgegeben, dass die dreimalige Mountainbike-Weltmeisterin Margarita Fullana aus Spanien positiv auf Epo getestet wurde. Es war nach Contador, dem Vuelta-Zweiten Ezequiel Mosquera und dessen Teamkollegen David Garcia der vierte spanische Dopingfall, der am Rande der Straßen-WM bekannt wurde.

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