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Tour de France 2012: Wiggins gegen Evans als ungewöhnliches Duell

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Wiggins gegen Evans - das Duell der Quereinsteiger

29.06.2012, 09:52 Uhr | sid

Tour de France 2012: Wiggins gegen Evans als ungewöhnliches Duell. Noch zu Scherzen aufgelegt: Bradley Wiggins (li.) und Cadel Evans. (Quelle: imago)

Noch zu Scherzen aufgelegt: Bradley Wiggins (li.) und Cadel Evans. (Quelle: imago)

Der eine quälte sich mit Mitte 20 noch querfeldein, der andere Runde um Runde ums Holzoval: Wenn die Top-Favoriten Cadel Evans und Bradley Wiggins am Samstag in Lüttich den Kampf um den Gesamtsieg bei der Tour de France eröffnen (ab 13.55 im Live-Ticker bei t-online.de), ist es auch das Duell der Quer- und Späteinsteiger. Bahnrad-Olympiasieger Wiggins (32) will als erster Brite die "Grand Boucle" gewinnen - ein Jahr nachdem dies dem früheren Mountainbike-Ass Evans (35) als erstem Australier gelungen war.

"Dass ich so hoch als Favorit gehandelt werde, begeistert mich. Ich genieße es, weil dies vielleicht nie mehr der Fall sein wird", sagt Wiggins, der bereits beim Auftaktzeitfahren über 6,4 km als großer Gegenspieler von Weltmeister Tony Martin nach dem Gelben Trikot greifen will. "Die Chance ist da, mit einem Knall zu starten. Sofort die Gesamtführung zu übernehmen, wäre fantastisch", sagt Wiggins, "aber generell ist Cadel für mich der Favorit, der Mann, den es zu schlagen gilt."

Wiggins könnte Geschichte schreiben

Wie man Evans schlägt, weiß der in Belgien geborene Sohn eines australischen Vaters - bei der Tour-Generalprobe Criterium du Dauphine wies er als Gesamtsieger Evans in die Schranken. Und Wiggins' Hunger ist bei weitem noch nicht gestillt, zumal die letzten beiden Tour-Auftritte ein Reinfall waren: Dem starken vierten Platz beim Debüt 2009 folgten eine schwache Rundfahrt (24.) und das Aus wegen eines Schlüsselbeinbruchs im Vorjahr.

Die historische Dimension eines möglichen Toursieges ist Wiggins, der zweimal Olympia-Gold in der Einerverfolgung (2004, 2008) und einmal mit dem britischen Bahnvierer (2004) gewann, bewusst: Während in Stephen Roche 1987 bereits ein Ire das wichtigste Radrennen der Welt gewann, fehlt ein Fahrer aus dem großen Vereinigten Königreich in der Siegerliste. Immerhin: "Wer hätte vor zehn Jahren geglaubt, dass der Weltmeister und der Herausforderer der Tour de France Briten sind", sagt Wiggins, dessen Sky-Teamkollege Mark Cavendish mit dem Regenbogentrikot zur Tour fährt.

"Evans hat gezeigt, wie man die Tour gewinnt"

Wer Wiggins über Evans sprechen hört, der spürt aufrichtigen Respekt. "Privat kenne ich ihn nicht. Aber was ich im Rennen mitbekomme, ist, dass Cadel unglaublich fokussiert und professionell ist. Wie er bei der Tour 2011 von Andy Schleck am Galibier abgehängt worden ist, und sich zum Gipfel gekämpft hat - phänomenal. So hat er uns gezeigt, wie man die Tour gewinnt."

Evans, der 2000 noch in Sydney Olympiasiebter mit dem Mountainbike war und mit 24 ganz auf die Karte Straßenrennen setzte, hat sich erst spät vom "ewigen Zweiten" zu einem solchen Siegertypen entwickelt: Der WM-Titel 2009 und vor allem der Tour-Sieg ließen Kritiker verstummen.

Zum Allrounder entwickelt

Wiggins Wandlung vom Weltklasse-Bahnverfolger zum Spitzenrundfahrer vollendete sich derweil erst in dieser Saison. "Es geht eben nicht darum, bester Kletterer zu sein und dann fünf Minuten im Zeitfahren zu verlieren, oder ein unglaublicher Zeitfahrer, der dann aber nicht klettern kann. Du musst ein großartiger Allrounder sein, so gewinnst du die Tour."

Um acht auf 69 Kilogramm speckte der 1,89-Meter-Schlaks ab, ist nun auch am Berg ein absoluter Topmann, behielt aber seine Zeitfahr-Qualitäten. Beim 53,5 Kilometer langen Zeitfahren der Dauphine nahm er Tony Martin 34 Sekunden ab. Für den ähnlich groß gewachsenen Cottbuser immerhin ein Zeichen, dass auch er den Sprung zum Tour-Favoriten schaffen könnte, ohne sich von seinen Zeitfahr-Ambitionen zu verabschieden.

Evans' Plan muss verdammt gut sein

Evans steht nun in der Pflicht. Über 100 Zeitfahr-Kilometer warten bei der Tour, gerade auf den langen Abschnitten nach Besancon (9. Juli/41,5 km) und am vorletzten Tag nach Chartres (21. Juli/53,5) droht dem Australier Zeitverlust. Fraglich, ob er diesen in den Bergen wettmachen kann. Den stoischen Australier lässt das kalt: "Ich weiß, dass ich gewinnen kann. Mein Team ist stärker als letztes Jahr, die Route gefällt mir. Und wie 2011 komme ich zur Tour mit meinem eigenen Plan, und um mein eigenes Rennen zu fahren." Evans' Plan muss verdammt gut sein, um Wiggins noch einmal in die Schranken zu weisen.

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