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Tour de France: Die Favoriten im Check von Experte Marcel Wüst

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Wer gewinnt die Tour? Die Favoriten im Check

18.07.2011, 10:48 Uhr

Tour de France: Die Favoriten im Check von Experte Marcel Wüst. Cadel Evans hat nach Ansicht von Marcel Wüst gute Chancen auf den Gesamtsieg. (Foto: Imago)

Cadel Evans hat nach Ansicht von Marcel Wüst gute Chancen auf den Gesamtsieg. (Foto: Imago)

Von Marcel Wüst

Die Tour de France war bisher vor allem auch eine Tour der schweren Stürze. Das Favoritenfeld dezimierte sich dadurch fast täglich. Vor dem Showdown der Rundfahrt in den Alpen stellt t-online.de-Tour-Experte Marcel Wüst seine Einschätzung der möglichen Tour-Sieger vor.

Thomas Voeckler:

Nach eigenen Aussagen hat er zwar "keine Chance auf den Sieg", doch wenn es jemanden gibt, dem es die Radsport-Fangemeine gönnen würde, dann dem sympathischen Kämpfer. Er wird allerdings auf den langen Alpenetappen seinen Leistungen in den Pyrenäen Tribut zollen müssen. Ob es dann auch moralisch noch reicht, den Rückstand in Grenzen zu halten und eventuell unter die ersten zehn Plätze zu fahren bleibt abzuwarten.

Fränk Schleck:

Durch die taktisch kluge Attacke in Luz Ardiden hat er ein 20-Sekunden-Polster herausfahren können, dass allerdings kaum dem letzten Zeitfahren standhalten wird. Dort ist er im Vergleich zu Evens und eventuell auch Basso auf jeden Fall schwächer - also müssen weitere Angriffe folgen. Ob diese dann für den eigenen Zeitgewinn oder als taktische Variante für einen Konter seines Bruders Andy sein werden, wissen wohl nur die beiden selber.

Cadel Evans:

Er fährt unauffällig, kontrolliert die Situation wo er kann und ist bei gleicher Ausgangsposition vor dem Zeitfahren der logische Tour-Sieger. Allerdings wird Evans die Angriffe auf den Bergankünften kontern und mitgehen müssen und gerade was die Ankunft in Alpe d’Huez angeht steht dahinter ein kleines Fragezeichen. Wird der eher kräftigere Evans den reinen Bergfahrern, die wissen dass sie ihn abschütteln müssen, folgen können? Die Antwort auf diese Frage gibt es erst nächsten Freitag.

Andy Schleck:

Er schien immer den lockersten Eindruck zu machen, wenn es zur Bergankunft nach oben ging, daher die Frage: Warum hat er nicht attackiert? Die Tour ist in diesem Jahr taktisch geprägt und ausgewogen wie nie – daher fehlt ihm physisch vielleicht gar nichts zur Attacke, aber er wartet noch auf den richtigen Zeitpunkt. Die Konstellation mit seinem Bruder macht ihn bei frühen Angriffen am Schlussanstieg zu dem Tour-Favoriten schlechthin, vorausgesetzt diese Entscheidung wird an einer Bergankunft fallen.

Ivan Basso:

Der Italiener ist ein heißer Kandidat für das Podium. Fakt ist, dass er nach einem verkorksten Start in die Saison bei der Tour noch nicht mit Topform angekommen ist. Es hat den Anschein, als würde er immer stärker und bei seiner Erfahrung und Klasse kann er einen Riesencoup landen. Immer darauf bedacht, das Tempo am Berg hochzuhalten, um so die Attacken der Schleck–Brüder zu verhindern, ist er eher ein Fahrer der es gleichmäßig liebt. Sollte er einmal einen kleinen Vorsprung bei einer der Bergankünfte herausgefahren haben, wird es schwer ihn wieder einzuholen. Zeitfahrtechnisch auf Augenhöhe mit Contador und den Schlecks – nur Evans dürfte ihm Probleme bereiten.

Sammy Sanchez:

Anfangs noch mit größerem Rückstand, gewährten ihm die Topfavoriten einen "Freifahrtsschein" auf der ersten Bergankunft, mit dem Resultat, dass er sich wieder unter den Besten der Gesamtwertung etabliert hat. Der Baske hat zwar ein unermüdliches Angreiferherz, allerdings wird ihm das vermutlich nur dann helfen, wenn sich aufgrund einer frühen Attacke von ihm die anderen Topfahrer neutralisieren. Sein Ziel auf das Podium zu kommen ist meiner Ansicht nach das maximal mögliche, es wäre wegen seiner fehlenden Zeitfahrerqualitäten sogar eine Überraschung. Aber gerade die Basken sind für solche Momente immer gut. Dafür bietet sich vor allem die Ankunft in Italien an – als hervorragender Abfahrer kann er dort auf den letzten acht Kilometern etwas starten.

Alberto Contador:

Er ist die große Unbekannte der Tour. Leichtfüßigkeit und Lockerheit hat man bei ihm bisher noch nicht gesehen hat – Leidensmiene und schweren Tritt allerdings sehr wohl. Die Vermutung, dass er nur blufft und erst am Galibier und in Alpe d’Huez die Katze aus dem Sack lässt, scheint mir durchaus wahrscheinlich. Im Augenblick fährt er, auch medial, relativ unbehelligt einfach mit und lässt alle im Dunkeln tappen. Trotz seines noch relativ großen Rückstandes wird er in Paris auf dem Podium stehen, und die Chancen, dass er es bis auf die höchste Stufe schafft sind gar nicht so schlecht.

Damiano Cunego:

Der kleine Kämpfer aus Italien scheint immer am Limit zu fahren, dennoch rettet er sich immer wieder favoritennah ins Ziel. Seine persönliche Zielsetzung wird es eher sein, einen Etappensieg zu landen, denn für das Podium fehlen ihm meiner Ansicht nach die Kraft am Berg und Zeitfahrqualitäten. Beim Heimspiel in Pinerolo wird er aber da sein, und mit seiner für einen kleinen Bergfahrer erstaunlichen Endschnelligkeit hat er dort die besten Chancen auf Blumen und die Etappensiegerküsschen.

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