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Doping-Geständnis von Erik Zabel löst Zweifel am Wahrheitsgehalt aus

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Nach Zabel-Geständnis: Zweifel am Wahrheitsgehalt

30.07.2013, 08:21 Uhr | dpa

Doping-Geständnis von Erik Zabel löst Zweifel am Wahrheitsgehalt aus. Hat Doping-Sünder Erik Zabel nach seiner Beichte bereits die ganze Wahrheit gesagt?  (Quelle: imago/HochZwei/Angerer)

Hat Doping-Sünder Erik Zabel nach seiner Beichte bereits die ganze Wahrheit gesagt? (Quelle: HochZwei/Angerer/imago)

"Kriminelle Szene", "Schandfleck" oder "verseuchtes Jahrzehnt" - das Not-Geständnis von Erik Zabel hat teils heftige Reaktionen ausgelöst. Viele renommierte Experten zweifeln nun den Wahrheitsgehalt der nachgereichten Doping-Beichte an. Zabel gab in der "Süddeutschen Zeitung" an, jahrelang mit EPO, Cortison und Blutdoping betrogen, aber "nie einen strukturierten Dopingplan" und nie "irgendwelche Experten" um sich herum gehabt zu haben.

"Mir fällt es schwer zu glauben, dass dies die ganze Wahrheit sein soll. Die Gesamtgeschichte passt einfach nicht zusammen. Als Wissenschaftler kann ich nur sagen, dieses Doping muss im System passiert sein. Zabel sollte die Hintermänner nennen", sagte der renommierte Pharmakologe Fritz Sörgel.

Anti-Doping-Kämpfer Franke: "Geständnis ist immer noch nicht voll"

Auch Molekularbiologe und Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke ist skeptisch: "Das Geständnis ist immer noch nicht voll. Was so üblich war, hat einmal Jef D'Hont (früherer Telekom-Betreuer) gesagt. Das ist nah an der Wahrheit dran. Es wurden damals auch Wachstumshormone und andere Steroide genommen." Die Radsport-Szene sei "kriminell mit Lug und Betrug bis hin zur Körperverletzung." Zudem frage er sich, warum der Staat diese Machenschaften fördere.

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Glück für Zabel wegen Verjährungsfrist

Stutzig machte zudem die Tatsache, dass Zabel nach eigener Aussage nach 2005 sauber unterwegs gewesen sein soll. Damit drohen ihm aufgrund der achtjährigen Verjährungsfrist zumindest sportrechtlich keine Konsequenzen. Dennoch hatte die Doping-Beichte bereits direkte Konsequenzen für Zabel. Seinen Job als Sportdirektor der Hamburg Cyclassics und des ProRace Berlin ist der ehemalige deutsche Radstar erst einmal los, der TV-Sender ARD prüft zudem rechtliche Schritte. Tour-de-France-Sprintkönig Marcel Kittel forderte sogar eine lebenslange Sperre für sein früheres Vorbild.

Verbandspräsident Scharping bewegt sich auf dünnem Eis

Wesentlich zurückhaltender äußerte sich Verbandsboss Rudolf Scharping - aus gutem Grund. Er wertete die Aussagen als weiteren "traurigen Beleg" für das "verseuchte Jahrzehnt" im Radsport, hatte aber auch lobende Worte für seinen langjährigen Intimus übrig: "Dass Erik Zabel reinen Tisch gemacht ist, ist zu begrüßen".

Der frühere SPD-Kanzlerkandidat bewegt sich auf dünnem Eis. Schließlich pflegte er lange Zeit ein freundschaftliches Verhältnis zu Zabel, während er mit Jan Ullrich stets hart ins Gericht ging. 2007 drückte er nur wenige Monate nach Zabels erstem Geständnis trotz großer Kritik innerhalb des BDR dessen Nominierung für die WM in Stuttgart durch. "Vor der WM in Stuttgart hatte es wegen Zabel eine Krise im Präsidium gegeben, die mit einer Kampfabstimmung pro Zabel endete", sagte der frühere BDR-Vizepräsident Dieter Kühnle.

Scharping, "der Kumpel von Zabel"

Scharping musste wieder einmal unangenehme Fragen beantworten. Für die turnusgemäße Präsidiumssitzung des BDR wurde ein Eilantrag gestellt, die Geschehnisse von damals auf die Tagesordnung zu nehmen. "Scharping war nie tragbar. Das war der Kumpel von Zabel", sagte Franke. Es sei damals schon absehbar gewesen, dass im Team Telekom flächendeckend gedopt wurde, ergänzte Kühnle.

Jener war seinerzeit aus Protest zurückgetreten. "Trotz des damaligen Teilgeständnisses von Zabel hielt Scharping an seinen Plänen fest, Zabel mittelfristig als Sportdirektor im BDR aufbauen und nach dessen Karriereende dort auch installieren zu wollen." Nur aufgrund der vielen Verpflichtungen des früheren Aushängeschilds sei der Plan verworfen worden.

Zabel als EPO-Sünder entlarvt

Zabel hatte in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" jahrelanges Doping eingestanden, nachdem er bei seinem ersten Geständnis 2007 noch ausgesagt hatte, nur 1996 für eine Woche EPO genommen zu haben. Der Bericht des französischen Senats hatte Zabel aber in der vergangenen Woche als EPO-Sünder 1998 entlarvt.

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