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Davis-Cup-Team ohne Haas und Kohlschreiber

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Kühnen platzt der Kragen - Davis Cup ohne Kohlschreiber

07.09.2012, 09:37 Uhr | dpa

Davis-Cup-Team ohne Haas und Kohlschreiber. Philipp Kohlschreiber wird nicht im Davis Cup gegen Australien antreten.

Philipp Kohlschreiber wird nicht im Davis Cup gegen Australien antreten. (Quelle: dpa)

Hamburg (dpa) - Die Querelen im deutschen Davis-Cup-Team haben vor dem Relegationsspiel gegen Australien ihren Höhepunkt erreicht. Teamchef Patrik Kühnen platzte zehn Tage vor dem richtungsweisenden Duell in Hamburg im Dauerzwist mit Philipp Kohlschreiber endgültig der Kragen.

Obwohl die deutsche Nummer eins ihre Bereitschaft zu einem Einsatz am Rothenbaum gegeben hatte, verzichtet Kühnen vom 14. bis 16. September auf den Achtelfinalisten der US Open. "Irgendwann ist eine Grenze erreicht", sagte Kühnen in Hamburg.

Gegner Australien berief Bernard Tomic, Lleyton Hewitt, Matthew Edben und Christopher Guccione. Konsequenzen für Kühnen im Falle eines Abstiegs schloss DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard aus. "Das sehe ich definitiv nicht so", sagte er. Auf die Frage, ob die Zukunft Kühnens vom Ausgang dieser Partie abhänge, antwortete Eberhard: "Das würde ich ausschließen." Das Präsidium und er stünden hinter der Entscheidung, betonte der 54-Jährige.

Altstar Boris Becker reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung. "Ich habe gerade gelesen, dass Kohlschreiber nicht Daviscup gegen Australien spielen wird... warum, weshalb, wieso?", fragte er via Kurznachrichtendienst Twitter.

Kohlschreiber selbst wollte sich vor seinem Achtelfinale bei den US Open gegen Janko Tipsarevic nicht äußern. Sein Manager Stephan Fehske sagte am Dienstag laut tennismagazin.de nur, dass "Philipp vor dem heutigen Match keine Unruhe erzeugen will" und betonte: "Er hätte sehr gern gespielt, akzeptiert aber die Entscheidung und wünscht dem Team viel Glück für dieses wichtige Match."

Den Platz in der Weltgruppe sichern sollen Florian Mayer, Philipp Petzschner, Cedrik-Marcel Stebe und Benjamin Becker. Routinier Tommy Haas sagte nach Auskunft von Kühnen aus "persönlichen Gründen" ab. Der gebürtige Hamburger will nach seinem Erstrunden-Aus in New York eine Pause einlegen und Zeit mit seiner in den USA lebenden Familie verbringen. "Ich habe mich intensiv um Tommy bemüht. Letztlich muss man seine Entscheidung aber akzeptieren", sagte Kühnen.

Kein Verständnis hat der Teamchef dagegen für Kohlschreiber. Noch in New York hatte Kühnen mit dem Augsburger ein klärendes Gespräch über die Vorfälle beim Erstrundenspiel in Bamberg gegen Argentinien geführt. Kohlschreiber hatte im Februar aus gesundheitlichen Gründen abgesagt und die Kritik sowohl von Kühnen als auch von Haas auf sich gezogen, weil er sich angeblich nicht beim Team gemeldet hatte.

Kühnen hatte sich damals auf die Seite von Haas gestellt und Kohlschreiber damit verärgert. Quasi als Retourkutsche booteten der eigenwillige Profi und Mayer im Mai Kühnen als Teamchef beim World Team Cup aus und stellten den 46-Jährigen damit in aller Öffentlichkeit bloß.

Trotzdem wollte Kühnen das Thema nach dem Treffen mit Kohlschreiber in Flushing Meadows, bei dem dieser nach eigener Aussage "sehr laut" geworden war, eigentlich zu den Akten legen und den sich derzeit in blendender Form befindenden Bayern für das wichtige Duell mit den Australiern nominieren. Als er wenig später in den Medien aber erneut kritische Aussagen von Kohlschreiber lesen musste und dieser ein weiteres Treffen mit ihm trotz eines spielfreien Tages ablehnte, war für Kühnen das Fass übergelaufen.

"Irgendwann ist es genug", sagte der Teamchef. Kohlschreiber wiederum hatte in New York unter anderem versichert, dem Team in Bamberg eine SMS geschrieben zu haben. "Ich hatte mich beim Team gemeldet. Diese Info wurde aber vorbehalten", sagte er nach seinem Erstrunden-Sieg. Kühnen hatte damals erklärt, Kohlschreiber habe sich nicht beim Team gemeldet. Eberhard bestätigte nun, dass es eine SMS an Kühnen gegeben habe, die dieser aber zum Zeitpunkt der Pressekonferenz in Bamberg noch nicht gelesen habe.

Allerdings gilt der Verzicht auf Kohlschreiber vorerst nur für die Begegnung in Hamburg. "Die Tür bleibt für ihn offen", sagte Kühnen. Gegen Australien sei es ihm aber wichtiger, eine Mannschaft als geschlossene Einheit zu haben. "Ich bin mir sicher, dass wir damit ein gutes und geschlossenes Team haben", sagte Kühnen.

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