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Interview mit Philipp Petzschner: "Die Bryan-Brüder sind mal fällig"

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"Die Bryan-Brüder sind mal fällig"

20.11.2011, 21:02 Uhr | t-online.de

Interview mit Philipp Petzschner: "Die Bryan-Brüder sind mal fällig". Philipp Petzschner (li.) im Dialog mit Jürgen Melzer  (Quelle: imago)

Philipp Petzschner (li.) im Dialog mit Jürgen Melzer (Quelle: imago)

Das Interview führte Nils Tittizer

Die weltbesten Tennisspieler sind derzeit in London beim ATP-Finale aktiv - und ein Deutscher ist mit von der Partie: Philipp Petzschner (27) schlägt mit seinem österreichischen Partner Jürgen Melzer in der Doppelkonkurrenz auf und will nach dem Titel greifen. Letztes Jahr war nach der Gruppenphase Schluss, das soll diesmal ganz anders werden. Dabei geht es gleich zum Auftakt gegen die bärenstarken Bryan-Brüder. Petzschner ist als zweifacher Grand-Slam-Sieger im Doppel der derzeit erfolgreichste Deutsche auf der Tour.

Im Interview mit t-online.de spricht Petzschner über Siegchancen beim Saisonfinale, eine offene Rechnung mit den Bryan-Brüdern und über die Parallelen des Tennis zum Poker.

t-online.de: Herr Petzschner, war es ein Schock für Sie, als Sie vor einigen Wochen von der Rücken-Verletzung Ihres Doppelpartners Jürgen Melzer erfahren haben?
Philipp Petzschner: Nein. Wir stehen wöchentlich in Kontakt. Darum wusste ich bereits, dass es ihm nicht gut geht. Ich habe immer daran geglaubt, dass er seinen Gesundheitszustand bis London wieder hinbekommen könnte. Klar war es ein Wettlauf mit der Zeit, aber im Körper steckt man nicht drin. Ich wusste jedoch, dass er alles dafür tun würde, um rechtzeitig fit zu werden.

Jürgen Melzer wird spielen. Bei wie viel Prozent ist er aktuell?
Ich glaube, dass er momentan bei 80 bis 85 Prozent ist. Es wird jeden Tag besser.

Haben Sie überhaupt Chancen auf den Titel, wenn Melzer nicht 100 Prozent fit ins Turnier geht?
Alle acht Teams, die in London antreten, haben realistische Chancen zu gewinnen. Das sind die besten Doppel der Welt. Wir haben von den letzten fünf Grand-Slam-Turnieren, bei denen wir angetreten sind, zwei gewonnen. Wenn wir nicht sagen würden, dass wir um den Titel spielen wollten, wäre das ein Understatement, das nicht zu uns passt. Wir sind hier, um zu gewinnen. Das ist unser klares Ziel.

Ist es ein Nachteil, dass Sie sich aufgrund seiner Verletzung nicht intensiv auf London vorbereiten konnten?
Für ihn ja, für mich nicht. Ich habe die letzten Wochen durchgespielt und fühle mich gut. Und da wir uns nicht explizit auf das Doppel vorbereiten, ist es kein wirklicher Nachteil. Wir trainieren im Jahr höchstens dreimal Doppelübungen. Ansonsten nur Einzel. Jürgen hat die letzten Wochen ausgesetzt, um sich zu schonen. Aber es ist ja nicht so, als ob er ein Gipsbein hätte und nicht laufen könnte.

In diesem Jahr mussten Sie im Einzel-Finale von Halle verletzungsbedingt aufgeben. Hätten Sie Verständnis, wenn Melzer im Finale von London aufgeben würde?
Natürlich! Vor allem im Doppel gilt: Du gewinnst zusammen und du verlierst zusammen. Ich gehe nicht davon aus, dass er passen muss. Aber im Fall der Fälle stünde es außer Frage, seine Aufgabe zu akzeptieren.

Sie bekommen es in der Vorrundengruppe mit den Bryan-Brüdern, den Weltranglistenersten im Doppel, zu tun. Klingt nicht nach Wunschlos...
Wir sind hier, um uns mit den Besten zu messen. Bob und Mike Bryan sind mit Abstand die Nummer eins. Wir spielen immer gerne gegen sie. Bislang war es uns allerdings nicht möglich, sie zu schlagen. Wir warten immer darauf, dass wir endlich gegen sie gewinnen. Und jetzt sind mal fällig (lacht).

Das Duo nach dem Sieg bei den US OpenDas Duo nach dem Sieg bei den US Open

Mit  Wimbledon 2010 und den US Open 2011 haben Sie bereits zwei Grand-Slam-Turniere im Doppel gewinnen können. Welchen Stellenwert hätte ein Sieg beim ATP-Finale?
Einen sehr hohen. Ich kann es mir im Moment noch nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, hier zu gewinnen. Bislang war Wimbledon der mit Abstand größte Triumph. Der US Open-Sieg war dann eine Bestätigung unserer Leistung. Damit konnten wir zeigen, dass wir keine Eintagsfliege sind. Und hier zu gewinnen wäre eine Riesengeschichte.  Dann würden wir in der Rangliste in die Top Ten klettern, was für die Olympia-Nominierung reichen würde. Es gibt also eine Menge guter Gründe, hier gutes Tennis zu spielen.

Obwohl sie bereits Wimbledon und die US Open gewonnen haben, heißt es in Deutschland, es fehlen die herausragenden Männer im Tennis. Ärgert es Sie, dass das Doppel im Vergleich einen weitaus geringeren Stellenwert hat als das Einzel?
Das ist natürlich schade. Schließlich ist es auch ein hart erkämpfter Grand-Slam-Sieg. Ich bin schon verwundert, wenn ich nach dem US-Open-Sieg im Doppel in der Zeitung lesen muss, dass die deutschen Herren wieder enttäuscht haben. Letztendlich habe ich das Turnier ja gewonnen - wenn auch nur im Doppel. In Deutschland ist man wohl etwas verwöhnt, was Final-Siege oder Endspiel-Teilnahmen bei Grand-Slam-Turnieren betrifft. Wenn ich aus einem anderen Land kommen würde, würden es die Leute wohl mehr honorieren.

Wie haben Sie und Jürgen Melzer eigentlich als Doppel zusammengefunden?
Wir haben uns schon außerhalb des Platzes sehr gut verstanden. Und zu dieser Zeit hatten wir beide keinen festen Doppelpartner. Also haben wir uns überlegt, es miteinander zu versuchen. Uns war dabei wichtig, dass wir uns keinem Partner verpflichten, mit dem wir jede Woche hätten spielen müssen. Nach wie vor wollten wir uns auf das Einzel konzentrieren und nur nebenbei etwas Doppel spielen.

Ist der fehlende Druck vielleicht die Ursache für Ihren Erfolg?
Wir spielen aus Spaß und immer nur dann, wenn es uns zeitlich passt. Unser Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Einzel. Dass es am Ende so erfolgreich werden würde, davon hätten wir beide nicht zu träumen gewagt.

Muss man befreundet sein, um ein gutes Doppel zu bilden?
Nein, das denke ich nicht. Es gibt genügend Beispiele, bei dem starke Doppel privat nicht wirklich viel miteinander zu tun haben. Aber ich glaube, dass eine Freundschaft weiterhilft. Man kann sich aufeinander verlassen und es fördert den Teamgeist.

Teilen Sie sich ein Zimmer auf den Turnieren?
Nein. Jeder hat sein eigenes Zimmer.

Tennis ist Ihr Beruf, das Pokern Ihr großes Hobby. Gibt es Parallelen?
Schwer zu sagen. Was man theoretisch mit dem Tennis vergleichen konnte, ist das "heads up" – wenn man am Ende nur noch gegen einen Gegner spielt. Dabei muss man versuchen, die Schwächen des Gegners zu erkennen und seine eigenen Stärken auszuspielen.

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