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Christopher Froome wird Verdacht nicht los: Parallelen zu Armstrong

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Chris Froome wird den Verdacht nicht los

23.07.2013, 09:39 Uhr | t-online.de

Christopher Froome wird Verdacht nicht los: Parallelen zu Armstrong. Chris Froome beteuert, ein reines Gewissen zu haben. (Quelle: imago/PanoramiC)

Chris Froome beteuert, ein reines Gewissen zu haben. (Quelle: PanoramiC/imago)

Von Johann Schicklinski

Die 100. Tour de France ist Geschichte. Anders als in den vergangenen Jahren ist die Frankreich-Rundfahrt dopingfrei geblieben, Skandale blieben bei der Jubiläums-Auflage aus. Doch rehabilitiert ist der Radsport deshalb noch lange nicht. (Die Ergebnisse der Tour de France im Überblick)

So muss vor allem Christopher Froome, der die Tour auf den Champs Élysées als Sieger beendete, aus zwei Gründen mit Verdächtigungen leben. Zum einen trat der 28-jährige Brite mit den kenianischen Wurzeln in den drei Wochen der Tour so dominant auf, dass viele Beobachter sich an die unseligen Zeiten von Lance Armstrong und Co. erinnert fühlten. Zum anderen weist Froomes Aufstieg frappierende Parallelen zur Vita von Armstrong auf. (Lesen Sie auch: Neues Dopingmittel bei der Tour de France)

Auch Froome erst nach seiner Erkrankung stark

Armstrong überlebte einst eine Hodenkrebserkrankung und gewann danach sieben Mal die Tour. Der Texaner war dabei stets gedopt, wie sich später herausstellte. Auch Froome wurde erst nach einer Pause von anderthalb Jahren wegen einer schwerwiegenden Krankheit so richtig schnell. Der Brite wird immer noch an der Tropenkrankheit Bilharziose behandelt, die er sich als Jugendlicher in Südafrika eingefangen hatte. Vor seiner Pause hatten ihn die Symptome der Infektion noch eingeschränkt, seine Leistungen waren im Profi-Radsport allenfalls Durchschnitt. Doch ab dem Zeitpunkt seiner Rückkehr im Jahr 2011 startete er richtig durch. (Presse: "Froome, absoluter Herrscher der Tour")

"Froomstrong" titelt eine Zeitung

Nach seinem zweiten Platz im letzten Jahr, als er schon als der heimliche Sieger galt, feierte er nun in einer derart überlegene Manier seinen größten Triumph, dass es bei den Beobachtern Erinnerungen an Armstrong weckte. "Froomstrong"  titelte die französische Zeitung "Le Monde". Froome reagiert allergisch auf den Vergleich. So beteuerte er nach seinem famosen Sieg auf dem Mont Ventoux vehement: "Lance Armstrong hat gelogen, aber ich lüge nicht." Seine Ergebnisse würden auch in 10 oder 20 Jahren Bestand haben, behauptet Froome weiter. Dennoch: Bei dem Triumph auf dem "Riesen der Provence" erntete er neben Applaus auch Pfiffe, was ihn schwer getroffen hatte.

Dabei hat Froome sogar Verständnis dafür, dass er dermaßen im Fokus steht. "Es ist komplett verständlich, dass derjenige, der das Gelbe Trikot trägt auf den Prüfstand kommt", hatte Froome gesagt. "Wer immer in diese Position gelangt, wird mit dem Mikroskop untersucht."

PR-Offensive von Sky

Froome und sein Team Sky beteuerten in den drei Wochen der Frankreich-Rundfahrt gebetsmühlenartig, dass die Dominanz allein auf hartem Training und großem Talent basiert. Sky war bereits während der Tour de France in die PR-Offensive gegangen und hatte der "L'Équipe" alle Daten Froomes bei 18 Bergankünften seit der Spanien-Rundfahrt 2011 übermittelt. Veröffentlicht wurden die Daten auf Wunsch des Teams jedoch nicht. Die Verdächtigungen begleiteten Froome allerdings trotzdem.

Experte: "Lückenloses Kontrollsystem gibt es nicht"

"Ich halte die Anschuldigungen gegen Froome für aus der Luft gegriffen. Solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, sind das alles reine Spekulationen“, sagte der Lübecker Physiologie-Professor und Doping-Experte Horst Pagel im Gespräch mit t-online.de. Er glaubt aber nicht, dass die Wettkampfkontrollen in jedem Fall greifen.  "Ein lückenloses Kontrollsystem kann es nicht geben", sagte Pagel.

Die Skeptiker sind jetzt auf die Nachtests der Tour de France gespannt, die bei den Radprofis schon mehr als ein Mal für eine böse Überraschung gesorgt haben. So verursachten sie im Jahr 2008 ein Erdbeben im Profi-Radsport,  als die französische Anti-Doping-Agentur AFLD zur Überraschung der Doper zusätzlich auf die EPO-Variante CERA getestet hatte. Damals hat es auch die beiden Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl erwischt.

In diesem Jahr sitzt die AFLD bei den Dopingkontrollen erstmals seit 2009 wieder mit im Boot. Die Zusammenarbeit mit dem für die Tests zuständigen Weltradsportverband UCI verläuft reibungslos. Man teste gezielt, unter anderem auf CERA und Wachstumshormone, heißt es. Froome gibt sich auch angesichts der Nachtests entspannt. Er habe nichts zu verbergen, sagte er. Weitere News finden Sie in unserem Tour-Blog

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