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Niki Pilic: "Deutsche werden bei Australian Open keine große Rolle spielen"

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Pilic: "In Deutschland ist kein Talent in Sicht"

16.01.2011, 15:00 Uhr | t-online.de, t-online.de

Niki Pilic: "Deutsche werden bei Australian Open keine große Rolle spielen". Deutschlands Nummer eins wird es schwer haben bei den Australian Open: Philipp Kohlschreiber. (Foto: imago)

Deutschlands Nummer eins wird es schwer haben bei den Australian Open: Philipp Kohlschreiber. (Foto: imago)

Das Interview führte Nils Tittizer

Noch vor ein paar Wochen schaffte Niki Pilic die Sensation und gewann mit Serbien den Davis Cup. Dieser Erfolg verschaffte dem ehemaligen Teamchef der deutschen Davis-Cup-Mannschaft und Trainer von Boris Becker und Michael Stich einen Eintrag in die Tennis-Geschichtsbücher. Denn bis heute ist der 71-jährige Kroate der einzige Betreuer, der bereits fünfmal die Mannschafts-Trophäe gewann, mit drei Nationen. Darunter dreimal mit Deutschland und jeweils einmal mit Kroatien und zuletzt Serbien.

Im Interview mit t-online.de spricht die Tennislegende über seine Favoriten bei den Australian Open, die Chance der deutschen Spieler und bemängelt die Inkonsequenz der Organisatoren. Zudem spricht er über die Gewalt bei dem Turnier in Melbourne.

t-online.de: Herr Pilic, Anfang der Siebziger traten Sie selbst bei den Australian Open an und kamen 1970 in die dritte Runde – damals noch auf Gras. Welche Erinnerungen haben Sie an dieses Turnier?

Niki Pilic: Damals wurde noch im Kooyong-Stadion in Melbourne gespielt. Der Unterschied zwischen damals und heute ist wie Tag und Nacht. Die Australian Open waren schon immer ein sehr mächtiges Turnier. Damals war das Zuschauerinteresse auch schon groß, aber kein Vergleich zu heute. Die Stadien sind enorm groß. Und das Preisgeld ist mit 25 Millionen australischen Dollar unglaublich hoch. Heute kommen in den zwei Wochen über 600.000 Zuschauer.

Und die Creme de la Creme der Tennisszene.

Früher ganz und gar nicht so. Die Top-Leute sind teilweise nicht angetreten. Aber heute ist das anders. Durch das neue Management und die neuen Stadien hat sich das Interesse gewandelt. Die Spieler lockt das Preisgeld. Auf einmal wollten alle spielen. Es ist das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres. Für die Spieler ist es sehr wichtig gut zu spielen und Selbstvertrauen für das Jahr zu tanken.

Wen zählen Sie zu den diesjährigen Favoriten bei den Männern?

Roger Federer und Rafael Nadal dominieren in den letzten vier bis fünf Jahren die Grand-Slam-Turniere. Bei Novak Djokovic und Andy Murray bin ich mir nicht sicher, ob sie um den Titel mitspielen.

Glauben Sie also an einen Zweikampf zwischen Federer und Nadal?

Möglich. Aber in diesen zwei Wochen musst du immer im sechsten Gang fahren. Denn hast du einen schlechten Tag, bist du raus.

Wie sieht es bei den Frauen aus?

Schwer zu sagen. Serena Williams ist verletzt. Kim Clijsters, Justine Henin und Vera Zvonareva zähle ich schon zu den Favoriten.

Welche Rolle werden die deutschen Starter in diesem Jahr spielen?

Die deutschen Männer haben eine sehr schwere Auslosung erwischt. Fast alle müssen gegen gesetzte Spieler antreten. Sollte Philipp Kohlschreiber die erste Runde gegen seinen deutschen Landsmann Tobias Kamke gewinnen, könnte er mit dem Tschechen Tomas Berdych auf die Nummer sechs der Welt treffen. Die Deutschen werden es sehr, sehr schwer haben.

Was trauen Sie einem Philipp Kohlschreiber zu?

Das ist schwer zu sagen. Bevor er auf Berdych treffen könnte, muss er immerhin Kamke bezwingen. Aber sollte er tatsächlich gegen Berdych gewinnen, dann ist das Viertelfinale für ihn möglich.

Den großen Coup trauen Sie aber dennoch keinem Deutschen zu?

Vor dem Turnier ist das schwer zu sagen. Ich weiß nicht, wie viele von den Deutschen die erste Runde überstehen. Aber anhand der Auslosung wird es sehr schwer.

2003 stand mit Rainer Schüttler der letzte Deutsche bei den Australian Open im Finale. Sehen Sie einen Deutschen in naher oder ferner Zukunft im Finale

Im Moment sehe ich keinen Kandidaten. Wir haben mit Kohlschreiber, Florian Mayer oder Philipp Petzschner solide Spieler. Aber junge Spieler haben wir keine. Die anderen sind teilweise über 30. Ein Talent im Alter von 18 oder 19 Jahren ist nicht in Sicht. In den nächsten Jahren wird kein Deutscher bei den Grand-Slam-Turnieren eine große Rolle spielen.

Niki Pilic gewinnt Anfang Dezember den Davis Cup mit Serbien. (Foto: imago) Niki Pilic gewinnt Anfang Dezember den Davis Cup mit Serbien. (Foto: imago)

Wie schlägt sich ihr Schützling Novak Djokovic? Kann er den Turniersieg von 2008 wiederholen?

2008 konnte er das Turnier bereits gewinnen. Der Belag liegt ihm sehr. Dieser ist nicht so schnell und darauf kann er sehr gut spielen. Zuletzt hat er im Davis Cup sehr stark gespielt.

Halten Sie Kontakt zu ihm während des Turniers?

Nein. Vielleicht rufe ich ihn einmal an und gratuliere ihm zu einem wichtigen Sieg. Aber ansonsten halte ich mich eher zurück. Ich möchte ihn in seiner Konzentration nicht stören.

Auf den Plätzen erreichen die Temperaturen Werte um 40°C. Im letzten Jahr kollabierte die Weißrussin Victoria Azarenka während ihres Zweitrundenmatches. Wie schätzen Sie die Gefahr für die Spieler während eines Fünfsatz-Matches ein?

Als Profi musst du die Bedingungen nehmen, wie sie sind. Natürlich sind die Temperaturen sehr hoch. Aber dafür ist das Preisgeld ebenfalls sehr hoch. Ansonsten musst du da als Profi durch. So ist das Profi-Geschäft. Meist wird ja in den Abendstunden gespielt, wenn die Temperaturen niedriger sind.

Und trotzdem musste ein Profi wie Djokovic 2009 im Viertelfinale hitzebedingt aufgeben.

Novaks Spielabbruch ist auf die schlechte Organisation der Veranstalter zurückzuführen. In seiner Achtelfinal-Partie gegen Marcos Baghdatis musste er so lange auf seinen Spielbeginn warten, dass er bis halb drei Uhr morgens gespielt hat. Mit seiner ganzen "Spielnachbereitung" kam er nicht vor sechs Uhr ins Bett. Am nächsten Tag war er todmüde. Klar, dass er in der nächsten Partie gegen Andy Roddick unausgeschlafen keine Chance hatte. An Novaks Stelle hätte ich den Veranstaltern ein Ultimatum gestellt. Entweder ich spiele zu dem veranschlagten Termin, oder ich spiele gar nicht. Wenn der Veranstalter eine Zeit angibt, dann hat er sie auch einzuhalten. Oder ich biete einen neuen Termin unter gleichen zeitlichen Bedingungen an.

Seit einigen Jahren wird das Turnier von Ausschreitungen begleitet. Fangruppen unterschiedlicher ethnischer Herkunft liefern sich regelmäßig handfeste Auseinandersetzungen. Woher kommt diese Gewalt bei diesem Turnier?

Das ist eine Schande. Die Auseinandersetzungen zwischen serbischen und bosnischen Fans kritisiere ich aufs Heftigste. Die Gewalt kommt von den Nationalisten. Das ist eine Gruppe von überwiegend jugendlichen Fans, die von verrückten Anführern gepusht wird. Die wissen nicht, was sie tun. Da muss die Polizei einfach härter durchgreifen. Diese Art von Gewalt hat bei diesem Turnier nichts zu suchen. Dieses Problem gibt es in Serbien und Kroatien allerdings auch bei Fußballspielen.

Welche Qualitäten muss der Australian-Open-Sieger mitbringen?

Der Sieger muss alle Qualitäten der Welt vereinbaren. Man muss sehr viele Komponenten haben, um einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Das Turnier ist unmenschlich hart. Man muss sowohl körperlich und geistig, als auch technisch topfit sein. Teilweise sind die Matches vier bis fünf Stunden lang. Die Hitze bringt den Körper an seine Grenzen. Man muss zu 200 Prozent Profi sein. Besonders auf das Essen achten und genügend schlafen. Der Gewinner muss in jeder Beziehung topfit sein. Dieses Turnier verlangt dem Spieler alles ab.

Wer gewinnt die Australian Open 2010?

Bei den Männern würde ich auf Federer tippen und bei den Frauen traue ich Clijsters den Turniersieg zu.

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