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Tour de France 2015: Tony Martin holt Gelbes Trikot mit Leih-Rad

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Mit Leih-Rad  

Doppelschlag! Martin fährt zu Sieg und Gelb

07.07.2015, 17:55 Uhr | sid, dpa

Tour de France 2015: Tony Martin holt Gelbes Trikot mit Leih-Rad. Siegerfaust: Tony Martin ist der große Gewinner der vierten Tour-Etappe. (Quelle: dpa)

Siegerfaust: Tony Martin ist der große Gewinner der vierten Tour-Etappe. (Quelle: dpa)

Das war überragend: Tony Martin ballte vor lauter Freude immer wieder die Faust und konnte sein Glück kaum fassen. Ausgerechnet in der "Hölle des Nordens" ist für den Pechvogel der ersten Renntage der sehnlichste Traum bei der Tour de France in Erfüllung gegangen. Der 30-Jährige holte auf der vierten Etappe zum Doppelschlag aus und eroberte mit einem famosen Solosieg doch noch das erste Gelbe Trikot seiner Karriere.

Martin fuhr nach einer Attacke 3,3 Kilometer vor dem Ziel zum Sieg und löste damit den bisherigen Spitzenreiter Christopher Froome an der Spitze der Gesamtwertung ab. Bemerkenswert dabei: Auf der Fahrt über das berüchtigte Kopfsteinpflaster von Nordfrankreich hatte er einen Defekt und setzte die Fahrt mit dem Rad seines Teamkollegen Matteo Trentin fort. Mit Erfolg!

"Ich bin so glücklich. Das ist mein schönster Tag bei der Tour de France. Ein unglaubliches Gefühl", sagte Martin,

Degenkolb sorgt für deutschen Doppelsieg

John Degenkolb, der im Frühjahr mit seinem Sieg bei Paris-Roubaix auf gleichem Terrain Radsport-Geschichte geschrieben hatte, sicherte sich nach 223,5 Kilometern von Seraing nach Cambrai im Sprint vor dem Slowaken Peter Sagan den zweiten Platz und machte damit den deutschen Doppelerfolg perfekt.

Mann des Tages aber war Martin. Hinter der Ziellinie ließ sich der 30-Jährige überglücklich zu Boden fallen. Seine Teamkollegen waren als erste Gratulanten zur Stelle. Sogar der in Zivil erschienene Ex-Weltmeister Tom Boonen eilte zur kleinen Feier des Etixx-Quick-Step-Teams herbei. "Das war alles oder nichts, ich habe alles auf eine Karte gesetzt. Das ganze Pech der letzten Tage hat sich heute in Glück gewandelt", sagte Martin in der ARD.

Reifenschaden 19 Kilometer vor dem Ziel

Es wurde "Alles" und es war ein Sieg des Willens von Martin, nicht einmal von einem Reifenschaden 19 Kilometer vor dem Ziel ließ er sich aufhalten. Noch am Vortag hatte Froome dem Deutschen um die Winzigkeit von sieben Hundertstelsekunden die Spitzenposition entrissen. Martin ist der fünfzehnte Deutsche, der in der 112-jährigen Geschichte der Rundfahrt das begehrte Gelbe Trikot holte.

Auf dem Weg nach Nordfrankreich ging es auf den letzten sechs von sieben Kopfsteinpflaster-Sektoren mächtig zur Sache. Das Astana-Team um Vorjahressieger Vincenzo Nibali schlug ein Wahnsinns-Tempo an, doch seine Rivalen im Kampf um den Gesamtsieg waren allesamt auf der Hut. Sogar der kolumbianische Kletterspezialist Nairo Quintana, dem ein schwerer Tag prophezeit worden war, und Alberto Contador ließen sich nicht abschütteln.

Martin hält Wort

So hatte sich am Ende der insgesamt 13,3 Kilometer langen Kopfsteinpflaster-Passagen eine gut 25 Mann starke Spitzengruppe gebildet, aus der Martin schließlich attackierte. Und diesmal stoppte ihn keiner.

Martin war an den ersten drei Tagen der 102. Tour zur tragischen Figur geworden. Am ersten Tag hatte er das Gelbe Trikot um fünf Sekunden verfehlt. In Zeeland missglückte sein Coup nur, weil Fabian Cancellara Zeitgutschriften gesammelt hatte. Und am Montag trennte Martin an der "Mur von Huy" nicht einmal eine Sekunde von der Spitze. Froome war 0,93 Sekunden hinter Tagessieger Joaquin Rodriguez geblieben, wodurch er gerade noch mit der gleichen Zeit gestoppt worden war.

"Ich habe mich an das Gelbe herangepirscht. Die logische Konsequenz ist, dass ich es jetzt auch übernehme", hatte Martin schon vor dem Start neue Angriffslust gezeigt und Wort gehalten. 

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Bremsen verkehrt

Martin bewies bei seiner Siegesfahrt besondere Improvisationskunst. Denn er musste auf den letzten 19 Kilometern mit dem Rad seines Teamkollegen Trentin fahren. Das Problem: Der Italiener hat die Hebel am Lenker für Vorder- und Hinterradbremse genau umgekehrt montiert als der Deutsche, der sagte: "Ich musste höllisch aufpassen".

"Tony musste ständig drüber nachdenken, wo er bremsen muss, um nicht über den Lenker zu fliegen. Große Klasse das hinzubekommen", meinte sein Technischer Manager Rolf Aldag, selbst ein alter Tour-Haudegen.

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