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Tour de France: Contador droht Spießrutenlauf

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Contador droht ein Spießrutenlauf

27.06.2011, 15:02 Uhr | dapd

Tour de France: Contador droht Spießrutenlauf. Angriffslustig: Alberto Contador peilt seinen vierten Toursieg an. (Foto: dpa)

Angriffslustig: Alberto Contador peilt seinen vierten Toursieg an. (Foto: dpa)

Alberto Contador war bester Laune. Die Schulterklopfer und Autogrammjäger standen Schlange, dem spanischen Radsportstar gehörte die ganze Aufmerksamkeit. Und diesmal musste der dreimalige Toursieger weder unangenehme Fragen zu seinem schwebenden Dopingverfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS beantworten noch gegen laute Buhrufe und Pfiffe ankämpfen.

Der letzte Härtetest vor der am Samstag beginnenden 98. Tour de France war für den umstrittenen Radstar Balsam fürs Gemüt. Da ließ es sich für Contador auch verschmerzen, dass er mit dem zweiten Platz hinter Jose Joaquin Rojas knapp den Titel bei den spanischen Straßenradmeisterschaften in Castellon hauchdünn verpasste. "Ich bin glücklich, dass meine Beine langsam besser werden. Meine wirkliche Form werden wir bei der Tour sehen", sagte der 28-Jährige.

Mit Feuerzeugen beworfen

Bereits im Zeitfahren am Freitag hatte Contador als Dritter den nationalen Titel verpasst. Ihm wird es egal sein, er will ohnehin ein ganz anderes Trikot, das gelbe wohlgemerkt. Wenn der Madrider am 2. Juli auf der Passage du Gois an der französischen Atlantikküste das Unternehmen "Vierter Toursieg" in Angriff nimmt, wird er aber nicht mit derartigen Beifallsbekundungen wie bei der Generalprobe rechnen können. Vielmehr droht dem kleinen König der Berge ein Spießrutenlauf auf Frankreichs Landstraßen. Bereits beim Giro d'Italia Ende Mai war Contador der Unmut der Fans entgegengeschlagen, sogar mit Feuerzeugen hatten die Tifosi den ungeliebten Spanier beworfen.

63 Prozent gegen Contador-Start

Nicht minder kritisch beäugt wird der Saxo-Bank-Kapitän von den französischen Fans. In einer Radio-Umfrage hatten sich 63 Prozent gegen einen Start Contadors ausgesprochen. Dass er jüngst beim Training in den französischen Alpen von der Polizei ausgebremst worden war, da er im Tunnel ohne Beleuchtung unterwegs war, passt da ins Bild.

Tourchef Christian Prudhomme glaubt nicht, dass sich die Vorfälle aus Italien wiederholen: "Die Rückkehr von Lance Armstrong vor zwei Jahren hat mich mehr beunruhigt. Contador empfinden die Leute eher als angenehm." Wenn er sich da mal nicht täuscht. "Ich kann mir vorstellen, dass es für Alberto auch Buhrufe und nicht immer Sonnenschein gibt", sagte Altmeister Jens Voigt, der in diesem Jahr vielleicht seine letzte Tour de France fährt.

CAS-Prozess beginnt Anfang August

Dass es Contadors Anwälten gelang, den Beginn des Verfahrens vor dem CAS auf Anfang August hinauszuzögern, sorgt bei Tour-Veranstalter ASO wie beim Radsport-Weltverband UCI dennoch für Verärgerung. "Wir haben keine Handhabe. Es ist schwer zu verstehen, dass wir auch ein Jahr später noch keine Antwort haben und wir bis nach der Tour warten müssen", bemängelte Prudhomme.

Bereits am zweiten Ruhetag der letztjährigen Tour waren in Contadors Urin geringe Spuren des muskelbildenden Präparats Clenbuterol gefunden worden. Trotzdem hatte der spanische Radsport-Verband RFEC seinen Vorzeigepedaleur auch auf Drängen von Ministerpräsident Jose Luis Zapatero fast schon erwartungsgemäß freigesprochen. Die UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) schenkten der abenteuerlich anmutenden Geschichte vom kontaminierten Stück Rindfleisch aus Spanien wenig Glauben und legten Einspruch vor dem CAS ein.

Auf Pantanis Spuren

Während die Radsport-Welt auf eine Entscheidung wartet, fährt Contador munter von Sieg zu Sieg. Erst gewann er die Murcia-Rundfahrt, dann triumphierte er in Katalonien und schließlich beherrschte er beim Giro die Konkurrenz nach Belieben. So könnte Contador in diesem Jahr als erster Fahrer nach 13 Jahren das Double aus Tour und Giro gewinnen, dem inzwischen verstorbenen Kletterspezialisten Marco Pantani war dies letztmals geglückt.

"Der Giro war nicht die ideale Vorbereitung, aber ich denke, dass ich schnell in meinen Rhythmus kommen werde", sagt Contador. Davon ist auch Teamchef Bjarne Riis überzeugt, der seinen Schützling auf eine Stufe mit den ganz Großen stellt: "Contador ist der stärkste Fahrer, den ich jemals in meinem Team hatte. Er ist vom gleichen Kaliber wie Merckx, Armstrong, Hinault und Indurain."

Entscheidung vielleicht erst am Grünen Tisch

Beide erwarten ein erneutes Duell mit Andy Schleck. Ganze 39 Sekunden hatte Contador 2010 in der Endabrechnung vor seinem Luxemburger Rivalen gelegen. Die Entscheidung dürfte in diesem Jahr in den Alpen fallen - möglicherweise aber auch am Grünen Tisch.

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