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Tour de France: Frank Schleck soll Doping untergeschoben worden sein

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Doping-Verdacht: Frank Schleck erstattet Anzeige gegen Unbekannt

18.07.2012, 12:28 Uhr | sid, dpa

Tour de France: Frank Schleck soll Doping untergeschoben worden sein. Radprofi Frank Schleck steht unter Dopingverdacht. (Quelle: dpa)

Radprofi Frank Schleck steht unter Dopingverdacht. (Quelle: dpa)

Die Tour de France 2012 hat ihren ersten positiven Dopingbefund. Wie der Radsport-Weltverband UCI mitteilte, wurde beim Spitzenfahrer und letztjährigen Gesamtdritten Frank Schleck ein Diuretikum gefunden. Das oft zur Verschleierung von Dopingmitteln eingesetzte Medikament Xipamid steht zwar nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen - dennoch nahm das Team RadioShack den Luxemburger kurz nach Bekanntwerden des Befundes aus dem Rennen.

Schleck und auch sein Bruder Andy reagierten fassungslos auf die Nachricht. Der Luxemburger bestreitet Doping und hat die Öffnung der B-Probe beantragt. Sollte auch diese positiv ausfallen, will er Anzeige gegen Unbekannt wegen Vergiftung stellen. Ihm sei etwas untergeschoben worden, betonte er.

Anzeige gegen Unbekannt erstattet

"Ich bin aus allen Wolken gefallen", wurde Schleck in der Online-Ausgabe der Zeitung "Luxemburger Wort" zitiert. "Bei meinem Leben und bei meiner Familie, bin ich sicher, dass er nichts genommen hat", sagte Andy Schleck, der Tour-Sieger 2010 und jüngere Bruder des Verdächtigten, der Zeitung "Le Parisien".

Teamkollege Jens Voigt hat erschrocken reagiert. "Ich habe dafür überhaupt keine Erklärung", sagte der Routinier in Pau kurz vor dem Start zur 16. Etappe. Er glaube Frank Schleck, aber: "Man kann jetzt nicht so tun, als sei nichts passiert", sagte Voigt, der eng mit Frank und Andy befreundet ist und seit 2004 stets mit ihnen in denselben Teams fuhr. "Das ist kein leichter Moment für mich. Aber Frank ist mein Freund und bleibt mein Freund."

Vier Tage Zeit, die B-Probe öffnen zu lassen

Frank Schleck soll freiwillig auf ein Polizeirevier gegangen sein, möglicherweise um einer Verhaftung zu entgehen. Er wurde auch von Ermittlern der Sonderheit OCLAESP - der in Frankreich auch für Doping zuständigen Behörde für die öffentliche Gesundheit - verhört, wie die französische Nachrichtenagentur AFP meldete. Gegen 23.30 Uhr habe er das Revier verlassen.

Der positive Befund resultierte aus einer Urinprobe Schlecks vom 14. Juli, als das Tour-Peloton nach Cap d'Agde ans Mittelmeer fuhr. Schleck hat vier Tage Zeit, die Öffnung der B-Probe zu verlangen. Mindestens bis dahin gilt er als unschuldig, wie sein Team betonte. Dennoch wurde er unverzüglich aus der Tour genommen, um die Fortführung der Rundfahrt "in Ruhe" zu gewährleisten. Die restlichen Fahrer der Mannschaft, darunter die Deutschen Andreas Klöden und Jens Voigt, sollten heute in Pau wieder am Start stehen.

Zimmer des Teams wurden nicht durchsucht

Am Dienstagabend, dem zweiten Tour-Ruhetag - stattete die Polizei dem RadioShack-Teamhotel in Pau einen Besuch ab. Die Einsatzkräfte blockierten dabei den Eingang zur Herberge, vor dem sich bereits viele Reporter eingefunden hatten. Entgegen erster Meldungen seien die Zimmer von der Polizei aber nicht durchsucht worden.

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Schlecks positiven Befund lieferte das bei Dopern berüchtigte Labor Chatenay-Malabry am Stadtrand von Paris. Dort wurden 1999 auch die positiven und erst sechs Jahre später analysierten EPO-Proben von Tour-Rekordsieger Lance Armstrong untersucht.

Schleck bei Doping-Fahndern kein unbeschriebenes Blatt

Schleck steht nicht zum ersten Mal unter Dopingverdacht. Der Luxemburger musste 2008 nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zugeben, dem spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes Geld überwiesen zu haben. Weil ihm die Luxemburger Anti-Doping-Agentur glaubte, dass er den Skandal-Mediziner nur für Trainingspläne und nicht für Doping bezahlt hatte, wurde er nicht gesperrt.

Schänzer verwundert

Dopingexperte Wilhelm Schänzer ist über den jüngsten Dopingfall bei der Tour de France verwundert. "Ich habe die Meldung mit Unverständnis zur Kenntnis genommen. Ich hatte nicht erwartet, dass ein Sportler noch Diuretika einsetzt, da diese ziemlich leicht nachzuweisen sind", sagte der Leiter des Instituts für Biochemie der Sporthochschule Köln.

Laut Schänzer hat der Fall Schleck negative Auswirkungen auf den gesamten Sport: "Für den Sport ist jeder Dopingfall ein Rückschlag. Dass so etwas dann noch kurz vor den Olympischen Spielen für negative Schagzeilen sorgt, ist besonders bitter und wirft vor allem kein gutes Licht auf den Radsport."

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