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Olympia 2016: Debakel für Radprofi Tony Martin

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"Nicht ins Rennen gekommen"  

Tony Martin erlebt Debakel im Zeitfahren

10.08.2016, 18:45 Uhr | t-online.de

Olympia 2016: Debakel für Radprofi Tony Martin . Das war nichts: Tony Martin erwischte einen gebrauchten Tag.  (Quelle: Reuters)

Das war nichts: Tony Martin erwischte einen gebrauchten Tag. (Quelle: Reuters)

Aus Rio de Janeiro berichtet Johann Schicklinski

In Rio de Janeiro herrschte ein dem brasilianischen Winter angemessenes Wetter: 26 Grad, grauer Himmel, ab und zu ließ sich die Sonne blicken, dazu ein leichtes Lüftchen. In Barra de Tijuca allerdings, wo das olympische Einzelzeitfahren der Frauen und der Männer stattfand, sah die Welt schon anders aus. Dort war der Himmel tiefschwarz, es regnete immer wieder heftig, zudem herrschte eine steife Brise.

Keine idealen Bedingungen also für die Radfahrer, die neben der Uhr auch mit den äußeren Umständen zu kämpfen hatten. Die deutschen Fahrer taten sich damit sehr schwer. 

Bei den Damen enttäuschten Lisa Brennauer als Achte und Trixi Worrack als 16., bei den Herren erlebte Tony Martin als schwacher Zwölfter sogar ein Debakel. Damit bleibt der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nach vier Wettbewerben ohne Podestplatz. Bereits bei den Straßenrennen war der BDR leer ausgegangen.

Riesiger Rückstand auf Cancellara

Martin, dessen große Stärke das Zeitfahren ist, fand nie in seinen Rhythmus. "Ich bin nicht richtig ins Rennen gekommen", gestand er im Zielbereich enttäuscht ein. Gegenüber der ARD gab er zu Protokoll: "Das ist nicht das gewohnte Zeitfahrbild von mir, das ich kenne." 

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Spätestens bei der zweiten Zwischenzeit war klar, dass er an seine durchwachsene Form bei der Tour der France anknüpfen und mit der Medaillenvergabe nichts zu tun haben würde. Martin brauchte am Ende 1:15,33 Stunden für die 54,56 Kilometer und hatte damit 3:18,33 Minuten Rückstand auf Sieger Fabian Cancellara aus der Schweiz. Im Zeitfahren eine Welt.

Silber ging an Tom Dumoulin aus den Niederlanden, Tour-Sieger Christopher Froome aus Großbritannien sicherte sich den letzten Podestplatz. Simon Geschke als zweiter BDR-Fahrer konnte als 13. zufrieden sein.

Martin, in London 2012 Silbermedaillengewinner, hatte im Vorfeld des Rennens die Bronzemedaille als Ziel ausgegeben. Für den dreimaligen Zeitfahrweltmeister war es dann aber ein komplett verkorkstes Rennen. Schon das schwierige Profil war nicht auf seine Stärke als "Tempobolzer" ausgelegt. Jeweils zwei Mal mussten die Fahrer die Anstiege Grumari und Grota Funda hoch. Schon an den beiden ersten Steigungen büßte Martin wertvolle Zeit ein und es war klar, dass es nicht zum Treppchen reichen würde.

"Wer weiß, was in vier Jahren ist"

Auch wenn Martin im Ziel bitter enttäuscht war - seinen Kindheitstraum vom Olympiasieg will er nicht aufgeben. "Wer weiß, was in vier Jahren ist", sagte der 31-Jährige im Hinblick auf Olympia in Tokio 2020. "Dann warte ich eben so lange. Und vielleicht gibt es dann dort nicht so viele Berge."

Bei den Damen fuhren die deutschen Fahrerinnen ebenfalls nicht um den Sieg mit. Die US-Amerikanerin Kristin Armstrong triumphierte nach Peking und London zum dritten Mal in Serie, Silber ging an die Russin Olga Zabelinskaja. Platz drei sicherte sich Anna Van Der Breggen aus den Niederlande.

Brennauer hadert mit ihrer Leistung

Ex-Weltmeisterin Brennauer, die zum erweiterten Favoritenkreis gezählt und auf eine Medaille gehofft hatte, wies im Ziel 56 Sekunden Rückstand auf die 42-jährige Armstrong auf.

"Ich bin natürlich enttäuscht. Unterwegs habe ich mich gut gefühlt und gedacht, das muss ein Toprennen sein. Ich weiß nicht, wo ich die Zeit verloren habe und muss das jetzt in Ruhe analysieren", sagte sie: "Es war eine schwere Strecke. Die vielen Anstiege und Rhythmuswechsel haben Zeit gekostet."

Worrack geht kein Risiko ein

Die deutsche Meisterin Worrack hatte sogar 2:26 Minuten Rückstand, sie landete auf Platz 16. "Es war sehr schwer, viel Regen, viel Wind. Ganz andere Bedingungen als in den letzten Tagen. Die Fahrer, die Chancen aufs Podium haben, nehmen Risiko. Ich nicht", sagte Worrack im Zielbereich.

Sie darf sich trotzdem als Siegerin fühlen, schließlich hatte sie im März bei einem schlimmen Sturz in Italien eine Niere verloren. Unter diesen Umständen überhaupt teilgenommen zu haben, ist aller Ehren wert.

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