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Mit Tempo und Leidenschaft ins fünfte Jahrzehnt

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Boris Becker wird 40  

Mit Tempo und Leidenschaft ins fünfte Jahrzehnt

21.11.2007, 13:30 Uhr | dpa

Boris Becker (Foto: imago)Boris Becker (Foto: imago) Seine "persönliche Mondlandung" flimmert dieser Tage wieder häufiger über die Bildschirme. Und noch immer läuft ihm dabei ein kalter Schauer über den Rücken. Aber mehr noch muss Boris Becker in diesen Momenten darüber "schmunzeln, wie ich mich verändert habe". Aus dem rotblonden Jüngling ist längst ein vielbeschäftigter Geschäftsmann und stolzer Vater dreier Kinder geworden, der trotz reichlich Tiefschlägen nie aufgegeben hat und inzwischen selbst von Alice Schwarzer als "toller Mann" bezeichnet wird. Heute feiert der "17-jährigste Leimener", der am 7. Juli 1985 mit seinem ersten Wimbledonsieg das deutsche Tennis wach geküsst hat, seinen 40. Geburtstag. "Mit dem Wimbledonsieg ist man natürlich gebrandmarkt fürs Leben", erklärt Becker. Die kritischen Blicke der Öffentlichkeit haben ihn seitdem nicht mehr losgelassen. Kein Schritt blieb unbeobachtet; kein Wort, das nicht auf die Goldwaage gelegt wurde. Erst jetzt, wo "ich fünf Jahre in der Schweiz lebe, hat sich vieles beruhigt".

Foto-Show Beckers Karriere in Bildern
Foto-Show Boris Becker - Vom Tennisstar zum Familienvater

Zu wenig Zeit für die Familie

Das rastlose Reisen kreuz und quer durch die Welt hat sich freilich noch immer nicht geändert. "Es ist mittlerweile so, dass ich liebend gerne weniger reisen würde; dass es zunehmend richtig nervt", sagt Becker. Wie schön fände er es, wenn die Familie mehr bei ihm sein könnte. Doch die Realität ist anders: Die Söhne Noah Gabriel (13 Jahre) und Elias Balthasar (8) leben bei seiner geschiedenen Frau Barbara in Florida, Tochter Anna (7) in London. Das erhoffte Sorgerecht für sie hat Becker zwar noch nicht erstritten, doch "der Richter hat gesagt, dass es regelmäßig Kontakt vom Vater zu der Tochter geben wird".



Ein schlechtes Gewissen

Kinder sind der Mittelpunkt in Beckers Leben. "Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es war, keine Kinder zu haben", sagt der Globetrotter, der auch als Chairman der "Laureus Sport for Good Foundation" Projekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche begleitet. Ein bisschen schuldig fühlt sich der geschiedene Mann mit einer unehelichen Tochter schon, weil er seinen Kindern nicht die perfekte Familie bieten kann. "Absolut", gesteht er, "ein schlechtes Gewissen spielt auch eine Rolle. Das ist keine Frage und kein Geheimnis."

Beckers Eltern-Ratgeber

Viel Hohn und Spott musste er einstecken. Auch deshalb hat sich Becker in den vergangenen Monaten hingesetzt und mit der Hilfe von Experten eine Art Eltern-Ratgeber mit dem Titel "Was Kinder stark macht" verfasst. "Das Buch ist nicht nur ein Ratgeber, es hat auch biografische Züge. Viele, die keinen wirklichen Einblick in mein Leben haben, meinen, sich dennoch ein Urteil über meine Familie und mich bilden zu müssen. Da wollte ich es mir nach sieben Jahren nicht nehmen lassen, mich selbst zu äußern."

Eindrucksvolle Erfolgsbilanz

Was auf den Tennisplätzen dieser Welt los war, ist Sportgeschichte. 49 Turniere und den Daviscup hat Becker gewonnen - vor allem aber drei Mal in Wimbledon. Auch als Daviscup-Teamchef, Mentor des Mercedes Junior-Teams und Chairman des Rothenbaum-Turniers in Hamburg hatte er in der Tennis-Szene Erfolg. "Vielleicht mache ich so was mit 50 noch einmal. Die Messe ist ja noch nicht gelesen."

Vielfältige Projekte

Sporadische Auftritte mit den Tennis-Senioren veranstaltet der Wahl-Schweizer heutzutage sogar selbst - wie etwa in der Woche vor Weihnachten in Düsseldorf. In Bahrain baut Becker gerade eine kleine Akademie, das "Boris Becker Tennis-Programm", auf. Dass ihn das Geschehen im Weißen Sport nach wie vor interessiert und er auch Auswüchse wie Wettskandal, Doping und angebliche Giftanschläge genau verfolgt, versteht sich von selbst. "Wir haben uns in Deutschland darüber beschwert, nichts mehr über den Tennissport zu lesen. Jetzt tun wir das - leider aus den falschen Gründen."

"Ich bin dankbar"

Doch Beckers Sicht ist mehr und mehr die eines Außenstehenden. Denn mit dem Dasein eines Tennisprofis hat er längst abgeschlossen. "Ich bin dankbar, dass ich diesen Beruf habe ausüben dürfen. Ich bin aber genauso dankbar, dass ich es heute nicht mehr tun muss. Alles zu seiner Zeit." Den Elan von damals freilich will er sich auch im fünften Lebensjahrzehnt bewahren. "Ich wäre froh, wenn ich im gleichen Tempo und mit der gleichen Freude und Leidenschaft alles bis 50 noch so weiter machen könnte. Ich will jetzt nicht anfangen nachzulassen oder zu schwächeln. Ich hoffe aber, mehr Zeit mit meinen eigenen Kindern verbringen zu können." So wie heute, wenn er "mit der Familie und 50 Freunden in London feiern" wird.

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