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Doping: Verfahren gegen Lance Armstrong steht bevor

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Armstrongs härteste Tour führt durch Gerichtssäle

28.06.2011, 13:32 Uhr | dapd

Über sein Internet-Sprachrohr Twitter verbreitet Lance Armstrong in diesen Tagen fast nur noch Belanglosigkeiten. Ein Geburtstags-Glückwunsch an seinen früheren Teamkollegen Andreas Klöden gehört da schon zu den interessanteren Mitteilungen. Und das wenige Tage vor dem Start der Tour de France, die der siebenmalige Triumphator in der Vergangenheit doch stets als Bühne für seine Show genutzt hatte. Vermutlich wird er nicht einmal als Zaungast in Frankreich auftauchen.

Der Medienprofi und Machtmensch Armstrong funkt derzeit nur noch auf kurzer Welle. Wohl aus gutem Grund: Als er das letzte Mal laut wurde, hatte er gleich das FBI am Hals. Bei einer Begegnung mit Tyler Hamilton im angesagten Restaurant Cache-Cache im Nobel-Skiort Aspen soll der Texaner einige Schimpftiraden und Drohungen auf seinen früheren Edelhelfer abgefeuert haben.

Hamilton hat ausgepackt

Hintergrund war Hamiltons Auftritt im US-Fernsehen, wo er umfangreich über die angeblichen Dopingpraktiken im früheren US-Postal-Team berichtet und dabei Armstrong keineswegs ausgespart hatte. Die gleiche Version hatte Hamilton auch vor der Grand Jury erzählt und Jeff Novitzky bei dessen akribischen Ermittlungen ein weiteres Mosaiksteinchen geliefert.

Verfahren gegen Armstrong steht bevor

Es wird eng für den einstigen Herrscher des Pelotons, längst hat Armstrong, der im Februar seine Karriere still und heimlich beendet hatte, die Kontrolle verloren. So steht ihm wohl in den nächsten Wochen seine schwerste Tour bevor, die Tour durch die Gerichtssäle.

Belastendes Material erdrückend

Es stellt sich inzwischen nicht mehr die Frage ob, sondern wann Novitzky das Verfahren wegen Betrugs und Verschwörung gegen Armstrong und weitere Verantwortliche des früheren US-Toprennstalls eröffnen wird. Denn was Novitzky, der einst schon Sprint-Königin Marion Jones hinter Gittern gebracht hatte, in den zurückliegenden Monaten an belastendes Material gesammelt hat, dürfte für Armstrong erdrückend sein.

Doping, Bestechung und Steuerhinterziehung

Ausgelöst durch das umfangreiche Geständnis von Floyd Landis hat der Spezialagent aus Kalifornien mehr als ein Jahr lang die zweifelhafte Vergangenheit des 39-Jährigen durchwühlt. Neben Hamilton und Landis sollen zahlreiche Ex-Teamkollegen und Weggefährten Armstrong schwer belastet haben. Bis nach Italien und Frankreich reichten die Untersuchungen von Novitzky - offenbar mit Erfolg. Denn die Liste der Anschuldigungen gegen Armstrong hat ein kaum mehr überschaubares Ausmaß erreicht. Die Palette reicht von gewöhnlichem Doping, Bestechung des Weltverbandes, Steuerhinterziehung bis hin zur Vertuschung von positiven Proben.

Armstrong lässt Frist verstreichen

Armstrongs Reaktion ist stets die gleiche. Er verweist auf über 500 negative Kontrollen in seiner Karriere. Das ganze Verfahren sei eine Verschwendung von Steuergeldern. Doch hatte der Pate des Radsports in der Vergangenheit jeden Angriff auf seine Person stets mit juristischen (Frankie Andreu) oder auch sportlichen Mitteln (Filippo Simeoni) niedergeschlagen, verhält sich der Texaner inzwischen auffällig zurückhaltend. Die Frist für eine Klage gegen Landis haben seine namhaften Anwälte - zuletzt verpflichtete der Texaner auch noch die Top-Juristen John Keker und Elliot Peters - jedenfalls verstreichen lassen.

Nachbeben steht bevor

Das Armstrong-Lager hat genug damit zutun, eine Verteidigungsstrategie vorzubereiten. Vor allem die Aussagen von Hamilton und Landis über vertuschte Positiv-Proben durch die UCI und das renommierte Anti-Doping-Labor in Lausanne wiegen schwer und könnten dem Radsport noch ein heftiges Nachbeben bescheren. Dies hatte Landis bereits vor einem Jahr moniert und die Spende über 125.000 Euro an die UCI als Bestechung deklariert. Immerhin: Die UCI ließ sich die Anschuldigungen nicht gefallen und reichte vor einem ordentlichen Gericht in der Schweiz Klage gegen Landis ein.

UCI lobt Armstrong

Ohnehin rückt der Weltverband keinen Zentimeter vom früheren Ausnahmefahrer ab. Noch im Februar dieses Jahres lobte McQuaid den Amerikaner in höchsten Tönen. Armstrong sei eine globale Ikone gewesen. Der Radsport müsse dankbar sein, so der Ire. Eine durchaus streitbare Ansicht, die immer weniger Protagonisten im Radsport-Zirkus vertreten. Denn wo Armstrong in der Vergangenheit aufgetaucht war, waren Negativ-Schlagzeilen sein ständiger Begleiter. Wie etwa bei seinen letzten Renneinsätzen, der Tour 2010 oder der Tour Down Under im Januar. So verzichtete Armstrong auf eine Abschiedsvorstellung bei der Kalifornien-Rundfahrt und erklärte sein Comeback 2.0 kurzerhand für beendet.

In den nächsten Wochen hatte er ursprünglich eine Stippvisite bei der Tour eingeplant, seinem ältesten Sohn Luke wollte er die Faszination des Rennens nahebringen. Gut möglich, dass er dies nun vor dem heimischen Fernsehgerät machen wird.

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