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Tour de France 2014: Vincenzo Nibali besteigt den Rad-Olymp

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"Der Herr der Tour"  

Nibali besteigt den Rad-Olymp

28.07.2014, 08:06 Uhr | sid

Tour de France 2014: Vincenzo Nibali besteigt den Rad-Olymp. Vincenzo Nibali trägt sich als Sieger der 101. Tour de France in die Geschichtsbücher ein. (Quelle: Reuters)

Vincenzo Nibali trägt sich als Sieger der 101. Tour de France in die Geschichtsbücher ein. (Quelle: Reuters)

Als ganz Italien Marco Pantani am Ende seiner Glanzzeit noch zu Füßen lag, ging Vincenzo Nibali das vielleicht größte Wagnis seines Lebens ein. Mit nur 15 Jahren ließ der Teenager aus Messina alles hinter sich - Elternhaus, Freunde, Sizilien. Sein Ziel lautete Toskana, dort trainierte er für seinen Traum vom Leben als Radprofi. Spätestens seit Sonntag hat sich sein Mut endgültig ausgezahlt, ganz Italien liegt nun Vincenzo Nibali zu Füßen. Mit seinem Sieg bei der 101. Tour de France hat sich der 29-Jährige unsterblich gemacht.

"Es ist ein toller Augenblick. Hier auf dem Podium zu stehen, ist schöner als ich es mir vorgestellt habe. Ich habe davon lange geträumt. Ich möchte meinen Teamkollegen danken", sagte Nibali, der seine Worte auf dem Podest von einem Zettel ablas. Als dann die italienische Nationalhymne erklang, bekam der sichtlich bewegte Nibali feuchte Augen.

Nibali steigt in den Rad-Olymp auf

Als erster Italiener seit Pantani 1998 hat er das wichtigste Radrennen der Welt gewonnen. Gewohnt überschwänglich überboten sich die heimischen Medien bei der Umschreibung von Nibalis Triumphzug. "Die Tour krönt ihn zum neuen Sonnenkönig. 16 Jahre nach Marco Pantani hat der italienische Radsport seinen neuen Helden", kommentierte die römische Tageszeitung "La Repubblica". Der "Corriere dello Sport" ernannte Nibali zum "Herrn der Tour", nach Ansicht der "Gazzetta dello Sport" hielt er ganz Paris in seinen Händen.

Ganz so weit reichte Nibalis Erfolg dann doch nicht, immerhin bekam er aber auf den Champs Élysées am Abend im Rahmen einer großen Show das Gelbe Trikot des Gesamtsiegers überreicht. Es ist sein erster Sieg bei der Großen Schleife, aber nicht sein erster Erfolg bei einer der großen Landesrundfahrten. 2010 gewann Nibali die Spanien-Rundfahrt, im Vorjahr triumphierte er beim Heimrennen Giro d'Italia. Vor Nibali war dieses Kunststück nur fünf Fahrern gelungen. Der 29-Jährige ist in den Rad-Olymp aufgestiegen.

"Hai von Messina" auf jedem Terrain überlegen

Zu verdanken hat Nibali, der "Hai von Messina", dies seiner Vielseitigkeit in den vergangenen drei Wochen. Nibali nutzte alle Winkel des anspruchsvollen Kurses der 101. Ausgabe, um seinen Gegnern Zeit abzunehmen. Er beschränkte sich nicht auf das Hochgebirge. Bereits auf der zweiten Etappe nach Sheffield attackierte der Sizilianer kurz dem Ziel. Immerhin zwei Sekunden machte er auf die Konkurrenten gut, es reichte, um sich erstmals das "Maillot jaune" überzustreifen. Am Ende trug Nibali es bei 18 von 21 Etappen.

Meisterlich war sein Auftritt auf den Roubaix-Abschnitten der fünften Etappe, als außer ihm alle Top-Favoriten ins Straucheln gerieten. In den Alpen und den Pyrenäen war gegen ihn nicht anzukommen, Nibali war auf jedem Terrain überlegen. "Ich bin nicht über sieben Minuten vorne, weil ich an einem Tag überragend war. Ich habe meine Sekunden die ganze Zeit über gesammelt", sagte Familienmensch Nibali, der jeden Abend mit seiner Frau telefonierte.

Dopingverdacht schwingt mit

Am Ende betrug der Vorsprung auf den zweitplatzierten Jean-Christophe Péraud (Frankreich/AG2R) 7:37 Minuten. Selbst Dopingsünder Lance Armstrong, charakterlich ein Gegenentwurf zum zurückhaltenden Nibali, vermochte bei seinen aberkannten sieben Tour-Titeln nie mit einem solch großen Polster zu gewinnen.

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Wie bei jedem Tour-Sieger schwingt auch beim Italiener der Dopingverdacht mit. Die Zweifel an ihm entstammen vorwiegend dem schlecht beleumundeten Umfeld. Astana-Sportdirektor Giuseppe Martinelli, Teamkollege Michele Scarponi und nicht zuletzt Generalmanager Alexander Winokurow. Es gibt eine Reihe von Mitgliedern der Entourage, die am miserablen Image des Radsports ihren Anteil haben.

"Ich habe viel geopfert"

Nach dem Zeitfahren am Samstag, als Nibali mit Platz vier seinen Sieg endgültig perfekt machte, wollte er keine Zweifel an seiner Ehrlichkeit aufkommen lassen. "Meine Proben können gerne aufgehoben werden. Ja, dazu bin ich bereit", versprach Nibali: "Wenn es die ganzen Kontrollen nicht geben würde, würde ich vielleicht nicht hier sitzen."

Eine Antwort, die Nibali schuldig bleiben muss, ist die nach Christopher Froome und Alberto Contador. Hätte er die beiden ausgeschiedenen Top-Favoriten ebenfalls im Griff gehabt? Nibali kann nur sagen, dass ihn die Siege beim Giro und der Vuelta perfekt auf seine Rolle bei der Tour eingestimmt haben. "Dort habe ich die Erfahrung gesammelt, dort habe ich schon mit dem Druck des Führenden umgehen müssen", sagte Nibali.

Nicht zuletzt hat auch sein Wagnis als Teenager, die Flucht aus Sizilien, einen Anteil an den Erfolgen: "Ich habe viel geopfert." Es sollte sich auszahlen.

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